Berghülen Zustimmung zum Windrad

SABINE GRASER-KÜHNLE 25.09.2014
Der Berghüler Gemeinderat hat einem Baugesuch für eine Windkraftanlage zugestimmt, obwohl er Lärmbelästigungen befürchtet.

Für Gemeinderäte sind Baugesuche immer dann ein Ärgernis, wenn sie über diese positiv entscheiden müssen, obwohl sie das nicht wollen. Der Grund liegt in der Gesetzgebung: Das Ratsgremium hat nur über die Dinge zu entscheiden, worüber die Gemeinde bereits im Rahmen ihrer Planungshoheit bestimmte Regelungen aufgestellt hat, etwa im Bebauungsplan. Alles andere ist die Aufgabe der übergeordneten Baubehörde im Landratsamt. Doch regelmäßig betreffen Genehmigungen, die das Landratsamt in Ulm zu erteilen hat, die Bürger vor Ort so direkt, dass die Räte am liebsten ein Wörtchen mitreden würden.

So auch am Montag, als das Gremium über den Bauantrag für eine neue Windkraftanlage auf "Wennender Heide", nahe der Seißener Gemarkung, zu befinden hatte. Für die Räte ging es ausschließlich um den Standort und das Einverständnis zur Größe der Anlage, hatten sie vor Jahren an diesem Standort eine Windkraftanlage genehmigt. Doch die war damals kleiner konzipiert und hatte eine geringere Leistung.

Inzwischen hat der damalige Investor sein Projekt an die Firma Alb Energie GmbH weitergegeben, die nunmehr eine deutlich höhere Anlage bauen will, die eine Nabenhöhe von 140 Metern haben soll. Die Gesamtleistung des Windrads liege bei Rotorendurchmessern von 117 Metern nunmehr bei 2,4 Megawatt.

Was die Räte darüber hinaus beschäftigte, war die Frage, ob größere Rotoren mehr Lärm verursachen, denn dann wollten sie der Anlage nicht zustimmen. Eine genaue Messung lag allerdings noch nicht vor, weil die vom Gesetzgeber vorgegebenen Windverhältnisse in dieser Konstellation offenbar seit eineinhalb Jahren nur selten eingetreten sind, um reelle Messergebnisse erzielen zu können. Lagen diese vor, konnte die Firma, die die Messungen vornehmen sollte, nicht so kurzfristig kommen. Doch auch wenn die Frage des Lärmschutzes eine für die übergeordneten Baubehörde ist, ließ die Räte das Thema nicht los. Schließlich sind die Berghüler Bürger möglichen Lärmbelästigungen ausgesetzt, und denen gegenüber fühlen sich die Räte verantwortlich.

Am Ende konnte Bürgermeister Bernd Mangold denn doch alle überzeugen, ihre Stimme abzugeben. Sein Argument: Werde der Immissionsschutz nicht eingehalten, gebe es keine Genehmigung durch das Landratstamt. Hilfreich für die Ratsmitglieder war auch die Zusicherung vom Geschäftsführer der Alb Energie, Rolf Böhringer, dass neben dem Lärmgutachten auch ein Umweltsvertäglichkeitsgutachten erstellt wurde. Er sicherte auch zu, sollten aufgrund des Baus der Anlage Flurschäden entstehen, würden diese später bereinigt. Der Gemeinderat stimmte dem Bauvorhaben zu, verbunden mit der Bitte, das Landratsamt soll eine möglichst zeitnahe Lärmmessung anordnen.