In Öllingen herrsche „totales Unverständnis“ unter den Einwohnern im Ort, dass alt und neu nicht zusammenpassen sollen. „Das wäre mein bester Gewerbesteuerzahler geworden“, sagt Bürgermeister Georg Göggelmann über die ENBW, die nördlich der Gemeinde drei Windkraftanlagen geplant hatte. Er spricht von einer jährlich fünfstelligen Summe, die in den Gemeindehaushalt geflossen wäre. Um ein Drittel wären die Gewerbesteuereinnahmen gestiegen.

Anfang Februar hatte das Landratsamt Alb-Donau den Bauantrag der ENBW abgelehnt. Die Behörde hat mit Blick auf Bockstein-, Hohlestein- und Vogelherdhöhle „denkmalschutzrechtliche Belange“ angebracht  und sich auf das Landesamt für Denkmalpflege berufen. Dort wird argumentiert, dass es sich bei den Höhlen und ihrer landschaftlichen Umgebung gemäß Denkmalschutzgesetz um Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung handele, woraus sich ein öffentliches Schutzinteresse ergebe. Das Amt wies zudem auf den beantragten Unesco-Welterbestatus für die Höhlen hin, über den im Juli entschieden wird.

Die ENBW hat, wie berichtet, keinen Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt. Unternehmen und beteiligte Behörden seien sich einig, wie es in einer Mitteilung heißt, „dass das Verfahren für eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung bei geänderten Rahmen­bedingungen neu aufgenommen werden könne“. Darüber hat, wie im Gemeinderat Öllingen zuletzt besprochen wurde, das Unternehmen auch Grundstücksbesitzer vor Ort informiert, die Flächen für den Windpark verpachtet hätten.

Man werde gegebenenfalls ein neues Genehmigungsverfahren anstoßen, sagt ENBW-Sprecher Jörg Busse. Inwiefern sich die Sachlage bei Öllingen ändert, sollte der Unesco-Titel nicht verliehen werden, bleibt derzeit unklar. Man wolle erst die Entscheidung abwarten.

Das Wirtschaftsministerium in Stuttgart – dort ist das Landesamt für Denkmalpflege angesiedelt – verweist ebenso auf Juli und auf das baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz. Ob und inwiefern sich die Rahmenbedingungen in der Umgebung der Höhlen im Falle eines nicht verliehenen Unesco-Titels überhaupt ändern und ein Windpark möglich wäre, dazu gibt es keine Auskunft. Eine Sprecherin verweist einzig darauf, dass „das Ministerium keine Bewertung der Erfolgsaussichten etwaiger Verwaltungsverfahren im Falle einer ablehnenden Unesco-Entscheidung vornehmen“ möchte.

Das Landratsamt Alb-Donau wird, sollte der Titel nicht verliehen werden, prüfen, ob sich die Rahmenbedingungen geändert haben.