Kirche Wieder Leben im Balzheimer Pfarrhaus

Balzheim / HARALD KÄCHLER 04.09.2017

Die vierjährige Mattea und der zweijährige Massimo wuseln durch den weitläufigen Pfarrgarten, Mattea übt im Pfarrhof bereits das Fahrradfahren. Mutter und Vater sind noch im Einzugsstress, die Handwerker auch noch zugange. Sichtbar ist wieder Leben ins Balzheimer Pfarrhaus eingekehrt, seit am vergangenen Mittwoch der neue Pfarrer Luka Ilic mit seiner Frau Angela und den beiden Kindern Mattea und Massimo eingezogen ist.

Der Kirchengemeinderat, die Nachbarn und die Balzheimer Musikkapelle bereiteten den Ilics einen herzlichen Empfang, worüber sich die neue Pfarrfamilie – und mit ihnen auch Angela Ilics Vater Istvan Kontor aus Ungarn – sichtbar freute. Rudolf Gerster, der Vorsitzende des Balzheimer Kirchengemeinderats, überreichte dem Ehepaar Ilic symbolisch Brot und Salz. Dieses wiederum kredenzte dem Begrüßungskomitee einen köstlichen, alten Sliwowitz.

Angela und Luka Ilic sind viel in der Welt herumgekommen und leben zum ersten Mal auf dem Dorf. „Das ist für uns eine neue Erfahrung“, sagt der neue Balzheimer Pfarrer: „Für die Kinder ist das toll, vor allem der eigene Garten.“ 

Auf die Frage, was ihn bewogen hat, sich in die Landgemeinde Balzheim zu bewerben, nennt Pfarrer Ilic fünf Aspekte: Die beiden historischen Balzheimer Kirchen („Ich wollte in keine Betonkirche“, so Ilic), die interessante Geschichte Balzheims, insbesondere der Reformation und Gegenreformation; die Nähe zu Bayern, weil Ehefrau Angela drei Tage in der Woche an der Münchner Universität tätig ist; das geräumige Pfarrhaus und der erste gute Kontakt mit dem Balzheimer Kirchengemeinderat. Dass dies übrigens auf Gegenseitigkeit beruhte, bewies das einstimmige Wahlergebnis am 13. März.

Was für Erwartungen hat der neue Balzheimer Ortsgeistliche: „Ich will ein Pfarrer für alle, aber nicht Pfarrer für alles sein“, stellt Luka Ilic im Bewusstsein der eigenen Grenzen fest. Der neue Pfarrer möchte kirchenpolitisch neutral sein, ohne das Etikett, entweder liberal oder konservativ zu sein. „Die Kirche muss offen für alle sein“, ist der Vorsatz Ilics, dem als Südländer besonders Offenheit, Beziehungen und Freundschaften sehr wichtig sind. Und: Seelsorge kommt bei vor der Verwaltung. Auf jeden Fall wird Luka Ilic in seiner neuen Kirchengemeinde nicht alles gleich umkrempeln.

International Erfahrungen gesammelt

Luka Ilic, geboren 1969 in Karlovac (Kroatien), studierte in den Niederlanden Theologie, später Geschichte, promovierte über den slawischen Reformator Flacius Illyricus, absolvierte 1997 sein erstes theologisches Examen und wurde 2001 ordiniert. Ilic war Pfarrer in Rijeka, Belgrad, dann fast fünf Jahre in Philadelphia (USA) und zuletzt als Pfarrer zur Dienstaushilfe beim Dekan in Ravensburg. Mit Angela, geborene Kontor, ist er seit Oktober 2002 verheiratet.

Angela Ilic, geboren in Miskolc (Ungarn), studierte Geschichte und Religionswissenschaften in Löwen (Belgien), promovierte in Philadelphia, arbeitet zur Zeit an ihrer Habilitationsschrift und ist stellvertretende Direktorin des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Universität München. hk