Wo die S-Bahn fahren soll

WILLI BÖHMER 01.12.2012

Eine S-Bahn soll die große Region Ulm/Neu-Ulm enger zusammenschweißen, sagen Landräte und Oberbürgermeister. Und sie soll so attraktiv sein, dass viele Zeitgenossen ihr Auto stehen lassen. Landespolitiker reagieren bislang vorsichtig-reserviert, weil sie die Kosten in Zeiten der Sparhaushalte fürchten. Aber der Regionalverband Donau-Iller schreitet unbeirrt voran. Erst diese Woche hat er sein Konzept präsentiert (wir berichteten). Sechs S-Bahn-Linien plus die ICE-Neubaustrecke von Stuttgart sollen auf den Ulmer Hauptbahnhof zulaufen.

Viele S-Bahn-Züge durchqueren Ulm und bedienen auch eine andere Strecke, so wird Ulm zum Drehkreuz für die S-Bahn. Dort gibt es für die Fahrgäste meist auch eine direkte Verbindung zum Fernverkehr. Die S-Bahn rollt in der Hauptverkehrszeit sogar im Halbstundentakt. Neue und aufgewertete Haltepunkte sollen die Menschen zum Umsteigen vom Auto auf die Bahn motivieren. Das klappt auch, sagen Gutachter und bescheinigen dem Großprojekt einen ungewöhlich hohen wirtschaftlichen Wert.

Aber was heißt das konkret für die Menschen, die an der Bahnlinie leben? Ein Blick in das Konzeptpapier sorgt für Klarheit über den momentanen Stand der Planungen:

Brenzbahn: stündlich soll ein Interregio zwischen Ulm und Aalen verkehren. Er hält in Langenau, Niederstotzingen, Giengen, Herbrechtingen, Heidenheim, Oberkochen und Aalen. In der umgekehrten Richtung fährt er weiter auf die Donaubahn nach Blaustein, Blaubeuren bis Ehingen und darüber hinaus.

Dazu kommt stündlich eine Regio-S-Bahn S2 von Aalen nach Ulm und umgekehrt. Sie soll auf dem Weg von Ulm nach Aalen an allen Haltepunkten stoppen außer in Ulm-Ost, in Oberelchingen und Unterelchingen. Diese Linie wird im Ulmer Hauptbahnhof für optimale Anschlüsse zu den Fernzügen in und aus Richtung Stuttgart bieten, versichern die Planer. Dann fährt der Zug auf der Illertalbahn in Richtung Senden bis Kempten weiter. Zusätzlich rollt stündlich eine Regio-S-Bahn S3 von Ulm bis Langenau, in den Hauptverkehrszeiten bis Sonheim/Brenz.Sie hält an allen Stationen. Weil diese Züge zeitlich versetzt fahren, ergibt sich für die Fahrgäste ein dichter Zugtakt.

Um diese dichten Zugverkehr ohne Störungen durchführen zu können, sollen die Strecken zwischen Langenau und Rammingen sowie zwischen Sontheim und Bergenweiler zweigleisig ausgebaut werden. Und ein Halt "Ulm-Messe" wird neu aufgebaut.

Illertalbahn: Sie führt von Ulm über Senden und Illertissen bis Memmingen. Stündlich verkehrt ein Interregion zwischen Ulm und Memmingen mit Haltepunkten in Neu-Ulm und Illertissen. Im Halbstundentakt fährt in der Hauptverkehrszeit die Linie S5, von Blaubeuren kommend, bis Weißenhorn. Sie hält an allen Stationen, neu hinzugekommen sind dann Senden-Nord, Wullenstetten, Witzighausen, Industriegebiet Weißenhorn und Hauptbahnhof Weißenhorn. Weil drei Linienzüge auf der Strecke zwischen Ulm und Illertissen unterwegs sind, fährt alle 20 Minuten ein Zug der Linie S 6 in Richtung Ulm ab.

In diesem Bereich sind jedoch einige größere Investitionen nötig. Die Strecke Senden-Weißenhorn muss ausgebaut und modernisiert werden. Der Personenzugverkehr zwischen Senden und Weißenhorn soll Ende 2013 starten.

