Gemeinschaft Erbacher Bürgernetzwerk: Zusammenhalt – ohne Zwang

Erbach / Franz Glogger 06.07.2018

Im Blick hatte ich so etwas schon länger“, sagt der Erbacher Alt-Bürgermeister Paul Roth. Er meint damit Angebote an eine Generation, die auf den Ruhestand zusteuert, gerade in diesen eintritt oder noch so rüstig ist, dass sie mit einem Kaffeekränzchen nicht zufrieden ist. Am Laufen gehalten werden sollte das Ganze durch ein freies Bürgernetzwerk nach dem Prinzip, „von Gleichgesinnten für Gleichgesinnte“. Zunächst hatte Roth als amtierender Bürgermeister genug andere Aufgaben und im Gemeinderat sah er auch „zu wenig Lobby“. Die Unterstützung aus dem Gremium war ihm wichtig: „Ich wollte einen klaren Auftrag.“

Forum Plus Familie

Roth nutzte die Zeit um Gedanken zu sammeln, nach dem Motto: Was würde ich selber wollen? Und wofür gibt es in Erbach kein Angebot? Etwa Tanzen, Radfahren in der Gruppe, Computerkurse für Ältere. Und der Noch-Bürgermeister hielt die Augen offen, wen er zur Gründung und Leitung einer Gruppe gewinnen könnte. „Nur darauf warten, dass sich jemand meldet, funktioniert nicht“, sagt Roth. Einen der ersten, den Radsportbegeisterten Wolfgang Egle, sprach er an, als dieser ihm zufällig auf dem Marktplatz begegnete. Es brauchte nur ein kurzes Überlegen, und Egle sagte zu. So ging es mit Tanzen für Paare, EDV einschließlich PC-Sprechstunde und Englisch. „Ein Anfang war gemacht“, sagt Roth. Von 2008 an wuchs die „Forum Plus Familie“ stetig. Weitere Fremdsprachen kamen hinzu, Kunstkurse, Vorträge, Firmenbesichtigungen und vieles mehr. Einen nochmaligen Schub erhielt das Netzwerk, als mit der Sanierung der alten Jahnschule ein fester Treff entstand  und Roth 2010 sein Amt als Bürgermeister abgab. Die einzelnen Gruppen organisierten sich zwar selber, aber es tat der Sache gut, dass jemand den Überblick behält, bei dem wichtige Fäden zusammenlaufen. Das Grundprinzip sei aber immer: Es gibt keine Mitgliedschaft. Jeder kann kommen und wegbleiben, ohne das Gefühl, dafür Rechenschaft ablegen zu müssen.

Ausfahrten in Betriebe und Städte

Deshalb ist Roth so stolz darauf, dass viele von Anfang an dabei sind und, wie er selber, „für unser Netzwerk immer noch brennen“, ob als Leiter, Besucher oder Schaffer in zweiter Reihe. Auch viele Angebote bewiesen Kontinuität, wie der „Montagsgast“ oder Ausfahrten in Betriebe und Städte, beide jeweils mit 100 und mehr Auflagen. 40 Angebote sind derzeit im Programm mit 4 bis über 100 Teilnehmern. So gut das Forum 50 Plus – „Das ist nur eine Leitzahl“ – auch funktioniere, so wenig „darf man selbstgefällig werden“, sagt der Leiter. Zum Beispiel gelte es, den Familien-Gedanken zu bewahren, bei dem sich möglichst viele verantwortlich fühlen und Nachfolger für Aktive suchen, die abgeben wollen. Auch das sei ein Prinzip, sagt Roth: „Man muss auch aufhören dürfen.“

Der Gründer und das Fest

Werdegang Paul Roths erste Station war acht Jahre lang Westerstetten, bevor der heute 65-Jährige 1986 für drei Wahlperioden Rathauschef in Erbach wurde.

Programm Am Sonntag, 8. Juli, feiert das Forum rund um seinen Treff Geburtstag. Beginn ist um 11 Uhr. Dann heißt es Informieren, Kennenlernen und Unterhaltung mit dem Ulmer Liedermacher Walter Spira und seiner Band „Mitsingen strengstens erlaubt“. Mehr im Internet unter www.forum50plus-erbach.de

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