Brauchtum Wasserturm-Musik mit Fernblick

Zum 30. Mal hat Jürgen Reiber (rechts) den Machtolsheimer Posaunenchor beim Turmblasen geleitet. Etwa 100 Zuhörern waren mit den Musikern in die Höhe geklettert.
Zum 30. Mal hat Jürgen Reiber (rechts) den Machtolsheimer Posaunenchor beim Turmblasen geleitet. Etwa 100 Zuhörern waren mit den Musikern in die Höhe geklettert. © Foto: Joachim Lenk
Joachim Lenk 27.12.2017
Das Turmblasen gehört in Laichingen-Machtolsheim seit 40 Jahren zum Familienprogramm am Heiligen Abend.

Musiziert wird am Nachmittag des Heiligen Abend in vielen Orten. Auch in Machtolsheim. Allerdings hat sich der örtliche Posaunenchor ein besonderes Fleckchen für seinen Auftritt ausgesucht: einen der am höchsten gelegenen Punkte im Alb-Donau-Kreis. Die Musiker stimmen auf dem Wasserturm in 38 Metern Höhe mitten im Ort weihnachtliche Weisen an. Wer die 174 Stufen vom Eingang bis zur Aussichtsterrasse erklimmt, oder in 40 Sekunden mit dem Aufzug nach oben fährt, befindet sich exakt 778,50 Meter über dem Meeresspiegel.

Das Turmblasen hat Tradition in dem Laichinger Teilort. 1965 wurde der Posaunenchor ins Leben gerufen. Seitdem wird am Nachmittag des 24. Dezember in Machtolsheim musiziert. Am Anfang zogen die Musiker mit ihren Instrumenten noch durch den Ort. Als 1978 der Wasserturm (siehe Infokasten) seiner Bestimmung übergeben wurde, entschied die Vereinsführung, von nun an dort zu musizieren. Diese Tradition wird bis zum heutigen Tag gepflegt. So kam es, dass am vergangenen Sonntag in 38 Metern Höhe zwei runde Jahrestage gefeiert wurden. Das 40. Turmblasen in Machtolsheim, das zum 30. Mal unter der Leitung von Dirigent Jürgen Reiber stattfand.

Von „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ bis „Stille Nacht, Heilige Nacht“ erfreuten die 18 Musiker rund eine halbe Stunde lang die knapp 100 Zuhörer. Auch Petrus musste davon gehört haben, denn pünktlich zu Beginn des Konzertes öffneten sich die Wolken und die Sonne blickte hervor. Da der Wind aus südwestlicher Richtung wehte, konnte man die Musiker auch unten im Ort gut hören. Alle, die den Weg nach oben nicht gescheut hatten, wurden zudem mit einem herrlichen Blick in die Ferne belohnt.

Unter den Zuhörern waren nicht nur Machtolsheimer, sondern auch Gäste aus den umliegenden Gemeinden. Zwei Familien ließen es sich nicht nehmen, ihren Weihnachtsspaziergang aus Laichingen in 35 Minuten zum Wasserturm zu absolvieren. Schließlich besteht für die Allgemeinheit nur noch am 24. Dezember die Möglichkeit, das imposante Bauwerk zu erklimmen. Ansonsten wird der Turm nur nach vorheriger Anmeldung für Besuchergruppen geöffnet.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Reiber und seine Musiker beim Turmblasen schon alle erdenklichen Wetterphänomene erlebt: „Schneegestöber, Sonnenschein, so dass wir kurzärmlig hätten spielen können, Regenschauer, heftige Windböen, dass fast die Notenblätter davongeflogen wären, und eisige Kälte, dass uns die Instrumente eingefroren sind“, erzählte der Dirigent.

Vor drei Jahren hatte der damals neue Ortsvorsteher Jochen Sinn eine Neuerung eingeführt. Er spendiert seitdem den Musikern und den Besuchern ein Gläschen Schnaps oder einen von seiner Frau Beate zubereiteten Kirschlikör. Und auch die kleinen Besucher kommen auf ihre Kosten. Sie erhalten einen „Klaren“ in Form eines Mineralwassers oder einen Becher Saft.

800 Kubikmeter Trinkwasser

Bauwerk Der Zweckverband Albwasserversorgungsgruppe II mit Sitz in Laichingen hat den knapp 38 Meter hohen Wasserturm von 1976 bis 1978 in Machtolsheim errichten lassen. Das Bauwerk hat etwa 2,4 Millionen Mark gekostet. In zwei Kammern befinden sich 800 Kubikmeter Trinkwasser, das für Merklingen, Nellingen und den Laichinger Teilort Machtolsheim bestimmt ist.