Endlich läuft das Bildungsprojekt wieder: Vor kurzem ist „Wir lesen intensiv“, das sich an weiterführende Schulen richtet, gestartet. Und trotz Coronakrise nehmen fast 100 Klassen teil, aufgeteilt auf zwei Projektzeiträume.
Die Schüler bekommen jeden Tag die SÜDWEST PRESSE geliefert. Sie lesen die Zeitung, beschäftigen sich mit verschiedenen Textgattungen und Themen. Und natürlich dürfen sie sich auch wieder selbst als Reporter versuchen und spannende Geschichten recherchieren – so gut das unter den Corona-Bedingungen zurzeit eben geht. Die Geschichten werden dann auf der „Wir lesen“-Seite veröffentlicht.

Auftakt als Online-Format

Vor Projektstart gab es wie üblich eine Einführungsveranstaltung für die Lehrerinnen und Lehrer. Nur dass diese heuer anders ablief als gewohnt: Statt im Medienhaus trafen sich die Pädagogen per Videokonferenz und holten sich einige Anregungen für das Projekt ab. Aber warum wollen sie überhaupt an „Wir lesen“ teilnehmen? Wir haben mit einigen Lehrerinnen gesprochen:
Andrea Allmendinger unterrichtet an der Grund- und Werkrealschule Eislingen an der Fils bei Göppingen. Sich mit einer Zeitung auseinanderzusetzen passe ideal zur Lerneinheit „Lesen macht stark“, sagt Allmendinger. Gleich nach der Lektüre von „Was ist denn schon dabei?“, wo es um Alltagsgewalt geht, starte das „Wir lesen“-Projekt. Bei vielen ihrer Siebtklässler stünden Zeitungen nicht besonders hoch im Kurs: „Da herrscht die Meinung vor: So viel Text, das lege ich beiseite.“ Sie wolle mit den Kindern den Umgang mit einer Zeitung üben, den Aufbau besprechen, die verschiedenen Rubriken und Formen erklären, die Überschriften anschauen.
Dafür werde sie jeweils einen Artikel aus den verschiedenen Ressorts herausgreifen. Deshalb sei es gut, dass jeder ihrer 29 Schüler im Projektzeitraum eine eigene Zeitung bekommt und diese bearbeiten kann.

Zeitung als wichtige Informationsquelle

Brigitte Berta Glück arbeitet an der Gustav-Werner-Schule in Ulm. Sie unterrichtet Kinder in der Berufsschulstufe, die eine geistige Entwicklungsverzögerung haben. „Kaum jemand von meinen Kindern kennt Zeitungen.“ Dabei stellt das Medium aus ihrer Sicht eine wichtige Informationsquelle dar. Und zwar nicht nur wegen der Artikel, sondern auch wegen der Anzeigen etwa im Stellenmarkt. Für gewöhnlich verließen sich ihre Schüler größtenteils aufs Internet – „und dann kommen die mit teilweise total abstrusen Sachen an“. Wirren Geschichten etwa oder wahnsinnig günstigen Technikangeboten.
„Es fällt ihnen schwer zu filtern, was richtig und wichtig ist.“ Da könne die Tageszeitung ein Gegenpol sein. Gut sei, dass es pädagogisches Begleitmaterial gibt, an dem man sich orientieren kann. Im Unterricht werden zudem auch Zeitschriften durchgesprochen, die die Schule über ein anderes Programm bezieht. Ein weiterer Vorteil der Tageszeitung sei der „lokale Bezug“, sagt Brigitte Berta Glück, denn bei solchen Themen sei das Interesse besonders groß. Geplant sei auch, für die Schülerzeitung einen Artikel über das „Wir lesen“-Projekt zu verfassen.

Gruppenarbeiten nicht erlaubt

„Die Schüler sind richtig scharf drauf“, sagt Christina Hein, die an der Friedrich-Schiller-Realschule in Langenau zwei achte Klassen in Deutsch unterrichtet. Sie selbst ist zum ersten Mal dabei, die Schule macht jedes Jahr mit. „Das Berichte-Schreiben ist in Klasse sieben verankert“, erzählt Hein. Das Zeitungsprojekt folge dann in Klasse acht. Den Schülern gefalle vor allem auch die Arbeit am Computer, so können sie Medienkompetenz erarbeiten. „Und sie sind vor allem begeistert, dass sie etwas schreiben können, das dann auch veröffentlicht wird“, erzählt Hein. Um welche Themen es dabei gehen soll, will sie ihren Schülern erstmal frei lassen. Natürlich gestaltet sich dieses Jahr alles etwas schwieriger – Partner- oder Gruppenarbeiten sind wegen der Corona-Regeln nicht erlaubt.

Basteln mit der Zeitung

Susanne Werdich unterrichtet an der Brandenburgschule Dietenheim-Regglisweiler, ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum Lernen. Ihre Schüler haben eine Lernbehinderung. „Das große Ziel der Förderschule ist, die Kinder am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen“, sagt Werdich. „Und Zeitunglesen gehört einfach dazu.“ Die Lehrerin macht zum ersten Mal bei „Wir lesen“ mit – gemeinsam mit elf Schülern der Hauptstufe, was den Klassen sieben bis neun entspricht.
Was geplant ist? „Wir wollen auf jeden Fall jeden Tag die Zeitung lesen“, erzählt die Lehrerin. Die Jugendlichen sollen verschiedene Textgattungen kennen lernen, Inhalte kurz zusammenfassen. Außerdem hat Susanne Werdich noch eine weitere, kreative Idee: „Wir wollen auf jeden Fall mit der Zeitung etwas basteln. Ich habe ein bisschen Angst vor dem vielen Papiermüll.“

Aktiv werden ist möglich: Das sind die Sponsoren und die Recherche-Angebote


Projektpartner „Wir lesen intensiv“ wird von drei Projektpartnern unterstützt: den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU), der Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen und der Universität Ulm.

Recherche Die Schüler können im Rahmen des Projekts selbst auf Recherche gehen und anschließend darüber Artikel schreiben. Die Projektpartner bieten verschiedene Themen an: Bei den SWU gibt es zum Beispiel einen Erfahrungsaustausch, wie der Alltag unter Corona-Bedingungen aussieht. Außerdem geht es um den CO2-Fußabdruck, um Photovoltaik, Ökologie und Ökonomie sowie Fahrkartenkontrollen. Die Sparkasse Neu-Ullm/Illertissen bietet Finanz-Coaching für den Alltag und ein Gespräch mit einem Berufs-Insider. Außerdem geht es um sicheres Bezahlen, von Bargeld bis Paypal, und um die Basics der Unternehmensgründung.

Zeitung Auch bei der SÜDWEST PRESSE selbst können die Schüler recherchieren: Ein Redakteur steht für Fragen rund um seine Arbeit zur Verfügung.