Dafür muss der Bahnhofsbereich in Senden umgebaut werden. Der Bahnhof Neu-Ulm/Gerlenhofen wird verlegt. Der Abschnitt zwischen der Finninger Straße in Neu-Ulm und der Stadt Senden soll zweigleisig werden. Das werde dauern, denn dafür gibt es bislang keine Finanzierung, berichtete kürzlich Vertreter des bayerischen Eisenbahnamtes. Und ein Haltepunkt Senden-Nord, im großen Sendener Handelszentrum, muss neu aufgebaut werden.

Südbahn: Stündlich fährt eine Regio-S-Bahn Linie 1 von Ulm über Laupheim Stadt nach Biberach beziehungsweise Ummendorf. Diese Linie hält an allen Stationen und könnte bis Bad Schussenried verlängert werden. Zusätzlich fährt eine Regio-S-Bahn Linie 7 von Ulm nach Ummendorf, die ebenfalls überall hält. Einzelne Züge sollen bei Bedarf bis Aulendorf rollen. Ein Interregio verkehrt stündlich von Ulm bis Aulendorf und weiter nach Friedrichshafen, mit Stopps in Laupheim, Biberach und Bad Schussenried. Ein weiterer Eilzug soll im Zwei-Stunden-Takt fahren. Dass die Elektrifizierung der Südbahn frühestens 2017 finanziert werden soll, hat auch Auswirkungen auf die S-Bahn-Pläne in diesem Raum.

Donaubahn: Der stündliche Regionalexpress von Ulm über Blaustein, Blaubeuren, Ehingen und Riedlingen in Richtung Sigmaringen hält in Blaubeuren, dann im Haltepunkt Schelklingen Nord, der neu aufgebaut werden soll, in Schelklingen, Schmiechen, Allmendingen und Ehingen, danach wieder in Munderkingen, Riedlingen, einem neuen Haltepunkt Ertingen und Herbertingen. Ein weiterer Regionalzug fährt, halbstündlioch versetzt zum Regionalexpress, von Obermarchtal nach Ulm. Er hält bis Blaubeuren an allen Stationen, von Blaubeuren nach Ulm fährt er beschleunigt und ohne Halt durch. Zusätzlich ist stündlich ein Regionalzug von Blaubeuren aus über Ulm auf die Illertalbahn über Senden bis Weißenhorn unterwegs, mit Halt an allen Stationen. Dieser Zug fährt in der Hauptverkehrszeit jede halbe Stunde. In Blaubeuren besteht eine Umsteigemöglichkeit in Richtung Ehingen.

Südlich von Ehingen soll die Bahnstrecke zweigleisig ausgebaut werden. Neue Haltestationen werden in Schelklingen Nord, in Dettingen, Dintenhofen, Untermarchtal, Obermarchtal, Ertingen und als Möglichkeit in Klingenstein aufgebaut werden. Ein zweigleisiger Ausbau von Obermarchtal bis Riedlingen wäre denkbar.

Bayerische Donautalbahn: Die Züge in Richtung Ingolstadt und Regensburg sind im S-Bahn-System bis Günzburg berücksichtigt. Auf dieser Strecke wird es gegenüber dem aktuellen Fahrplan keine Veränderungen geben. Vergleichbares gilt für die Züge in Richtung Jettingen. Die Mittelschwabenbahn ist ebenfalls Teil des Konzeptes. Sie wird zur Hauptverkehrszeit über Mindelheim hinaus bis nach Memmingen verlängert, mit Anschluss auch in Richtung Ulm.

Filstalbahn: Eine S-Bahn-Strecke S 1 übernimmt den bisherigen Regionalzugverkehr zwischen Ulm und Geislingen mit Halten in Beimerstetten, Westerstetten, Lonsee, Urspring, Amstetten und Geislingen. Von Geislingen könnte diese Linie eine Verbindung nach Stuttgart erhalten. Ein Interregioexpress startet stündlich zwischen Ulm und Stuttgart, mit Halt in Geislingen, jeder zweite auch in Amstetten.

Fernverkehr: Der Fernverkehr zwischen Ulm und Stuttgart ist nach dem Ausbau auf der Neubaustrecke in Richtung Wendlingen unterwegs und nicht mehr auf der Filstalstrecke.

Busanschluss: Die Experten sind sich einig, dass an den großen Haltepunten der Bahn Buslinien beginnen müssen, die die Menschen in die Orte bringen.

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