Alb-Donau-Kreis Wie ist der Handy-Empfang in der Region?

Auf seiner Terrasse hat Otto Bollinger aus Setzingen am ehesten Empfang.
Auf seiner Terrasse hat Otto Bollinger aus Setzingen am ehesten Empfang. © Foto: Bianca Frieß
Region / Bianca Frieß 06.09.2018
Das Handy-Netz im Alb-Donau-Kreis ist im bundesweiten Vergleich besonders lückenhaft – vor allem in kleinen Orten.

Otto Bollinger macht den Test: Er wählt auf dem Handy seine eigene Festnetznummer. Nichts passiert. Dann geht er raus auf die Terrasse – plötzlich klingelt das Festnetztelefon. „Nur auf der Südseite meiner Terrasse oder auf dem Südbalkon habe ich Empfang“, sagt er. In seinem Haus in Setzingen: Fehlanzeige.

Wie der 83-Jährige haben uns viele Handy-Nutzer Funklöcher gemeldet – über die ganze Region verteilt: von Obermarchtal bis Pfaffenhofen, von Altenstadt bis Weidenstetten. Das Problem betrifft vor allem die kleineren Orte: Aus dem Blaubeurer Teilort Seißen haben sich zum Beispiel gleich mehrere Anwohner über das schlechte Netz beschwert. Vereinzelt gibt es aber auch Funklöcher in Ulm und Neu-Ulm, ebenso auf Bundesstraßen und Autobahnen.

Das ist natürlich ein bundesweites Problem. „Jeder kennt’s: Er fährt seit zehn Jahren an einer bestimmten Anschlussstelle vorbei und muss seinem Gesprächspartner sagen, dass er sich in drei Minuten wieder meldet“, sagte der zuständige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kürzlich auf einer Konferenz in Memmingen.

Die Region – insbesondere der Alb-Donau-Kreis – steht im deutschlandweiten Vergleich allerdings besonders schlecht da. Das zeigen Daten, die der TÜV Rheinland im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Ende 2017 erhoben hat. Dabei geht es um die beiden leistungsstärkeren Mobilfunkstandards UMTS und LTE (siehe Infokasten). Die Daten haben die Mobilfunkanbieter zur Verfügung gestellt: Vodafone, die Telekom und Telefónica Germany, wozu unter anderem die Marke O2 gehört.

Im bundesweiten Schnitt ist UMTS mit einer Datenübertragungsrate von mindestens einem Megabit pro Sekunde in rund 91 Prozent aller Haushalte verfügbar. Im Alb-Donau-Kreis sind es dagegen nur 75 Prozent. Im Kreis Neu-Ulm sind immerhin 87 Prozent der Haushalte versorgt, im Stadtkreis Ulm knapp 99 Prozent.

Bei der LTE-Abdeckung sieht es in der Region schon etwas besser aus. Der Kreis Neu-Ulm kann dabei mit dem bundesweiten Durchschnitt mithalten: 96 Prozent der Haushalte sind versorgt. Im Alb-Donau-Kreis sind es 93 Prozent, in Ulm fast 100 Prozent. Schnelleres LTE mit einer Übertragungsrate von mehr als sechs Megabit pro Sekunde ist allerdings wieder seltener zu finden: Damit sind im Alb-Donau-Kreis 79 Prozent aller Haushalte versorgt, im Kreis Neu-Ulm 86 Prozent und in Ulm 96 Prozent.

Aus den Daten lassen sich auch die Gemeinden in der Region mit dem schlechtesten Empfang ablesen, fast alle davon liegen im Alb-Donau-Kreis. Beim UMTS-Netz sind das Emeringen, Breitingen, Grundsheim, Hausen am Bussen, Oberroth, Rechtenstein und Unterwachingen – hier ist nicht mal ein Prozent aller Haushalte versorgt. Besonders schlechten LTE-Empfang gibt es unter anderem in Altheim, Grundsheim, Holzkirch und Hüttisheim. Insbesondere schnellere Übertragungsraten suchen viele Anwohner hier vergeblich.

Dabei muss man bedenken: Immerhin der älteste und langsamste Mobilfunkstandard GSM sollte an den meisten Orten in der Region verfügbar sein. Diese Daten hat das Bundesverkehrsministerium zwar nicht erfasst. Es gibt im Internet aber Karten, auf denen die einzelnen Anbieter ihre Verfügbarkeiten darstellen. Auch dabei gibt es allerdings – je nach Anbieter unterschiedlich – immer noch einzelne weiße Flecken.

Besserung in Sicht

Wieso die Region in Sachen Handy-Netz so schlecht dasteht? Der Aufbau der Netze obliege den Betreibern, berichtet das BMVI. „Er erfolgt nach Wirtschaftlichkeits-Gesichtspunkten.“ Je kleiner der Ort, desto weniger lohnt sich die Versorgung. Und im Alb-Donau-Kreis gibt es besonders viele kleine Gemeinden: Hier leben pro Quadratkilometer nur 142 Einwohner, im Bundes-Schnitt sind es 237 (Stand 2016).

Es ist aber Besserung in Sicht, heißt es vom BMVI. Die Mobilfunkbetreiber wurden verpflichtet, bis Ende 2019 bundesweit 98 Prozent der Haushalte mit LTE zu versorgen. Außerdem wurde im Juni auf dem „Mobilfunkgipfel“ eine weitere Vereinbarung getroffen: Im Laufe des Jahres 2021 sollen 99 Prozent der Haushalte mit 4G-Netz versorgt werden. „Damit Deutschland auch in weniger bevölkerungsstarken Gegenden über eine solide Mobilfunkversorgung verfügt“, verkündet ein Ministeriums-Sprecher.

Wie in dem 700-Einwohner-Ort Setzingen. Hier bestätigen die Daten den Eindruck von Otto Bollinger. Das langsame 2G-Netz sollte zwar verfügbar sein. Besseren Empfang sucht man in vielen Haushalten aber vergeblich. Für den 83-Jährigen ist das zuhause nicht allzu problematisch: „Unsere Bekannten haben eh alle die Festnetz-Nummer“, sagt er. Wenn er aber mit seiner Frau unterwegs ist, braucht er sein Handy – und Empfang. „Damit wir erreichbar sind und falls nötig Hilfe holen können.“

Welche Mobilfunkstandards gibt es?

Netze Es gibt verschiedene Handynetze – Mobilfunkstandards genannt. Diese unterscheiden sich in der Geschwindigkeit der Datenübertragung. Ein Smartphone wählt sich automatisch in das bestmögliche Netz ein, wobei nicht jedes Handy alle Standards unterstützt. Genutzt werden heute drei Netze:

2G Der Mobilfunkstandard der zweiten Generation wurde als erstes digitales Netz 1992 in Deutschland eingeführt. Er wird auch als GSM (Global System for Mobile Communications) bezeichnet. Daten werden mit maximal 256 Kilobit pro Sekunde übertragen – für heutige Verhältnisse sehr langsam.

3G Der dritte Standard heißt UMTS (Universal Mobile Telecommunications System). Hier sind – theoretisch – bis zu 42 Megabit pro Sekunde möglich.

4G Die vierte Generation ist als LTE (Long Term Evolution) bekannt. Hier sind theoretisch – je nach Anbieter Netzqualität – mehrere hundert Megabit pro Sekunde möglich.

5G Die fünfte Generation wird noch entwickelt, das Netz soll voraussichtlich ab 2020 zur Verfügung stehen.

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