Handwerk Zu Besuch beim Messerschmied

Albeck / Karin Mitschang 28.08.2018

Man „muss die Hitze abkönnen“, sagt Frithjof Güttler. 39 Grad zeigt das Thermometer, als der 58-Jährige in seiner Werkstatt neben der Albecker Kirche mit wenigen, wohlklingenden Schlägen aus einem viereckigen, glühenden Ende die Form einer Messerspitze zaubert. Was bei ihm so leicht aussieht, ist altes Handwerk, das der zivile Arbeitnehmer der Bundeswehr in Jahrzehnten eingeübt hat.

Mit ein paar Probeschlägen auf einem Fest an einer mobilen Schmiede begann die Leidenschaft fürs Messerschmieden. „Das war im Jahr 1987, es hieß: Probier doch mal“, erinnert sich Güttler genau. Die Stahlbearbeitung ließ ihn nicht mehr los. „Mich fasziniert es, etwas Starres wie Stahl mit Wärme beweglich zu machen und dauerhaft zu verformen“, erklärt der Albecker, für den das Hobby vor einigen Jahren zum Nebenberuf geworden ist. „Für mich ist das auch mentales Entspannen, wenn ich hier bin, kriege ich den Kopf komplett frei.“

Autodidaktisch, aber auch beim Mitschaffen in Werkstätten anderer, zum Beispiel bei Mentorin und Schmiedemeisterin Hanna Kröner-Weber in Schalkstetten, eignete er sich Wissen und Technik an. Zur eigenen, mehrfach verbesserten Werkstatt mit Presse, Amboß und Gasofen kamen später auch eine Holz- und Leder- und zuletzt eine Silberwerkstatt. „Meine Spezialität sind Damaszenermesser“, sagt Güttler und zeigt ein schön gemustertes Exemplar mit seinem Schnurrbart-Schmiedemarke, das in einer verzierten, von Hand genähten Lederscheide ruht.

„Die Liebe zum Material gehört dazu“, sagt Güttler und legt in einem der vielen Zwischenschritte ganz ohne Schutzkleidung den Messerrohling in den hell-orange leuchtenden Gasofen. Vom anfänglichen Zuschneiden der niedriglegierten Stahlplatten über das Verschweißen am Stab, das Erhitzen im Ofen bei 1400 bis 1500 Grad, das Verschweißen der Schichten mit dem Hammer, das wiederholte Ausrecken (in die Länge schmieden) in der Presse, die Faltung und das endgültige Formen des Rohlings bis hin zum späteren Schleifen und Polieren vor der Griffmontage.

Güttler kann sich nicht entscheiden, was er am liebsten mag und was nicht so sehr. „Am anstrengendsten ist das Polieren“, kann er zumindest sagen. „Das ist stundenlange Handarbeit mit Ölsteinen.“

Früher war der Albecker viel auf Mittelalter-Events, heute geht er mit seiner Schauschmiede und Kohlefeuer nur noch zu ausgewählten Veranstaltungen. Auf Seminaren gibt er sein Wissen an die verschiedensten Menschen weiter. „Das sind Schlosser, aber auch Buchhalter und Zahnärzte.“ Die meisten seiner Kunden sind Frauen, sagt Güttler verschmitzt – denn die kaufen zu einem hohen Anteil die Gutscheine oder bestellen handgefertigte Messer als Geschenk.

„Das Werkzeug hat ein Leben, es will umsorgt und umhegt sein“, sagt ihnen Frithjof Güttler dann, der je nach Messer einen Tag bis zwei Wochen Arbeit reingesteckt und den Stahl zum Leben erweckt hat, und der eine gute Reinigung und Pflege mit Öl empfiehlt.

Die Sache mit der Faltung

Härte Entgegen der landläufigen Meinung, hundertfache Faltung des Stahls mache ein Messer oder ein Schwert besonders scharf, dient sie beim Damaszenermesser nur der schönen Optik. Mit 25 Lagen geht es schon los, sodass schon dreimaliges Falten 200 Schichten ergibt.

Samurai Beim japanischen Katana dient das Falten des Materials, des Eisensands, der Reinigung und Homogenisierung und zur Steuerung des Kohlenstoffgehalts. Die Schärfe des Schwerts wird durch die Härte der Legierung bestimmt. Rostfreier Hightech-Stahl erreicht weniger scharfe Klingen.

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