Spenden Zu Weihnachten ein Päckchen Freude

In der Lagerhalle in Bernstadt kontrollieren die ehrenamtlichen Helfer die Schuhkartons und füllen sie bei Bedarf auf. Im vergangenen Jahr kamen 4000 Päckchen zusammen.
In der Lagerhalle in Bernstadt kontrollieren die ehrenamtlichen Helfer die Schuhkartons und füllen sie bei Bedarf auf. Im vergangenen Jahr kamen 4000 Päckchen zusammen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Bernstadt / Katrin Stahl 15.11.2018

Bunt beklebte Schuh­kartons stapeln sich in der Lagerhalle in Bernstadt. Ständig kommen neue hinzu, die fleißig mit Weihnachtspräsenten gefüllt werden. Gedacht sind die Päckchen für Kinder in Bosnien und Serbien.

„Kinder helfen Kindern“ – so heißt das Projekt des Vereins „Brot des Lebens“. Seit mehr als 18 Jahren sammeln Drago Simeunovic und sein Team jeden Herbst Geschenke für Kinder von Roma-Familien. Das Prinzip ist einfach: Schul­klassen, Kindergartengruppen und Privatpersonen gestalten Schuhkartons, füllen sie mit Kleinigkeiten und geben sie beim Hilfswerk ab. Dann heißt es für die ehrenamtlichen Helfer in Bernstadt: Päckchen kontrollieren, eventuell nachfüllen, Lastwagen beladen. „Vergangenes Jahr haben wir 4000 Pakete erhalten“, sagt Simeunovic stolz.

Dem 70-Jährigen, der seit mehreren Jahrzehnten in der Missionsarbeit tätig ist, merkt man die Begeisterung an. Anfang Dezember, so erzählt der ehemalige Dreher, beginne die etwa zweiwöchige Tour nach Südosten. An der Grenze nach Serbien gebe es schon manchmal Probleme mit dem Zoll: „Da werden einige Päckchen besonders kontrolliert.“ In Bosnien kenne man sich bereits, das Vertrauen sei da. Partner und Sozialämter sorgten für den Kontakt vor Ort.

Viele Helfer fahren mit

Neben der weihnachtlichen Ladung auch an Bord: etwa 15 freiwillige Helfer aus dem Raum Ulm. „Manche nehmen sich nur für diese Fahrt Urlaub“, berichtet Simeunovic. Belohnt für den Einsatz wird das Team beim Verteilen der Geschenke. „Unsere Anlaufstellen sind arme Dörfer und Roma-Siedlungen in den Regionen um Tuzla in Bosnien und Les­kovac in Serbien. Wir fahren in die Schulen und zu den Dorfplätzen – dort, wo die Kinder sind.“ Bei denen sei die Freude immer riesengroß, für manche sei es das einzige Geschenk im Jahr. Simeunovic, der Ende der 1960er aus Bosnien nach Deutschland kam, legt Wert auf die Transparenz seiner Arbeit: „Jeder Missbrauch ist bei uns ausgeschlossen.“

Bereits Anfang der 1990er Jahre, kurz nach dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens, wurden in Ulm erste Hilfsgüter auf den Balkan geschickt. Im Jahr 2000 entstand aus dieser Idee das Bernstadter Missions- und Hilfswerk. Seit der Gründung ist die Zahl der Mitglieder von etwa 15 auf 50 gestiegen. Der Großteil arbeitet ehrenamtlich, alle Projekte werden durch Spenden finanziert. „Brot des Lebens“, der Name des christlichen Vereins, bezieht sich auf ein Zitat in der Bibel, Simeunovic bezeichnet sich selbst als tiefgläubig. Ziel sei es, den Menschen vor Ort etwas von der Liebe Gottes zu vermitteln. Dennoch, darauf legt der Leiter Wert, handele es sich um einen überkonfessionellen Verein: „Wir wollen den Leuten helfen, dabei schauen wir nicht nach der Religion.“

Tätig ist der Verein hauptsächlich in Bosnien, Serbien, Rumänien und Armenien. Mitarbeiter gibt es vor Ort in den Dörfern und Siedlungen. „Diese Menschen kennen die Situation im Land und können den Hilfsbedürftigen auf Augenhöhe begegnen“, erklärt Simeunovic. Neben der Weihnachtsgeschenke-Aktion gibt es weitere Projekte zum Beispiel die Lebensmittelpakete, von denen im vergangenen Jahr mehr als 1500 nach Bosnien und Serbien gingen.

Helfen aus Nächstenliebe

Warum er und die anderen Mitglieder von „Brot des Lebens“ sich engagieren? Für Drago Simeunovic ist der Grund Nächstenliebe. Außerdem sei es für die Helfer ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden. „Oft rufen mich ältere Menschen an und fragen, wie sie helfen können.“

Die Spendenbereitschaft in der Ulmer Region sei grundsätzlich groß, um die Weihnachtszeit steige sie natürlich immer etwas, meint Simeunovic. Dennoch, fügt er hinzu: „In unserer Wegwerfgesellschaft geht es uns noch immer zu gut. Wir sollten uns mehr bei unseren Nachbarn umschauen.“

Ein Projekt, von dem er träumt? „Von den Ländern, die wir unterstützen, ist Armenien das ärmste. Hier würde ich gerne Werkstätten aufbauen, in denen junge Menschen eine Ausbildung beginnen können.“

Womit die Kartons gefüllt werden sollten

Ablauf Noch bis morgen, Freitag, können die Päckchen hier abgegeben werden: Vor dem Berg 4, 89182 Bernstadt. Der Verein empfiehlt ein sauberes Stofftier, ein Spielzeugauto oder eine Puppe, ein Satz Buntstifte oder ein gefülltes Mäppchen, zwei Schulhefte, Zahnpasta, Zahnbürste, Kamm oder Bürste, Haarklammern oder Haargummis, Schal und Socken und natürlich Sachen zum Naschen wie Bonbons oder Schokolade. Wichtig: Die Pakete sollten nicht zugeklebt werden, da sie für den Zoll kontrolliert und eventuell aufgefüllt werden müssen.

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