Natur Zimmer mit Aussicht am See

Das aus einer Eiche gefertigte Storchennest wird aufgestellt: Martin Buszlauer (links) und  Alfred Hemmler in Aktion.
Das aus einer Eiche gefertigte Storchennest wird aufgestellt: Martin Buszlauer (links) und  Alfred Hemmler in Aktion. © Foto: Franz Glogger
Franz Glogger 07.12.2018

Ich mag die Viecher.“ Was vielleicht ein wenig derb klingt, ist von Alfred Hemmler ganz und gar nicht beabsichtigt. Schließlich ist der 63-jährige Ersinger ein Schwabe und spricht auch so. Die „Viecher“ sind Störche. 2005 hat Hemmler auf seinem Dach von „Storchenvater“ Hans Frölich aus Bernstadt einen Nistkorb montieren lassen, auch in Erinnerung an seine Kindheit, als Meister Adebar im Dorf auf vielen Häusern brütete. Das Nest besucht der Schreitvogel inzwischen nur noch als Tagesgast. Gebrütet wird unweit davon auf einem Strommast.

Um das Geklapper wieder in seiner Nähe zu haben, ließ sich Hemmler etwas Besonderes einfallen: Eine Nisthilfe auf seinem Freizeitgrundstück beim Baggersee. Ein schnöder Stahlmast kam für den Natur- und Tierliebhaber nicht in Frage. Ein Baum musste es sein. Ein solcher sollte im benachbarten Realwald zu finden sein. Der Förster schlug nichts Geringeres als eine Eiche vor: Diese war von der Krone her erkrankt und nur noch als Nutzholz zu gebrauchen. Hemmler griff zu.

Als er mit Freunden Anfang der Woche zum Fällen antrat, haute es die fast um. Ein Baum, im Fuß mehr als einen Meter Durchmesser und 22 Meter hoch, stand vor ihnen. Das fünf Tonnen schwere Trumm machte dem Bagger schwer zu schaffen, der die Eiche abtransportieren sollte. Schlussendlich ging alles gut und der Baum lag um Fuß und Krone erleichtert am künftigen Standort. Dort hatte Hemmler schon vor einigen Wochen ein Loch gebaggert, in dem der Baumstamm zwei Meter tief versinken sollte.

Für das Betonieren eines Rings wurden immerhin zwölf Kubikmeter Beton gebraucht. Hemmler hatte sich dazu mit einem Statiker beraten. „Es ist zwar ein Privatgrundstück, aber die Sicherheit war mir wichtig“, sagte der gelernte Schreiner.

Von da an ging es, auch Dank des tatkräftigen Einsatzes etlicher Helfer, Schlag auf Schlag. Der mit Weidenruten bestückte Metallkorb – wieder von Hans Frölich gefertigt – wurde befestigt, mit dicken Ästen stabilisiert und an den Haken gehängt. Christian Bomball hatte diesmal einen größeren Bagger mitgebracht. Aber auch der kam an seine Leistungsgrenze, um das unhandliche Teil so in die Senkrechte zu bringen, dass es in das Loch rutschte. Etliche Schubkarren Kies wurden zur Fixierung hineingeschüttet, dann stand der Baum wie ein Fels. Mit Beifall, Spezi und Leberkäswecken feierte Hemmlers Freundeskreis das gemeinsame Werk. Schon bei den Vorarbeiten waren immer wieder Spaziergänger stehengeblieben und hatten das Vorhaben gelobt. „Tolle Idee, wunderschön“, sagte gestern ein Mann zu Hemmler, als dieser einige Nistkästen an dem Stamm anbrachte. Er ist seinen Helfern und Unterstützern dankbar: „Ich glaube, am meisten freue ich mich selber. Das Nest sieht super aus und ist genau zu meinem Geburtstag fertig geworden.“ Den hat Hemmler gestern gefeiert.

Nest bereits 1766 umgesiedelt

Tradition Störche beim Nestbau zu unterstützen hat in Ersingen Tradition. So wurde laut Ortschronik 1766 bei der Erneuerung der Franziskus-Kirche das Storchennest von der Kirche auf das Pfarrhaus umgesiedelt. Dieses erhielt 1962 einen eisernen Nistreifen als stabile Unterlage. Im Rahmen einer Feuerwehrübung wurde das neue Nest dann auf dem Kamin befestigt.

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