Geschichte Weberei von einem Juden gegründet

Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 05.09.2018

Entgegen unserer Darstellung im Bericht zur Ausstellung von Biografien jüdischer Personen lebten doch einmal Juden in Laichingen. Heinrich Kahn, der in Stuttgart eine Leinenweberei führte, war ein nichtreligiöser Jude und gründete 1904 die erste mechanische Leinenweberei in Laichingen. Der Hauptsitz der Firma war zwar weiterhin Stuttgart, doch die Familie lebte auch in Laichingen, wie der Laichinger Lokalhistoriker Heinz Surek bestätigt. Heinrich Kahns beiden Söhne haben die Mechanische Leinenweberei Laichingen übernommen und weitergeführt. Während des Nazi-Regimes mussten sie die Firma zu einem Spottpreis an einen SS-Offizier verkaufen. Das berichtete der Urenkel von Rudolf Kahn bei seinem Aufenthalt in Laichingen vor fünf Jahren. Rudolf Kahn und sein Bruder Paul wurden in Konzentrationslager verbracht. Paul Kahn ist im KZ Theresienstadt verstorben. Rudolf Kahn überlebte das Dachauer KZ, ihm wurde nach seiner Freilassung jedoch nahegelegt, auszuwandern.

Verkaufsverbot erlassen

Wie Heinz Surek erzählt, waren die Laichinger sehr nazikonform. Schon 1936 erteilte die Stadt jüdischen Händlern, die zuvor viele Jahre ihre Ware auf den Laichinger Märkten verkauft hatten, ein Verkaufsverbot. „Die Laichinger rühmten sich damals, einen judenfreien Markt zu haben“, sagt Surek.

Außer der Familie Kahn sind in den Annalen von Laichingen keine weiteren Juden verzeichnet. Nur die Tatsache, dass es in Laichingen ein Areal gab, das über viele Jahre hinweg als „Judengasse“ bekannt war, verweise darauf, dass zumindest im Mittelalter „mit ziemlich großer Sicherheit“ einmal Juden in Laichingen gelebt haben, berichtet der Lokalhistoriker. Er betont, dass zu dieser Auffassung ebenso anerkannte regionale Geschichtsforscher gekommen seien.

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