So viel ist sicher: Den ursprünglich für die erste Jahreshälte geplanten offiziellen Spatenstich für die Elektrifizierung der Südbahn wird es nicht geben. Über einen Termin für diesen symbolischen Akt gebe es noch keine Entscheidung, teilt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage mit.

Die eigentlichen Arbeiten zur Elektrifizierung der Strecke Ulm–Friedrichshafen und weiter nach Lindau sollen ohnehin erst im nächsten Jahr anlaufen. Nach Angaben des Bahn-Sprechers bereits „Anfang 2018“ und „voraussichtlich im Bereich Ulm“.

Damit weicht die Bahn offenbar vom bislang veröffentlichten Zeitplan ab. Diesem zufolge sollten die Arbeiten im ersten Streckenabschnitt – also in Ulm, im Alb-Donau-Kreis und im Kreis Biberach – im Herbst 2018 beginnen. Doch gleichgültig, in welchem Monat begonnen wird: Bis die mehr als 3000 Oberleitungsmasten stehen und die mehr als 250 Kilometer Stromkabel gespannt sind, werden immer wieder Streckenabschnitte voll gesperrt. Dann fahren dort Busse statt der Züge. Wo und wann genau solche „Schienenersatzverkehre“ geplant seien, stehe noch nicht fest. Für verlässliche Aussagen sei es noch zu früh, sagt der Bahn-Sprecher. Das Unternehmen werde aber rechtzeitig und „pro-aktiv“ informieren.

Damit widerspricht der Sprecher der Deutschen Bahn einem Bericht der Zeitschrift „Bahn-Report“. In deren jüngster Ausgabe wird der 10. September 2018 als Beginn einer Sperrung zwischen Ulm und Laupheim-West genannt. Dieser Abschnitt werde „über 15 Wochen hinweg“ voll gesperrt. Die Fernverkehrszüge werden dem Bericht zufolge über Memmingen umgeleitet, für den Nahverkehr werden Busse eingesetzt. Der Güterverkehr werde auch über Ehingen, Mengen und Aulendorf umgeleitet, wobei die Züge auf dieser Strecke aus weniger Waggons bestünden als auf der Südbahn.

Der Fahrplan von Mitte Dezember 2018 bis Mitte Dezember 2019 sehe auf der Südbahn lediglich in 18 Wochen eine „durchgängige Befahrbarkeit“ vor. Anders formuliert: In 34 von 52 Wochen müssen die Fahrgäste auf irgendeinem Abschnitt zwischen Ulm und Aulendorf in den Bus umsteigen. „Den Kunden im Güterverkehr soll sogar eine wochenlange Nichtbedienbarkeit zugemutet werden“, heißt es in der Zeitschrift, die von der Interessengemeinschaft Schienenverkehr herausgegeben wird.

Ein besonderes Schmankerl hat sich die Bahn dem Bericht zufolge für November und Dezember 2019 aufgehoben. Wegen der Einbindung der Neubaustrecke über die Alb in den Ulmer Hauptbahnhof solle zunächst die Brenzbahn zwischen Ulm und Thalfingen gesperrt werden. Das sei vom 22. bis 25. November geplant. Vom 29. November bis 14. Dezember 2019 wird demnach die Einfahrt in den Hauptbahnhof aus Richtung Stuttgart gesperrt. Dann fallen dem Bericht zufolge IC-Züge aus, ICE-Linien nach München werden um Ulm herumgeleitet. Statt der IRE-Züge und der Regionalbahnen sollen ab Geislingen, beziehungsweise Beimerstetten Busse eingesetzt werden.

Strom ermöglicht Tempo 160


Projekt Die Südbahn Ulm–Friedrichshafen ist etwa 100 Kilometer lang, hinzu kommen die 25 Kilometer der Bodenseegürtelbahn bis Lindau-Aeschach. Ende 2021 soll die Strecke elektrifiziert sein, die Züge fahren dann bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnell. Bislang ist bei Tempo 140 Schluss. Die Deutsche Bahn gibt die Kosten der Elektrifizierung mit etwa 220 Millionen Euro an.