Westerheim / Joachim Lenk  Uhr

Für die Fans der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) ist in Baden-Württemberg Hockenheim der Inbegriff einer spannenden Rennstrecke. Für Slotcar-Anhänger ist es Westerheim auf der Schwäbischen Alb. Im Dachgeschoss des Geflügelhofes Rehm steht ein 43 Meter langer digitaler Rundkurs im Maßstab 1:24: Austragungsort für ein Qualifikationsrennen der Carrera Profi Liga am Sonntag.

Der Rennstall gehört der Interessensgemeinschaft Alb-Race-Slotter Westerheim. Sie besteht aus zehn Carrera-Fans im Alter zwischen 6 und 50 Jahren. 24 Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg und Bayern haben sich angemeldet, in zwei Altersklassen: 10 bis 17 Jahre und Erwachsene. Zu absolvieren sind vier mal zwölf Runden. Jeweils die drei Schnellsten bekommen ein Ticket fürs Finale im Mai.

Rennleiter ist Xavier Tan von Carrera. Er bringt die Fahrzeuge originalverpackt mit auf die Alb. Im Fachjargon: out of the box. So sind keine Manipulationen möglich. Im Wettbewerb ist 2019 ausschließlich der BMW M1 Procar Regazzoni No. 28 zugelassen. So hat jeder Teilnehmer die gleiche Chance. Tan, der alle Vorläufe in Deutschland und Österreich leitet, schätzt den Westerheimer Kurs so ein: „Er zählt zu den überdurchschnittlich anspruchsvollsten und zu einem der längsten in Deutschland.“

Die ersten vier Fahrer machen sich mit ihren drahtlosen Handreglern startklar. Zuerst dürfen die Teilnehmer zwei Minuten lang ihre Fahrzeuge einfahren. Bevor die Slotcar-Lenker ihre Procars an der Startlinie positionieren, werden die Reifen für mehr Grip angeschliffen. Eine Computerstimme zählt „5, 4, 3, 2, 1“, die Ampel springt auf grün die Rennautos geben Vollgas.

Kein dröhnendes Motorengeräusch ist zu hören, dafür ein leises Surren der Elektromotoren und das Kratzen der Schleiferbürsten. Entlang des 43 Meter langen Rundkurses stehen und sitzen Streckenposten. Sie setzen die „abgeflogenen Autos“, die aus der Kurve schleudern, wieder in die Spur. Auf einem großen Bildschirm sind die Rundenzeit, die Gesamtzeit und die aktuelle Platzierung abzulesen.

Auf der Rennstrecke geht es zu wie bei den Großen. Die Zuschauer sehen perfektes Sliden und Driften und waghalsige Überholmanöver. Natürlich gibt es auch Crashs, doch die gehen immer glimpflich und immer ohne Verletzte aus. Bei den Rennen schenken sich die Starter keinen Zentimeter. Die Fahrer verfolgen mit ihren Augen hoch konzentriert ihr Auto. Das Geheimnis des Erfolges? „Besonderes Fahrgeschick und einen ruhigen Daumen“, weiß Andreas Colbus aus Laichingen. In der Familie fährt nicht nur er, sondern auch sein 14-jähriger Sohn.

Nur 0,7 Sekunden entscheiden

Bei den Nachwuchsfahrern liegt der Rundenrekord an diesem Nachmittag bei 14,4 Sekunden, bei den Erwachsenen bei 13,7 Sekunden. Bei den Kindern und Jugendlichen siegt der zwölfjährige Leon Bösch aus Filderstadt. Letztes Jahr hatte er es schon einmal bis ins Finale geschafft. Damals belegte er Platz 3 bei der Deutschen Meisterschaft. Platz 2 im Qualifikationsrennen belegt Kevin Neuburger aus Laichingen (747,6), Platz 3 Pascal Colbus aus Laichingen (776,8). Bei den Erwachsenen hat an diesem Abend Henrik Schönmann aus Oxenbronn (Landkreis Günzburg) die Nase vorn.

„Das war eine heiße Kiste“, bemerkt Rennleiter Tan an. So knapp ging es noch nie her. Der Zweitplatzierte, Oliver Ruppert aus Laichingen, war nur 0,7 Sekunden langsamer, Klaus Ihle aus Neu-Ulm kam mit nur 0,8 Sekunden Rückstand als dritter ins Ziel.

Westerheim ist von Anfang an Austragungsort

Liga Die Carrera Profi Liga verlieh erstmals in der Rennsaison 2017/2018 den Titel „Carrera Profi Liga“-Champion“. Westerheim ist von Anfang an dabei.

Stationen Im Kampf um den Titel müssen die Carrerraristi an insgesamt 14 Stationen, davon eine in Österreich,  schneller als ihre Gegner über die schwarzen Schienen brettern, um sich einen Platz im Finale am 18. Mai in der „Carrera World“ in Oberasbach bei Nürnberg zu sichern. Die erste Station war Anfang Februar in Kerpen (Nordrhein-Westfalen), Westerheim war der elfte Austragungsort. Weitere Rennen:  Radebeul (Sachsen), 30. März, Villach (Österreich), 6. April, und Kempen (Nordrhein-Westfalen), 13. April.