Herrlingen / Helga Mäckle Zwei Statuen des Bilderhauers Wilhelm Nida-Rümelin sind bei einem Sturm beschädigt worden: Eine muss neu gefertigt, die andere repariert werden.

Königlich standen die Löwen an der Auffahrt zur Lindenhof-Villa in Herrlingen auf ihren Sockeln – als stolze Wächter. Doch dann kam im Juli 2018 der Sturm: Ein Baum stürzte um und krachte auf die beiden Steinlöwen, die der Bildhauer Wilhelm Nida-Rümelin 1919 im Auftrag des Ulmer Unternehmers Max Robert Wieland aus dem französischen Kalkstein Savonnières angefertigt hatte (siehe Infokasten). Der eine kam glimpflich davon: ein paar Macken im Stein, ein abgeschlagener Schwanz. Er kann repariert werden. Der andere aber brach in Stücke, viele davon waren verschwunden, bevor die Stadt die Bruchstücke sichern konnte – jemand hatte sie mitgenommen. Zurück blieb ein Sockel mit Tatzen und dem Rest eines Schwanzes.

Blaustein hatte Glück. Denn der zerstörte Löwe ist nicht das Original von Nida-Rümelin, sondern ein nachgemachter. Dessen ist sich der Ulmer Steinmetz Andreas Scherer sicher, den die Stadt mit der Reparatur beider Löwen beauftragt hat. Sicher ist sich er deshalb, weil der nun zerstörte Löwe aus der Werkstatt seines Vaters stammt. „Ich weiß allerdings nicht, wann er den gemacht hat, das kann 30 oder auch 50 Jahre her sein.“

Löwe wird neu geschaffen

Scherers Vater wurde damals ebenfalls von Blaustein beauftragt, einen neuen Löwen zu machen, nachdem das Original zerbrochen war. Sein Sohn entdeckte dessen Bruchstücke vor Jahren beim Aufräumen der alten Werkstatt in einer Ecke. Und da der Steinmetz und Bildhauer nach eigenen Worten ein Faible für solche alten Kunstwerke hat, setzte er den Löwen in mühevoller Puzzle-­Arbeit zusammen.

Eben dieser Löwe war nun auch die Vorlage für die neue Statue, die der Steinmetzbetrieb – aus dem Orginalstein Savonnières – für die Lindenhof-Villa fertigt. Andreas Scherer hat von dem zusammengeflickten Original einen Abdruck aus Silikon gemacht und damit einen Abguss des Löwen gegossen. Dieser wiederum wurde in 3D eingescannt und damit eine spezielle CNT-Fräse programmiert. Rund eine Woche habe es gedauert, bis der Löwe aus dem Kalksteinblock gefräst war. Bei jedem Durchgang arbeitete der Diamantkopf die Konturen feiner heraus. „Das geht recht schnell, weil der Savonnières noch sehr weich ist“, erklärt Scherer. Der Kalkstein, aus dem übrigens auch viele Ornamente am Ulmer Münster sind, härte erst in der Luft aus. Inzwischen arbeitet einer von Scherers Steinmetzen am Feinschliff: Romain Bücking meißelt an Mähne, Mundfalten und Muskelsträngen, damit die Konturen plastisch wirken. Bis Ende März soll der Löwe fertig sein. Bis dahin hat Scherer dessen Zwilling repariert. Anfang April sollen die beiden wieder an der Auffahrt zur Villa stehen: Die Wächter kehren zurück.

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Der Bildhauer Wilhelm Nida-Rümelin (1876-1945)

Künstler Der österreichisch-deutsche Künstler Wilhelm Nida-Rümelin wurde 1876 in Linz geboren. Dort machte er eine Bildhauer-Lehre, bevor er in München die Akademie der Bildenden Künste besuchte. Später arbeitete er zeitweise als Dozent oder als freier Künstler und fertigte zahlreiche Statuen im klassischen Stil. Während der NS-Zeit erhielt Rida-Nümelin einige öffentliche Aufträge und fertigte unter anderem eine Büste von Hermann Göring. Im Mai 1945 setzte er seinem Leben selbst ein Ende. Er ist Vater des Bildhauers Rolf Nida-Rümelin und Großvater des Philosophen Julian Nida-Rümelin.