Natur Wert für die Artenvielfalt

Gerhausen / Joachim Striebel 10.08.2018

Die Urzeitweide in Gerhausen steht kurz vor der Erweiterung. Zur 75 Hektar großen Fläche auf dem Gelände des Steinbruchs von Heidelberg Cement kommen jetzt noch rund zehn Hektar hinzu. Gut die Hälfte davon besteht aus Wald. Das Landratsamt und das Regierungspräsidium haben bereits eine Ausnahmegenehmigung vom allgemein gültigen Waldweideverbot erteilt. Das haben nun Hans Georg Kraut und Hans Autenrieth von der Urzeit Weide GbR beim Besuch von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) berichtet.

„Unsere Koniks sind gern im Wald“, berichtete Autenrieth. Insbesondere während der heißen Tage suchen die dem europäischen Wildpferd ähnelnden Tiere dort Schutz. Auch am Mittwoch konnte die achtköpfige Konik-Herde nach einer Fahrt mit Geländefahrzeugen in einem kleinen Wäldchen innerhalb des weitgehend stillgelegten Steinbruchs angetroffen werden. Die 28 Taurus-Rinder dagegen hielten sich im offenen Gelände auf und fraßen an jungen Trieben von Bäumen und Büschen. Genau das sollen sie. „Die Tiere haben einen Auftrag zu erfüllen“, sagte Hans Georg Kraut, der frühere Direktor des Zementwerks in Schelklingen. Die robusten Rinder wie auch die Pferde schützen die Landschaft vor Verbuschung und erhalten so einen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere, darunter Amphibien und Vögel.

„Ganz eigene Welt“

Peter Hauk, der von der Ulmer CDU-Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer, dem Ehinger CDU-Landtagsabgeordneten  Manuel Hagel sowie dem Schelklinger CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Heinz Zeiher und weiteren Mitgliedern begleitet wurde, zeigte sich angetan. Die Sekundär- und Nachnutzung von Abbaustätten müsse nicht immer Verfüllung oder Anlegen eines Tümpels bedeuten. Die extensive Bewirtschaftung, wie sie in dem nur noch sporadisch genutzten Steinbruch geschehe, sei sinnvoll. „Sie hat einen hohen Wert für die Artenvielfalt und ist Teil der Kulturlandschaft“, sagte der Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

Manuel Hagel sprach nach der zweistündigen Exkursion von einer „ganz eigenen Welt vor der Haustür“. Er und Ronja Kemmer lobten den persönlichen Einsatz von Hans Georg Kraut und Hans Autenrieth für das größte Ganzjahresweideprojekt seiner Art in Baden-Württemberg.

In diesem Jahr sind auf der Urzeitweide schon sechs Kälber und drei Fohlen zur Welt gekommen. Weil der Bestand auch nach der Erweiterung der Flächen nicht größer werden soll, werden immer wieder Rinder geschlachtet und Pferde verkauft. Die Koniks sind als Reit- und Therapiepferde sehr gefragt. Jüngst haben die Betreiber drei edle Konik-Stuten aus einem polnischen Staatsgestüt gekauft. „Die wissen auch mit dem Wolf umzugehen“, berichtete Hans Autenrieth. In Polen sei zu beobachten gewesen, dass Stuten ihre Fohlen verteidigten und dem Angreifer keine Chance ließen. Noch ist in Gerhausen kein Wolf gesehen worden. Die Tiere seien lernfähig. Drohe auf einer Weide Gefahr, würde diese gemieden, sagte Hauk, der aber im Gegensatz zu Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) dafür eintritt, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Das Thema wurde am Mittwoch nicht vertieft.

Kein Geier, aber ein Rotmilan

Kurz war noch von einer anderen Tierart die Rede, die früher auf der Alb heimisch war: dem Geier. Weil nach europäischem Recht keine Kadaver mehr liegen gelassen werden dürfen, sind auch in Baden-Württemberg immer wieder hungrige Geier aus Frankreich oder Spanien zu sehen. Was hält der Landwirtschaftsminister von der Idee, an bestimmten Orten, etwa in Steinbrüchen, Futter auszulegen? Da halte er sich zurück. „Den Schuh ziehe ich mir nicht an“, sagte Hauk, wohlwissend, dass das Thema auch unter Naturschützern umstritten ist.

Zumindest im Gerhauser Steinbruch ist die Artenvielfalt auch ohne Geier groß. Zeitweilig kreiste ein Roter Milan über dem Geschehen.

Naturschutzbund und Industrieverband dabei

Urzeitweide Mit acht Konik-Pferden und ihren drei Fohlen und neun Taurus-Rindern mit einem Kalb ist im Juni 2012 die Urzeitweide im Steinbruch von Heidelberg Cement zwischen den Blaubeurer Teilorten Gerhausen und Beiningen eröffnet worden. Abgestimmt auf den Futterbedarf, wurde die Zahl der Pferde verringert, die Zahl der Rinder vergrößert.

Unternehmen Betreibergesellschaft ist die Urzeit Weide GbR. Deren Gesellschafter sind die Heidelberg Cement AG und die Blautal-Land-und-Forst GmbH & Co. KG des Gerhausers Hans Autenrieth. Als Kooperationspartner sind der Nabu Baden-Württemberg und der Industrieverband Steine und Erden (ISTE) seit Beginn in das Projekt eingebunden.

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