Rammingen Zufrieden im Donaumoos

HELGA MÄCKLE 04.09.2012
Robuste Angusrinder sollen verhindern, dass das Donaumoos bei Rammingen zuwächst. Die Wiederkäuer tragen dazu bei, den Lebensraum von seltenen Pflanzen und Tieren in dem Naturschutzgebiet zu erhalten.

Mit fünf Kühen und zwei Kälbchen ist Angusbulle "Hektor" umgezogen: Im Hänger ging es von der bisherigen Weide in Rammingen auf das rund fünf Kilometer entfernte Areal im Donaumoos: Mit übermütigen Sprüngen haben die Tiere ihre neue Heimat in Beschlag genommen. Damit hat am Samstag das Projekt "Gemeinschaftsbeweidung Donauried" begonnen.

"Die Tiere fühlen sich wohl", sagt Wilhelm Klaiber, dem die Herde gehört. Angus ist eine leichte Rinderrasse für die Fleischproduktion, die vor allem für ihre Robustheit bekannt ist. Noch sieht Klaiber drei Mal am Tag nach den Tieren, kontrolliert, ob sie genügend Wasser haben, ob keines verletzt ist, ob sie fressen. "Ich bin überrascht, wie gut es läuft." Außer Klaiber machen sieben Landwirte an dem Projekt mit, indem sie beispielsweise ihre Wiesen zur Verfügung stellen und beim Aufstellen des Zauns mithelfen. Mehr als 140 Pfosten haben sie eingeschlagen, an denen nun der etwa ein Kilometer lange Elektrozaun befestigt ist. Etwa sechs Hektar Land sind so eingezäunt, weitere zehn folgen im Herbst, so dass sich die acht Rinder auf rund 16 Hektar Fläche tummeln können.

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, gründen die Landwirte einen Pflege- und Weideverein, dem auch die Gemeinde Rammingen angehören wird. Bürgermeister Karl-Friedrich Häcker und der Gemeinderat unterstützen das Projekt von Anfang an mit viel Einsatz - und Flächen. Dieses ist - wie berichtet - ein Ergebnis des "Oberflächenwassermanagement Donauried". Dessen Ziel ist, die unterschiedlichen Interessen im zum Teil streng geschützten Donaumoos besser unter einen Hut zu bekommen. Nach Meinung von Robert Aigeltinger erreicht das Beweidungsprojekt genau das: Der Naturschutz profitiert, weil die Landschaft durch die Rinder vor Verbuschung bewahrt und die Artenvielfalt gefördert wird; der Vogelschutz, weil Brutplätze für die Vögel erhalten bleiben und neue entstehen; die Landwirte, weil sie für die extensiven Bewirtschaftung Geld bekommen. "Es ist die perfekte Naturschutzmaßnahme, die zudem deutlich günstiger ist als der Einsatz von Maschinen", sagt der Agraringenieur, der das Projekt für den Wasser- und Bodenverband Donauried angestoßen hat. Das sah auch die Leader-Gruppe Brenzregion so: Sie bewilligte einen Zuschuss von 33 000 Euro für die Investitionskosten in Höhe von rund 50 000 Euro.

Bis es allerdings so weit war, dass die Rinder im Donaumoos grasen, mussten Aigeltinger und die Bauern zahlreiche Punkte mit zahlreichen Behörden klären. Zum Beispiel ab wann die Tiere im Frühjahr ins Ried dürfen, denn den Winter werden sie im Stall in Rammingen verbringen. "Die Frage war, ob die Rinder im Frühjahr die brütenden Vögel stören oder nicht", berichtet Aigeltinger. Weitere Punkte, etwa ob ein mobiler Weideunterstand aufgestellt werden darf, musste mit Naturschutzbehörde und Veterinäramt geklärt werden, ebenso, ob den Tieren Raufutter wie Heu und Stroh zugefüttert werden darf. "Das war alles ziemlich aufwendig", sagt Aigeltinger: "Und manchmal ziemlich nervenaufreibend." Umso mehr freut er sich, dass es nun geklappt hat. "Vor allem auch, weil die Landwirte so toll mitgezogen haben."

Ob das Projekt alle Hoffnungen erfüllt, wird es beweisen müssen: Holger Müller von der Arge Donaumoos wird die Entwicklung genau verfolgen - und dem Regierungspräsidium Tübingen als Oberer Naturschutzbehörde berichten. Müller kennt das Donaumoos, die Pflanzen und Tiere genau. Er weiß, welche Orchideenart wo wächst und in welcher Zahl. Er weiß, wie viele Große Brachvögel und Kiebitze brüten. Und er hat alles kartiert. "Deshalb kann er die Veränderungen durch die Beweidung genau beurteilen. Er ist der perfekte Mann", sagt Aigeltinger, dem vor Müllers Beurteilung überhaupt nicht bang ist. Im Gegenteil: "Ich bin mir sicher, dass die Beweidung Pflanzen und Tieren gut tut." Hektor und seine Herde interessiert es keine Spur, ob in ihren Hufabdrücken neue Pflänzlein wachsen oder ihr Dung Vögel anlockt. Sie grasen zufrieden.