Der Griff ist aus Holz oder Plastik, die Klinge aus Stahl, die Spitze flach: das Einbruchswerkzeug Nummer 1 ist ein gewöhnlicher Schraubenzieher, sagt Bernd Heß von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Ulm. Einbrecher versuchen damit vor allem, Fenster und Terrassentüren aufzubrechen. Oft dauert es keine zehn Sekunden, bis der Einbrecher in der Wohnung ist.

Heß berichtet, dass Einbrecher in Wohnungen oft nach dem gleichen Schema vorgehen: Sie suchen und durchsuchen Schuhschrank, Telefonschrank (auf der Suche nach Geldbeutel, Schlüssel, Mobiltelefon), Küche, Nachttisch im Schlafzimmer (Geld), Bad (Schmuck). "Wenn sie noch nicht genug haben, gehen sie noch zum Wohnzimmerbuffet." Einbrecher suchten nach kleinen Gegenständen, die in Hosentaschen passen und wertvoll sind.

"Es gibt Sachen im Wert von 500 bis 1500 Euro, die in jeder Wohnung an der gleichen Stelle sind", sagt Heß. Auf die haben es Einbrecher abgesehen. Längstens zehn Minuten hielten sie sich in der Wohnung auf, dann seien sie wieder draußen.

Die Betroffenen leiden oft mehr darunter, dass ihre Privatspähre verletzt wurde und ihr Sicherheitsgefühl verloren gegangen ist, als unter den materiellen Schäden. Heß kennt Fälle, in denen Menschen sich danach nicht mehr allein in ihrer Wohnung aufhalten wollten.

Wie Zahlen des Landeskriminalamts Baden-Württemberg zeigen, steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche - während die Kriminalitätsbelastung insgesamt zurückgeht.



Auch im Alb-Donau-Kreis und im Stadtkreis Ulm hat die Polizei einen Anstieg ausgemacht, sagt Rainer Durst, Sprecher der Polizei Ulm. Genaue Zahlen werde es erst im April geben. "Aber der Trend ist erkennbar."

Erklären kann Durst die Entwicklung nicht. "Das wäre Kaffeesatzleserei." Er rät stattdessen, sich von der Polizei beraten zu lassen und die eigene Wohnung vor Einbrüchen zu schützen. Die Beratung übernimmt Bernd Heß, 42. Der gelernte Schlosser arbeitet seit 20 Jahren bei der Polizei. Seit etwa sieben Jahren berät er Geschäfts- und Privatleute, die sich vor Einbrüchen schützen wollen.

"Meist kommen die Leute erst, wenn bei Ihnen eingebrochen wurde", sagt er. "Besser wäre, sie kämen, wenn sie ihr Haus planen." Heß besucht jeden Interessenten vor Ort und klärt, welche Maßnahmen getroffen werden können, um sich zu schützen. Das Hauptaugenmerk legt er auf Fenster und Türen (siehe Bildergalerie). Die Beratung ist kostenlos.

Die Kosten für eine erhöhte Sicherheit möchte er nicht beziffern. "Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich", sagt er. Einen hundertprozentigen Schutz gebe es ohnehin nicht. "Aber wenn ein Täter nach wenigen Minuten nicht drin ist, lässt er meistens vom Objekt ab."

Weitere Tipps zum Schutz vor Einbrüchen finden Sie hier.