Zurzeit ist das Fernweh groß – unbeschwertes Reisen ist schon lange nicht mehr möglich. Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Einige Schülerinnen und Schüler des Robert-Bosch-Gymnasiums Langenau haben im Rahmen des Bildungsprojekts Wir lesen Reisereportagen zu Papier gebracht. Hannah Keifert schreibt über eine Reise ans Tote Meer:
Inmitten einer endlos erscheinenden Wüstenlandschaft brennt die Sonne auf mein Gesicht. Es ist heiß. Das Thermometer knackt schon wieder die 40-Grad-Marke. Zeit für eine Abkühlung. Meine Zehen graben sich in den brennenden Sand, während ich den heilenden Schlamm auf meiner Haut genieße. Endlich im Wasser. Ich schmecke das Salz auf meiner Zunge und gebe mich der gespenstischen, nahezu toten Stille hin. Beinahe so tot wie das Gewässer, das meinen Rücken kitzelt. Vorsichtig lasse ich mich tragen von der Schwerelosigkeit des Toten Meers.

Nebensaison am Toten Meer

Wir haben Juli. Nebensaison am Toten Meer. Denn den hohen Temperaturen sind viele Mitteleuropäer nicht gewachsen und auch das Wasser, dessen Temperatur 31 Grad beträgt, ist nur kurzweilig erfrischend. Allerdings wagen auch in dieser Zeit viele Touristen eine Reise an das klare Gewässer. Aber aufgepasst: Wussten Sie, dass das Tote Meer in Wahrheit gar kein Meer ist, sondern ein abflussloser Salzsee, angrenzend an Jordanien, das Westjordanland und Israel? Doch was macht diesen großen Salzsee so besonders?
Wie der Name schon durchklingen lässt, ist das Tote Meer für seinen hohen Salzgehalt bekannt. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich sehnsüchtig auf das Wasser blicke und das Salz auf meiner Haut spüre. Es ist ein Kribbeln, nahezu ein Brennen. Kein Wunder! Fast ein Drittel des gesamten Wassers besteht aus Salz. Das hat zur Folge, dass man auf dem Wasser liegen kann ohne unterzugehen. Häufig habe ich das Gefühl, ich befinde mich in einer Art Schwebezustand.

Viele Bakterien leben in dem Salzsee

Ob die Gewässer des Toten Meers wirklich tot sind, darüber lässt sich streiten. Fische und andere Meerestiere sind hier quasi nicht existent. Wissenschaftler haben aber herausgefunden, dass in dem Salzsee viele unterschiedliche Bakterien leben. Der Salzsee ist aber nicht nur für seinen hohen Salzgehalt bekannt, er liegt auch noch ganze 428 Meter unter dem Meeresspiegel. Das Ufer des Sees bildet damit den am tiefsten gelegenen, nicht von Wasser oder Eis bedeckten Bereich der Erde. Verständlich, dass viele Besucher das Gefühl haben sich an einem ganz besonderen Ort zu befinden. Darunter auch ich.

Meeresspiegel sinkt jährlich

Doch auch die schönsten Orte haben eine Schattenseite. So sinkt der Meeresspiegel des gigantischen Salzsees jährlich um einen Meter – und das seit Jahren. Der Grund ist das Abpumpen des Süßwassers aus seinem Hauptzufluss, dem Jordan. Sollte dieses Problem nicht bald behoben werden, droht der Salzsee auszutrocknen. Hoffnung gibt es aber: Eine neue Pipeline soll das Gewässer retten. Ich hoffe, dass mit allen Mitteln versucht wird diesen wunderschönen Ort am Leben zu halten und man auch in Zukunft das außergewöhnliche Ambiente dieses einzigartigen Sees genießen kann.

Einfach majestätisch

Leider neigt sich meine Zeit hier nun dem Ende zu. Also schnell noch ein paar typische Touri-Fotos schießen, das letzte Mal das Strand-Spa besuchen und mit dem Taxi nach Masada zu einer Unesco-Weltkulturstätte fahren. Letzteres war definitiv mein Highlight. Ich konnte gar nicht genug bekommen von den massiven Felsen des Nationalparks. Verständlich, dass dort Jahre vor Christus ein König seinen Palast errichten ließ – dieses Fleckchen Erde ist einfach majestätisch. Zusammenfassend kann ich also nur sagen: Von atemberaubenden Locations über ausgezeichnete Hautbehandlungen bis Kultur hat das Tote Meer alles zu bieten.