Regglisweiler / BEATE REUTER-MANZ  Uhr
Supergau im Kinderhaus St. Maria Regglisweiler! Drei Tage nach dem Einzug ins neue Domizil hat ein Wasserschaden den Betrieb lahmgelegt. Seit heute werden die Kinder wieder im alten Gebäude betreut.

"Da haben die Raumpflegerinnen aber eine große Pfütze gelassen", geht es Irene Heudorfer-Simon durch den Kopf, als sie am Mittwoch um 7 Uhr die gläserne Eingangstür des Kinderhauses St. Maria in Regglisweiler aufschließt. Es ist der dritte Betriebstag im neuen Gebäude unterhalb vom Friedhof. "Wir wollen keinen Dreck und Schmutz in unserem neuen, schönen Haus. Bitte zieht die Schuhe aus", steht sinngemäß auf einem Pappschild direkt neben der Tür.

Doch ihre Schuhe behält die Kindergartenleiterin an diesem Morgen lieber an. Denn die vermeintliche Putz-Pfütze erweist sich als riesige Wasserlache. Der gelbe Linoleum-Boden des riesigen Spielflurs steht komplett unter Wasser - etwa einen Zentimeter hoch. Die Kindergartenleiterin informiert umgehend den Chef des Dietenheimer Bauhofs und sucht nach der Ursache. Schnell entdeckt sie, dass es in der Kinderküche unter dem Spülbecken munter sprudelt. Dort steht das Wasser zehn Zentimeter hoch. Ein Gutachter wird später feststellen, dass ein Zulaufschlauch an einem Durchlauferhitzer nicht ordnungsgemäß montiert worden war. Die Angelegenheit wird zu einem Versicherungsfall für die Sanitärfirma.

Minutenschnell sind Mitarbeiter des Bauhofs und zwei Angehörige der Regglisweiler Feuerwehr vor Ort. Kurze Zeit später trifft auch die Dietenheimer Wehr sieben Mann hoch ein. Mit sechs Pumpschläuchen rücken sie den Wassermassen zu Leibe. Derweil hat die Horrorbotschaft auch das Architekturbüro und die Stadtverwaltung erreicht. Die Erzieherinnen schicken gerade die ersten Mütter mit ihren Sprösslingen wieder nach Hause, als Christoph Koßbiehl vom städtischen Bauamt und Architekt Dirk Hübner eintreffen. "Entsetzlich! Supergau!", umschreibt Hübner seine ersten Gedanken. "So ein Wasserschaden, drei Tage nach dem Einzug. Wer denkt denn an so etwas?"

Feuerwehr und Bauhof arbeiten präzise und schnell. Zwei Stunden später ist auf den ersten Blick nichts mehr zu sehen von dem Schaden, abgesehen von hochgestellten Möbeln, Spielsachen und Matten, zurückgezogenen Teppichen und einem demontierten Podest in der Kinderküche. Doch die Nachwehen kommen. Denn auch die niegelnagelneuen Holzmöbel haben Schaden genommen, zwei Türen sind aufgequollen und auch an der mobilen Trennwand zeigt ein Element Schädigungen.

Etwa die Hälfte der knapp 1000 Quadratmeter Grundfläche standen unter Wasser, schätzt Koßbiehl, vor allem der östliche Bereich, also Küche, Bewegungsraum und Spielflur. Die Gruppenräume sind gottseidank weitgehend verschont geblieben. Die Silikonfugen an den Fußbodenleisten haben Schlimmeres verhindert, weiß Hübner. Gleichwohl ist das Leitungswasser an manchen Stellen bis in den Betonboden vorgedrungen. Eine Fachfirma aus Ehingen hat bereits mit dem Trocknen des Estrichs begonnen und dazu einige Löcher in den Boden gebohrt. Die elf Erzieherinnen in dem dreigruppigen Kindergarten haben den Schock mittlerweile verdaut. "Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Hilft ja alles nichts", sagt die Leiterin und packt beherzt Spielzeug in eine Kiste. Denn seit Wochenbeginn ist klar: Nocheinmal müssen die rund 50 Kinder, die derzeit den Regglisweiler Kindergarten besuchen, mit ihrem alten Haus vorlieb nehmen. Das Austrocknen des Bodens wird sich bis ins neue Jahr hineinziehen und bedarf eines größeren maschinellen Aufwands.

Gestern hat eine Reinigungsfirma den zum Teil bereits ausgeräumten alten Kindergarten gereinigt. Ein paar Möbelstücke haben Bauhof-Leute die zweihundert Meter den Berg hinauf transportiert. Legos, Bauklötze und Puppen folgen. Bis zum 23. Dezember, dem letzten Kindergartentag, wird man in den alten Räumen improvisieren müssen. Der Flohmarkt am Freitag, bei dem altes Mobiliar des Kindergartens verkauft werden sollte, ist abgesagt. "Brauchen wir ja alles nochmal", sagt Simon-Heudorfer, die in diesem Zusammenhang der Elternschaft ein dickes Dankeschön ausspricht. "Die haben sehr viel Verständnis gezeigt."

Bis zum 5. Januar, dem ersten Kindergartentag nach den Ferien, soll die Trockenphase im neuen Domizil abgeschlossen sein. "Dann wird das Gebäude wieder in einen originären Zustand versetzt sein. Wir gehen davon aus, dass kein Schaden für die Nutzer zu befürchten ist", betont Koßbiehl. Über die Schadenshöhe kann er zu diesem Zeitpunkt noch keine verlässlichen Angaben machen.