Burgrieden Winnetou lebt weiter - auch nach Pierre Brice

Burgrieden / ANNA-LENA LÄMMLE 14.07.2015
Winnetou-Darsteller Pierre Brice ist Anfang Juni gestorben, aber die Geschichten des Indianers werden weitererzählt. Bei den Festspielen in Burgrieden schlüpft Michael Ewig in die Rolle des Apachenhäuptlings.

Zu Beginn der Vorführung geht ein erstauntes Raunen durchs Publikum: Eine Pferdeherde galoppiert über den sandigen Boden der Freilichtbühne - weit und breit ist kein Indianer zu sehen. "Winnetou I: Der Beginn einer Legende" steht seit 4. Juli auf dem Spielplan der Festspielen in Burgrieden (Kreis Biberach). Auch vergangenes Wochenende hat das Publikum viel Action mit Faustkämpfen, Feuer und Kanonenschüssen erlebt. Winnetou, Old Shatterhand und die anderen Helden kommen den Zuschauern manchmal zum Greifen nahe.

Claudia Huitz aus Burgrieden und ihr im März verstorbener Ehemann Alexander haben die Bühne im vergangenen Jahr mit "Der Schatz im Silbersee" eröffnet. "Wir hoffen, damit ein Tourismus-Angebot in der Region zu schaffen und unserem Ort zu mehr Bekanntheit zu verhelfen", sagt Claudia Huitz. 800 Zuschauer finden Platz auf den Sitzen vor der größten Freilichtbühne Oberschwabens. "Die ersten Karten hatten wir an Zuschauer aus Belgien verkauft. Unsere Gäste kommen auch aus der Schweiz und aus Österreich."

An den etwa 35 Aufführungen sind 85 Helfer und Schauspieler beteiligt. Neben den acht Profi-Schauspielern stehen rund 40 Hobby-Darsteller aus der Region auf der Bühne und spielen Apachen-Frauen, Kiowa-Krieger und raue Cowboys. Auch drei Hauptrollen sind mit Laien-Schauspielern aus der Umgebung besetzt: Thomas Leanyvari aus Laupheim (Intschu Tschuna), seine 16-jährige Tochter Annika (Emmy) und der ebenfalls 16-jährige Julian Huitz (Pida), Sohn des Gründer-Ehepaars, überzeugen in ihren Rollen. Profi-Darsteller Michael Ewig, der die Titelrolle spielt, lobt die Leistung der Hobby-Darsteller: "Sie sind mit sehr viel Elan und Spaß dabei."

Die Planungen für die aktuelle Karl-May-Inszenierung begannen bereits vor einem Jahr: Das Casting für Profi-und Laienschauspieler fand im November statt, die Proben liefen im Mai an. Vor dem Hintergrund des Todes von Schauspiellegende Pierre Brice am 6. Juni, der in den Zeitraum der Proben fiel, fühlt es sich für Michael Ewig wie eine "kleine Ehre" an, die Figur des Winnetou zu verkörpern.

Eine besondere Herausforderung war für Ewig das Reiten, das er erst im vergangenen Herbst zu lernen begann - eigens für seine Rolle als Winnetou. Dem 33-Jährigen aus dem Saarland gefällt es, auf einer Freilichtbühne aufzutreten: "Die Abhängigkeit von Wind und Wetter macht jede Aufführung spannend."

Auch Claudia Huitz erzählt vom Risiko einer etwa zweistündigen Aufführung im Freien: "Letztes Jahr sind wir sprichwörtlich im Regen ertrunken." In diesem Jahr ist die Freilichtbühne bisher trocken geblieben. Doch nicht nur das Wetter kann launisch sein, auch die Pferde haben ihren eigenen Kopf: Die Tiere sträuben sich manchmal gegen Regie-Anweisungen. Eine Herde über die Bühne galoppieren zu lassen, ist also nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für den Regisseur immer wieder aufregend.

Weitere Vorstellungen

Tickets Die Festspiele in Burgrieden dauern bis 13. September. Die Vorstellungen beginnen freitags um 20 Uhr (nur im August), samstags um 15 Uhr und um 19.30 Uhr sowie sonntags um 17 Uhr. Eine Sondervorstellung für Gehörlose mit zwei

Gebärdensprache-Dolmetscherinnen ist am Samstag, 18. Juli (15 Uhr). Tickets - der Eintritt kostet 22,90 Euro, ermäßigt 18,90 Euro - können unter www.festspiele-burgrieden.de oder per E-Mail unter info@festspiele-burgrieden.de bestellt werden.