Senden/Weißenhorn Wichtige Phase für Wiederbelebung der Zugstrecke Senden-Weißenhorn

Senden/Weißenhorn / NIKO DIRNER 10.02.2012
Drei Ordner füllen die Pläne für die Modernisierung der Bahnlinie Senden-Weißenhorn. Die Unterlagen können derzeit in den Rathäusern angesehen werden – wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Ein paar Schaulustige und einige Mädchen auf dem Weg zur Schule waren dabei, als am 25. September 1966 zum letzten Mal ein Personenzug in den Weißenhorner Bahnhof einfuhr. „Stiller Abschied vom Bähnle“, titelte die Schwäbische Donau-Zeitung damals. Die Bevölkerung sei größtenteils „uninteressiert an der Bahn“. Heute ist der Öffentliche Personennahverkehr angesichts steigender Kraftstoffpreise wieder gefragt. Im Dezember haben die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) ein Planfeststellungsverfahren für die Wiederbelebung und Modernisierung der Strecke Senden-Weißenhorn gestartet. Dieses sieht vor, dass sich auch die Bürger äußern dürfen – bis zum 23. März in Weißenhorn und Vöhringen und bis 26. März in Senden. Wir haben das als Anlass genommen, die wichtigsten Fakten zusammenzutragen.

Seit 1966 sind auf der 9,8 Kilometer langen Linie nur Güterzüge unterwegs. Die so genannte Reaktivierung für den Personenverkehr war zwar immer Thema – schon in einem Gutachten aus dem Jahr 2002 wird sie als „möglich“ bezeichnet, das Potential mit täglich rund 1800 Pendlern von Weißenhorn nach Ulm angegeben. So richtig ins Rollen aber kam das Thema erst, als die DB Netze im Juni 2008 ankündigte, die Strecke für rund 130 000 Euro verkaufen zu wollen. Nun forderten Weißenhorner Unternehmer den Erhalt, die Stadt und das Landratsamt sprachen sich ebenfalls dafür aus. Im Juli 2009 pachteten die SWU die Bahnlinie und ermittelten die Sanierungskosten: zehn Millionen Euro.

Gebraucht wird das Geld vor allem für den Bau von vier Haltestellen teilweise mit Fahrradständern und Pkw-Parkplätzen – und zwar in Senden-Wullenstetten und Senden-Witzighausen, im Weißenhorner Industriegebiet Eschach sowie am Weißenhorner Bahnhof. Zudem ist vorgesehen, neun Bahnübergänge technisch aufzurüsten und drittens das Gleis an sich anzupassen und zu erneuert – schließlich sollen Züge mit bis zu 100 Stundenkilometern darüberrollen, um schneller zu sein als ein Bus. Weil zwei Bahnübergänge auf Vöhringer Gemarkung liegen, ist übrigens auch diese Stadt beteiligt, und soll wie Senden und Weißenhorn ein Drittel der Kosten für Haltestellen und Querungen übernehmen. Den Rest übernehmen die SWU und der Freistaat. All diese Details sind den Plänen zu entnehmen, die derzeit in den Rathäusern einsehbar sind.

Die Strecke, die die SWU kaufen werden, ist die eine Seite. Den ebenfalls benötigten Betreiber wird der Freistaat suchen – und zwar mit der landeseigenen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Eingebunden ist auch der Regionalverband Donau-Iller. Denn die Abzweigung von der Illertal-Bahn von Ulm nach Oberstdorf soll nichts geringeres werden als die „Keimzelle“ für eine Regio-S-Bahn. Das Ziel ist eine durchgehende Strecke von Ehingen über Ulm und dann im Wechsel entweder weiter nach Weißenhorn oder ins Allgäu – und zwar in einem Ein-Stunden-Takt. Die Fahrzeit Weißenhorn-Ulm betrüge rund 25 Minuten. Zum Vergleich: Der Bus braucht doppelt so lang.

Ehe die so genannte Verkehrsleistung aber vergeben werden kann, muss das Vorhaben einen dreistufigen Prozess durchlaufen. Die erste Stufe, die Ankündigung der Ausschreibung im europäischen Amtsblatt, ist im Juni 2011 erfolgt. Heuer erfolgt die Ausschreibung selbst. Im Jahr darauf wird die BEG ein Unternehmen auswählen. In Betracht kommt beispielsweise die Deutsche Bahn AG. Denkbar ist aber auch die Bahn-Tochter RAB sowie die Hohenzollerische Landesbahn. Losgehen soll es zum Winterfahrplan 2013.
 

Welche Fahrzeuge eingesetzt werden, ist unklar. Es sollen „geräuschgekapselte Diesel-Triebwagen“ sein, sagen Projektbeteiligte. Ein ähnlicher Zug, wie ihn die Weißenhorner Agendagruppe Verkehr am Aktionstag „Ohne Auto mobil“ alljährlich aufs Gleis setzt, um das Thema wachzuhalten. Doch vor allem wegen der Geräusche kritisieren Sendener die Reaktivierung. Offiziell protestiert hat die Stadt gegen die Haltestelle in Wullenstetten: Die BEG will ihn – geleitet von einer Studie zum Einzugsgebiet – an der Heerstraße platzieren, die Kommune favorisiert „Unter der Halde“.

Entscheiden wird die Regierung von Oberbayern, die das Planfeststellungsverfahren durchführt. Sie muss alle Stellungnahmen berücksichtigen. Einwände müssen schriftlich erhoben werden in den Rathäusern oder direkt bei der Regierung. Vermutlich wird es einen Erörterungstermin geben, in dem sich SWU-Vertreter den Kritikern stellen. Gegen die Planfeststellung kann geklagt werden. Das aber würde wohl dazu führen, dass die schnelle und kostengünstige Alternative zum Auto später startet.



Hier gibt´s die Pläne zum Download:

Pläne zu Weißenhorn
Pläne zu Weißenhorn-Eschach
Pläne zu Witzighausen
Pläne zu Wullenstetten

Bilder von der Strecke

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel