Wert des Wassers Was steckt hinter unserem Trinkwasser?

Hahn auf und das Wasser läuft. Doch woher kommt das Trinkwasser eigentlich?
Hahn auf und das Wasser läuft. Doch woher kommt das Trinkwasser eigentlich? © Foto: Roland Weihrauch/dpa
Region / Bianca Frieß und Pia Reiser 05.11.2018
46 kommunale Unternehmen sorgen in der Region dafür, dass jeder sauberes Wasser hat. Auch für Notfälle ist vorgesorgt. Eine weitere Folge der Serie „Wert des Wassers“.

Einfach den Hahn aufdrehen, schon sprudelt das Wasser. Aber was steckt dahinter? Wer kümmert sich darum, dass genug Trinkwasser zur Verfügung steht? Das beleuchten wir in unserer Serie „Der Wert des Wassers“. Los geht es mit einem Überblick über die kommunale Trinkwasserversorgung im Alb-Donau-Kreis und dem Kreis Neu-Ulm:

Wie viel Wasser verbraucht die Region?

Statistisch gesehen verbraucht jeder Einwohner im Alb-Donau-Kreis 119 Liter Wasser am Tag. Das zeigen Berechnungen aus dem Jahr 2013. Laut Landratsamtssprecher Bernd Weltin liegt der Verbrauch auch heute noch in diesem Bereich. Im Kreis Neu-Ulm fallen pro Kopf 155 Liter am Tag an – wobei hier auch Unternehmen eingerechnet sind.

Damit entspricht der Verbrauch im Alb-Donau-Kreis fast dem Bundesdurchschnitt von 121 Litern pro Tag. Der Kreis Neu-Ulm liegt weit darüber. Dafür gibt es Gründe: Zum einen wird hier auch Wasser mit eingerechnet, das zum Reinigen der Behälter verwendet wird, erklärt Dr. Martin Küfer, der als Leiter des Öffentlichen Gesundheitsdiensts auch für die Wasserversorgung zuständig ist. Das ist nicht überall üblich. Zum anderen gebe es im Kreis viele landwirtschaftliche Betriebe, die viel Wasser verbrauchen. Außerdem floriert der Tourismus in der Region. „Es kommen viele Leute zu uns, die sozusagen mittrinken“, sagt Küfer.

Ob wegen der Hitze in diesem Sommer mehr Wasser verbraucht wird, lässt sich schwer sagen. „Natürlich wird mehr gegossen“, sagt Küfer – dafür seien aber auch viele Einwohner im Urlaub. Man merke, dass wegen der Trockenheit der Grundwasserspiegel sinkt. „Aber wir haben Glück, dass viel Wasser über die Iller und Donau zu uns kommt.“

Was passiert im Notfall?

In den meisten Orten ist die Wasserversorgung jederzeit sichergestellt – auch, falls mal ein Brunnen ausfallen sollte. Die Versorger verfügen über mehrere Brunnen oder können auf die Anlagen ihrer Nachbarn zurückgreifen. Die helfen mit Trinkwasser aus, dieses System funktioniert auch über die Kreis- und Landesgrenzen hinweg.

Wenn aber keine Verbundleitungen zwischen verschiedenen Versorgern existieren und ein Anbieter nur einen Brunnen hat, kann es schwierig werden. Dann ist die so genannte Versorgungssicherheit gefährdet. Denn: „Wenn dieser eine Brunnen wegfällt, haben die nichts mehr“, sagt Küfer. Das ist etwa in Kellmünz der Fall. Deshalb soll nun eine Verbindung nach Weiler (Gemeinde Osterberg) gebaut werden, die Kellmünz im Notfall anzapfen kann. Auch in Unterroth ist die Situation kritisch. „Im Zweifelsfall wird aber keiner lange auf dem Trockenen sitzen müssen“, sagt Küfer. „Die Gemeinden helfen sich dann, etwa mit einer Notleitung über ein Feld.“

Wenn die öffentliche Wasserversorgung zum Beispiel durch eine Naturkatastrophe ganz ausfällt, kommen Notbrunnen zum Einsatz, erklärt Küfer. Im Kreis Neu-Ulm gibt es 15 Stück, die nicht an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen sind. Der Alb-Donau-Kreis hat keine Notbrunnen, die Gemeinden greifen im Katastrophenfall auf Wasser ihrer Nachbarn zurück.

Investitionen in Unterhalt

Viele Bestandteile der Wasserversorgung wie Brunnen, Hochbehälter und Leitungen wurden in den 60er Jahren gebaut. „Das kommt jetzt alles in die Jahre“, sagt Küfer. Deshalb stehen einige Projekte an. Etwa sollen die Wasserversorgungen in Roggenburg und den Ortsteilen Biberach und Schießen mit einem gemeinsamen Hochbehälter verbunden werden. Generell wird die Trinkwasserversorgung immer vernetzter, Anbieter schließen sich zusammen. Der größte Zweckverband für die Wasserversorgung in der Region ist die Landeswassserversorgung (LW). Darin haben sich 106 Städte, Gemeinden und kommunale Zweckverbände zusammengetan, darunter auch einige aus dem Alb-Donau-Kreis. Ein großes Wasserwerk der LW steht in Langenau.

Regelmäßige Kontrollen

„Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel“, sagt Küfer. Regelmäßig untersucht werden vor allem Parameter zweier Gruppen: Bei Routine-Kontrollen (Gruppe A, mindestens vier Mal im Jahr) geht es insbesondere um Bakterien. Hier werden aber auch Färbung, Trübung, Geschmack und Geruch unter die Lupe genommen. Außerdem gibt es chemische Untersuchungen (Gruppe B, mindestens einmal im Jahr). Hier wird das Wasser etwa auf den Nitrat- und Bleigehalt sowie auf Pflanzenschutzmittel geprüft.

Im Alb-Donau-Kreis sind laut Landratsamt bei rund fünf Prozent der Routine-Kontrollen Parameter auffällig. Meist befänden sich dann Kolibakterien oder coliforme Keime im Wasser. Im Kreis Neu-Ulm kommt es etwa fünfmal im Jahr vor, dass Wasser zum Beispiel mit coliformen Bakterien verunreinigt ist.

Dann müssen Versorger und Gesundheitsamt sofort reagieren: Die Verbraucher werden informiert, die Suche nach der Ursache beginnt. Zunächst werden Hochbehälter und Ortsnetz gespült und desinfiziert. Das ist meistens erfolgreich, berichtet Küfer. Manchmal müssen Verbraucher das Wasser auch vorübergehend abkochen. Das war kürzlich in Vöhringen der Fall.

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