Ringingen Workshop in Ringingen - Dirigenten sollten nicht mitsingen

Björn Bus erarbeitete mit den Dirigenten des Blasmusikkreisverbands verschiedene Kompositionen aus unterschiedlichen Ländern und Traditionen.
Björn Bus erarbeitete mit den Dirigenten des Blasmusikkreisverbands verschiedene Kompositionen aus unterschiedlichen Ländern und Traditionen. © Foto: Christina Kirsch
CHRISTINA KIRSCH 03.02.2015
Hilfreiche Tipps haben Dirigenten aus dem Blasmusikkreisverband Ulm/Alb-Donau in einem Workshop in Ringingen bekommen. Referent Björn Bus erläuterte dabei auch die verschiedenen Farben der Musik.

Manche stehen wie ein Fels vor ihrem Orchester, andere sind ständig in Bewegung. Für einige ist der Taktstock ein Haltegriff, andere nehmen beide Hände: Dirigenten sind so unterschiedlich wie Musiker. Und mancher hat sich etwas angewöhnt, das ihm gar nicht bewusst ist, aber dem Orchester nicht gut tut. Dirigenten aus Musikvereinen können im Blasmusikkreisverband Ulm/Alb-Donau bei einem Dirigenten-Workshop aufschlussreiche Erfahrungen sammeln. Dieses Jahr war zur Fortbildung in Ringingen Björn Bus, der Chefdirigent des Landesblasorchesters Baden-Württemberg, verpflichtet worden. 48 Dirigenten ließen sich theoretisch und praktisch unterrichten.

"Wir hatten im letzten Jahr einen Schwerpunkt auf traditionelle Blasmusik", meinte Kreisverbandsdirigent Gerhard Schlecker während der Fortbildung. "Heuer steht eher konzertante Musik im Mittelpunkt. Björn Bus lenkte im Theorieblock die Aufmerksamkeit der Musiker auf die jeweilige Sprache der Komposition. Man müsse berücksichtigen, aus welcher Tradition und aus welchem Land der Komponist komme, erläuterte der Referent.

In einem Stück wie "Englisch Folk Suite" sei alles durchorganisiert und der Tonumfang werde nicht überschritten, erfuhren die Dirigenten. Ein spanischer Pasodoble werde dagegen "mit dicker Zunge", also melodischer, gespielt und in einer französischen Komposition müsse man verstärkt auf die Harmonie achten. Bei den Amerikanern habe das Blech mehr Tradition, bei den Franzosen die Holzbläser.

Im praktischen Teil am Nachmittag stand den Dirigenten das Kreisverbandsjugendblasorchester zur Verfügung. Acht Dirigenten wagten sich unter den Augen des Dozenten auf das Podium und gaben von vorneherein zu, dass sie mächtig nervös sind. "Da wird nämlich der Spieß rumgedreht", wusste Gerhard Schlecker. "Sonst sagen die Dirigenten den Musikern, was sie falsch machen, und jetzt bekommt es der Dirigent gesagt." Und Björn Bus sah vieles, was sich bei den Dirigenten eingeschliffen hatte oder ihrer Aufmerksamkeit entgangen war. "Du sagst sehr gute Sachen, aber versuche auch, es in die Technik umzusetzen", meinte er zu Stephanie Kaiser, der Dirigentin des Musikvereins Andelfingen. Je feiner eine Musikpassage werde, "desto mehr aus dem Handgelenk dirigieren", empfahl er. Die Pulsierung müsse aus dem Handgelenk kommen. "Entschuldigung", entfuhr es der Dirigentin an anderer Stelle. "Denkst du wirklich, du musst dich entschuldigen?", fragte Björn Bus. "Das war das Problem des Cornett, das hatte seinen Einsatz verpasst", stellte er klar.

Es gab auch Tipps, die sich auf die Haltung bezogen, aber auch andere Hinweise wie "versuche, nicht mitzusingen, das lenkt ab". Es gab Dirigenten, die vergaßen ihre linke Hand oder dirigierten auch noch mit dem Unterkörper mit. "Warum dirigierst du nicht schneller, wenn du es schneller haben möchtest?", fragte Björn Bus unumwunden.

Da Musikvereine nicht immer alle Instrumente besetzen können, gab Bus auch Tipps, wie solche Mängel kompensiert werden können. "Wenn du keine zwei Fagotte hast, kannst du auch ein Baritonsaxophon mit einem Fagott kombinieren. Oder ein Euphonium oder eine hohe F-Tuba." Er erläuterte "Musik mit Federkraft" oder "Das Blasorchester als Chamäleon", das immer andere Farben annehmen könne.

Auch Volker Frank, Dirigent des Musikvereins Schelklingen, ließ sich von Bus auf die Finger schauen. "Bitte kleiner und inniglicher", bat Frank, auch Musikschullehrer, die Musiker, und "versucht das zu machen, was in euren Noten steht". Frank outete sich auch als "Stockfan". "Lass sie doch erst einmal spielen", empfahl Bus, nachdem Frank gleich zu Beginn zweimal abgebrochen hatte, weil er berichtigen wollte. "Da bekommt jeder Dirigent innerhalb von zehn Minuten so viel Input, dass es ihn noch lange beschäftigt", wusste Schlecker. Die Anstrengung sah man den Dirigenten deutlich an.