Dietenheim Wie ausgestorben? Von wegen!

BEATE REUTER-MANZ 03.09.2012
Von wegen sechs Wochen "dolce vita". In der Dietenheimer Werkrealschule wird auch in den großen Ferien gearbeitet. Die einen putzen und Handwerkern, die anderen feilen an Stundenplänen.

Wie ausgestorben war die Dietenheimer Werkrealschule in diesen großen Ferien wohl an keinem Tag. Denn in diesem Sommer kamen zum normalen "Ferien-Umtrieb" noch zwei Baustellen. "Es war und ist ordentlich was los hier", sagt Hausmeister Andreas Michel. Mittlerweile abgeschlossen ist Baustelle Nummer eins. Im zweiten Obergeschoss, direkt unterm Dach, entstand aus zwei vormaligen Klassenzimmern ein großes Lernbüro. In dieses neue Domizil mit seinen individuellen Arbeitsplätzen wird nach den Sommerferien eine Kombiklasse aus Fünft- und Sechstklässlern einziehen.

130 Quadratmeter misst der helle Raum. Eine Wand rissen die Handwerker schon zu Ferienbeginn heraus, zogen statt dessen einen neuen Zwischenträger ein. Sämtliche Leitungen mussten danach neu verlegt werden. Neu ist auch der Bodenbelag. Mittlerweile haben die Maler die Wände frisch gestrichen. Was noch fehlt, sind Regalaufbauten für die Schreibtische. "Im Prinzip ist dieser Raum aber fertig", freut der Hausmeister. Die Kosten für die Baumaßnahme, die der Gemeinderat kurz vor der Sommerpause noch genehmigte, belaufen sich laut Bauamtsleiter Christoph Koßbiehl auf rund 20 000 Euro.

Das Lernbüro ist nicht nur fertig, sondern eine Woche vor Schulbeginn sogar schon geputzt. Viele andere Räume mitnichten. "Mit dem Großreinemachen starten wir zwei Wochen vor Schulbeginn", sagt Andreas Michel. Um Handwerker, Raumpflegerinnen, Ferienarbeiter und die Mitarbeiter einer Reinigungsfirma zu koordinieren, hat der Hausmeister lange vor Schulende einen detaillierten Einsatzplan erarbeitet - und Putzmittel eingekauft, für sage und schreibe 1500 Euro. Aus den 40 Schulräumen hinaus wuchteten Michel und sein achtköpfiges Reinigungs-Team noch am letzten Schultag sämtliches Mobiliar. "40 mal 25 Stühle, 40 mal 13 Tische, dazu Regale, Lehrerpulte, Tageslichtprojektoren: Da kommt ganz schön was zusammen", rechnet der Hausmeister vor; einmal ganz abgesehen von den vielen Fundsachen, die in den Klassenzimmern in Vergessenheit gerieten.

Die Pulte und Stühle wandern auf die Gänge, damit die Linoleum-Böden einer gründlichen Großreinigung unterzogen werden können. Diese Aufgabe übernehmen seit ein paar Jahren Ferienarbeiter, zwei oder drei an der Zahl. Mit einer speziellen Reinigungsmaschine wird die alte Beschichtung abgetragen und neutralisiert, der Boden danach neu eingelassen. Zu zweit schaffen die Ferienarbeiter an einem Nachmittag zwei Schulräume. Derweil steht auch für die Raumpflegerinnen Großputz an. Neben der Tafelpflege kümmern sie sich um Heizkörper, Türen und die Möbelstücke, die Stück für Stück abgewischt und auf mögliche Schäden hin überprüft werden. Die meiste Arbeit hat der Hausmeister mit den Stühlen: Oft sind die Lehnen locker, noch öfter fehlen die Filzschoner an den Stuhlbeinen.

Für Schulleiter Franz Högenauer und seine Konrektorin Gabriele Zick dauerten die großen Ferien heuer gerade mal drei Wochen. Zu den normalen Jahresabschlussarbeiten wie Buchbestellungen und Lehrergespräche kam in der ersten Ferienwoche die Fertigstellung des pädagogischen Konzepts der künftigen Gemeinschaftsschule. Seit einer Woche ist das Lehrer-Duo nun mit der Deputatverteilung und den Stundenplänen für das kommende Schuljahr beschäftigt. "Es gibt Millionen Möglichkeiten, Lehrerstunden zu verteilen, aber nur ganz wenige, die auch sinnvoll sind", beschreibt Högenauer die Kunst eines guten Stundenplans.

Mit den Deputaten für das kommende Schuljahr 12/13 ist der Rektor im übrigen zufrieden: "Wir sind wie auch in den Jahren zuvor, anständig bedient worden", sagt er. Die künftig 260 Schüler werden von 27 Lehrern unterrichtet. Als die "kompliziertesten Stunden", rein stundenplan-technisch gesehen, bezeichnet Högenauer die von Pfarrer Gerhard Bundschuh. Weil er gleich an mehreren Schulen katholische Religion unterrichtet, geht seine Flexibilität gen Null. Am einfachsten seien die eigenen Stunden zu handhaben. "Bei Rektor und Konrektor machen Holstunden nichts aus", lacht Högenauer. Holstunden: Bei Schülern sind sie nicht erlaubt, beim Lehrerkollegium möchte man sie tunlichst vermeiden.

Während Högenauer und Zick noch ihr kompliziertes Puzzlespiel betreiben, haben draußen die Handwerker damit begonnen, Baustelle Nummer zwei einzurüsten. Der schwere Gewittersturm vom Juli hat dem Dach am Hauptgebäude zugesetzt. Wenn die Schule nächste Woche beginnt, werden diese Reparaturen noch lange nicht beendet sein. "Man bemüht sich, so etwas in den Ferien durchzuziehen", sagt Hausmeister Michel. Nicht immer klappt es, denn auch Handwerksbetriebe machen mal Ferien.