Tradition Weihnachten interkulturell

Ying Chen (Mitte) hat ihren ersten Jahreswechsel im Schwäbischen verbracht. Bei Claudia und Wolfgang Zuleger aus Dietenheim genoss sie Weihnachten und Neujahr.
Ying Chen (Mitte) hat ihren ersten Jahreswechsel im Schwäbischen verbracht. Bei Claudia und Wolfgang Zuleger aus Dietenheim genoss sie Weihnachten und Neujahr. © Foto: Vanessa Arslan
Vanessa Arslan 04.01.2018
Die chinesische Austauschstudentin Ying Chen feierte in Dieteheim ihr erstes Weihnachtsfest. Sie verbringt zwei Wochen bei einer Gastfamilie.

Ying sitzt am Esszimmertisch, vor ihr ein Teller Weihnachtsplätzchen, daneben ein Christbaum, schön geschmückt mit blauen und silbernen Kugeln. Hinter der 25-Jährigen knistert das Feuer im Kamin. „Der Baum sieht wunderschön aus“, schwärmt Ying. Für sie ist das alle neu. Die junge Frau kommt aus Nanchang in China und hat noch nie Weihnachten gefeiert. Seit dem 23. Dezember ist die Studentin Gast der Familie Zuleger in Dietenheim. Zwei Wochen lang will sie bleiben. Schon nach wenigen Tagen fühlte sie sich pudelwohl. Sie versteht sich gut mit ihren Gasteltern Claudia und Wolfgang, die es gewohnt sind, Fremde im Haus zu haben. „Wir hatten schon öfter Austauschstudenten oder Schüler hier“, erklärt Claudia Zuleger. 2013 hat die Familie damit angefangen, als ihr Sohn Simon in die USA reiste. Über die Organisation „Experiment“ nahmen sie zum ersten Mal einen Gast aus China auf. Der Verein bietet Austauschprogramme auf der ganzen Welt an und sucht hierfür Gastfamilien.

Eine schöne Erfahrung

Es folgten junge Menschen aus Taiwan, Brasilien und den USA, wie Minnesota, Westvirginia, Nebraska und Georgia. Der Austausch dauerte meist zwei Wochen. Ying ist jetzt der achte Gast der Zulegers. Tochter Lisa macht gerade selbst ein Auslandsjahr in den USA. Ihr Zimmer gehört deshalb für zwei Wochen Ying. Der Austausch ist für die Familie eine schöne Erfahrung. Der Informatiker und die Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst haben Freunde und Verwandte auf der ganzen Welt, reisen selber gern. Mit einem Gast, der eine andere Kultur und andere Sitten ins Haus bringt, sei im Alltag für Abwechslung gesorgt. „Wir lieben das Chaos“, sagt Wolfgang Zuleger und schmunzelt. Eher ruhig und gar nicht chaotisch war es an Weihnachten. Ein typisch deutsches Weihnachtsfest wollten die Zulegers mit ihrem Gast feiern. Darum ging es an Heiligabend in die Kirche, es gab Raclette und Oma Irmgard kam zu Besuch. Die Chinesin ist von den deutschen Gepflogenheiten begeistert. Das Essen, die Geschenke, aber auch die Gespräche haben ihr gefallen.

Ying studiert seit April 2016 in Bamberg Germanistik. Sie hat bereits einen Bachelorabschluss in Germanistik und absolviert jetzt ihr Masterstudium. Deshalb ist sie immer hinterher, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. „Das gelingt in einer Gastfamilie besser als nur im Studium. So lerne ich auch die deutsche Kultur mehr kennen“, erklärt die 25-Jährige. In China wird Weihnachten nur von den jungen Leuten gefeiert, die westliche Bräuche übernehmen wollen. Einen religiösen Hintergrund hat das Fest dort nicht. Wie viele junge Chinesen probiert auch Ying gerne Neues aus. Deshalb ging es zum Schlittschuhlaufen nach Neu-Ulm und zum Kegeln. An Silvester zeigten ihr Claudia und Wolfgang Zuleger, wie hierzulande in ein neues Jahr hineingefeiert wird. In Yings Heimat gibt es Silvester, wie man es hier kennt, nicht. Die Chinesen folgen dem Mondkalender, deshalb fällt Neujahr auf einen Tag im Januar oder Februar. 2018 wird das sogenannte Frühlingsfest am 16. Februar gefeiert. Für Ying ging es schon am 31. Dezember mit neuen Erfahrungen und einem großen Feuerwerk ins neue Jahr.

 600 Ehrenamtliche

Austausch „Experiment“ ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für den kulturellen Austausch zwischen Menschen und Religionen einsetzt. Der Verein ist seit 1952 eingetragen und bietet eine Vielzahl an Austauschprogrammen. Interessierte können unter anderem zum Schüleraustausch, Work and Travel, Freiwilligendienst oder zum Praktikum in Länder auf der ganzen Welt reisen. Jährlich sind es zwischen 1000 und 2000 Teilnehmer. Ziele sind mehr als 40 Länder. Der Verein wird von 600 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt.