Konnte eine einzelne Person den Leichnam von Xhoi M. zusammen mit einer 19 Kilo schweren Betonsäule zunächst in eine Umzugsdecke, dann in eine Bauplane wickeln, mit Draht und Klebeband verschnüren und das 80 Kilogramm schwere Bündel 70 Meter weit über einen Waldweg zu dem Erbacher Anglersee schleppen, in dem die Leiche am 22. Mai 2017 entdeckt worden war? Dieser Frage wurde am Mittwoch im Blutrache-Prozess vor dem Ulmer Landgericht nachgegangen.

Die Verteidigung hatte einen Dummy-Versuch beantragt, um zu zeigen, dass eine direkte Tatbeteiligung des angeklagten Deutsch-Albaners aus dem Kreis Göppingen nicht erforderlich war. Damit würde ein vermeintlicher Auftragsmörder in den Fokus rücken, von dem seit der Tat jede Spur fehlt.

Ruckartig ziehen klappt gut

Die Kriminalpolizei Ulm hatte sich für den Feldversuch am 13. Februar von der DLRG Esslingen eine Übungspuppe ausgeliehen, dazu aus einem Baumarkt gleiches oder vergleichbares Material besorgt, das bei der Tat verwendet worden war. Per Kamera wurde dokumentiert, wie sich ein Polizist sichtlich mühte, die Aufgabe zu bewältigen. Nach 20 Minuten war das Bündel verschnürt. Um es zu tragen, war es jedoch zu schwer und unhandlich. Als effektiv erwies sich ein ruckartiges Ziehen, in wenigen Minuten war die Strecke geschafft. Vorausgesetzt, eine Zauntür auf dem Weg stand offen: Ein einzelner Mann konnte das Paket nicht heben.

Während des Versuchs wurde die Plane zudem von der Betonsäule durchstoßen. Die Plane, die um das Opfer gewickelt war, wies keine so deutlichen Schäden auf.

Ob der Feldversuch wirklich dazu taugt zu zeigen, ob es einen oder zwei Täter gebraucht hatte, um die Leiche zu beseitigen, blieb vor Gericht offen. Weil viele Details zum Tathergang nicht bekannt sind. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch, 8.30 Uhr, fortgesetzt. 

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