Es lässt sich nichts vertuschen. Es kommt alles wieder ans Tageslicht.“ Höhlentaucher Andreas Kücha spricht vom Blautopf und seinem 160 Quadratkilometer großen Wassereinzugsgebiet. Flüssigkeit, die auf der Alb in ein Loch geschüttet wird, tritt unten wieder aus. Von der Durchlässigkeit des Kalk-Gebirges, die heute durch Färbeversuche und Höhlenforschung wissenschaftlich nachgewiesen ist, hatte schon im Jahr 1681 der Laichinger Pfarrer Johann Mayer eine Idee. Er warf Spreu und Sägemehl in einen Erdschlund, bei Regen kam wenige Tage später davon etwas im Blautopf zum Vorschein. 1924 war ein heftiger Wolkenbruch im 17 Kilometer entfernten Hohenstadt dafür verantwortlich, dass das Wasser des Blautopfs trüb wurde. Ähnliches passierte nach einem Großbrand am 25. Oktober 1927 in Treffensbuch, bei dem viel Löschwasser verspritzt wurde. Meist aber ist das Wasser von Deutschlands zweitgrößter Karstquelle „von Farbe ganz blau, sehr herrlich, mit Worten nicht wohl zu beschreiben“, wie der schwäbische Dichter Eduard Mörike in seiner 1853 erschienenen „Historie von der schönen Lau“ schwärmt.

Freude über klares Wasser

Über dieses Wasser freuten sich die Bewohner von Sonderbuch, Asch, Wippingen, Seißen, Suppingen, Berghülen und Bühlenhausen. 1876 wurde Blautopfwasser erstmals mit einer Pumpe über steile Leitungen auf die Alb gedrückt. Man war nicht mehr auf Dach- oder Hülenwasser angewiesen, die Einrichtung der Albwassserversorgungsgruppe 3 erleichterte das Leben und verringerte die Zahl der Erkrankungen.
Der Blautopf mit seiner von der Wasserkraft angetriebenen historischen Hammerschmiede und dem benachbarten Pumpwerk ist Ziel der „Entdeckungstour zwischen Weidach und Blaubeuren“, die Autor Volker Korte in seinem Buch „Wasser für die Alb“ beschreibt. Die 13 Kilometer lange Wanderung gibt mehrfach Einblicke in die Geschichte der Wasserversorgung. Nach dem Start an der Bushaltestelle Hohenstein zwischen den Blausteiner Teilorten Weidach und Bermaringen geht es hinab ins Tal nach Lautern zum Quelltopf der Lauter mit dem ehemaligen Pumpwerk der Albwasserversorgungsgruppe 4. Durch den Hangwald führt die Tour auf der anderen Talseite hinauf nach Asch, wo nicht nur die vom Schwäbischen Albverein gepflegte „Baiers Hüle“ und die frisch renovierte Dorfhüle zu besichtigen sind, sondern auch ein Ventilbrunnen aus der Anfangszeit der Albwasserversorgung erhalten blieb. Der erinnert daran, dass es vor 145 Jahren noch keine Wasserleitungen zu jedem Haus gab.

Ein Denkmal für die Pioniere

Eine noch in Betrieb stehende Einrichtung der Albwasserversorgungsgruppe 3 ist der Hochbehälter beim Flugplatz Sonderbuch, den der Wanderer passiert vor dem Abstieg ins Tal. Unweit des Blautopfs liegt an dem beschilderten Rundweg, der seit Corona nur im Einbahnverkehr genutzt werden darf, ein Denkmal, das an die Pioniere der Albwasserversorgung erinnert: Baudirektor Dr. Karl von Ehmann, Oberbaurat Hermann von Ehmann und Oberbaurat Dr. Oskar Gross. Endpunkt der Entdeckungstour ist der Bahnhof Blaubeuren.
Die Idee der Ingenieure, Wasser den Berg hinaufzupumpen, wurde zunächst verlacht, funktionierte aber auf Anhieb. Die von der Wasserkraft angetriebene Kolbenpumpe im Pumpwerk am Blautopf war bis 2013 in Betrieb, sie hat 137 Dienstjahre auf dem Buckel. „Ein Industriedenkmal, das auch erhalten bleiben wird“, sagt der Vorsitzende der Albwasserversorgungsgruppe 3, der Berghüler Bürgermeister Bernd Mangold. Es gibt die Idee, die Pumpe für Touristen zugänglich zu machen, was neben Blautopf und Hammerschmiede eine weitere Attraktion wäre. Es gibt dafür aber keinen konkreten Plan, denn die Schwierigkeit besteht laut Mangold darin, dass sich das gute Stück innerhalb des nach wie vor rund um die Uhr in Betrieb stehenden Werks befindet.
Geändert hat sich seit damals der Bezug des Frischwassers. Es wurde früher zwar nicht direkt aus dem Blautopf gezogen, aber aus einem Pumpenschacht nebenan. Durch die geringe Filterwirkung des Karsts waren immer wieder Verunreinigungen festgestellt worden. Es roch mal nach Apfelsaft, was mit einem Fruchtsafthersteller auf der Alb in Verbindung gebracht wurde, aber auch mal nach Gülle. Seit 1956 wird das Wasser aus einem ergiebigen Karstbrunnen bei Gerhausen gewonnen.
In Lautern hat die Geschichte der Wasserversorgung 1875 damit begonnen, dass Wasser nicht aus dem Lautertopf, sondern aus zwei Bermaringer Quellen entnommen wurde. Denn Bürger, die in Lautern, Herrlingen und Ulm die Wasserkraft nutzten, wollten gegen die Albwasserversorgung klagen. Als die Wassermenge aus den ursprünglichen Quellfassungen nicht mehr ausreichte, wurde dann doch Trinkwasser aus dem Lautertopf entnommen – und sicherheitshalber Chlor beigemischt. 1976 ging in Lautern ein neues Wasserwerk in Betrieb, das alte steht unter Schutz und gilt als herausragendes Technik-Denkmal der Gründerjahre.
Volker Korte weist auf zwei weitere Denkmale der Albwasserversorgungsgruppe 4 hin: Den Hochbehälter mit Schachthäuschen in Temmenhausen und den markanten Wasserturm in Scharenstetten.

Die Tour-Details

Hier Volker Kortes ausführliche Tour-Beschreibung:
Der Ausgangspunkt dieser Wanderung ist die Bushaltestelle „Hohenstein“ der DING-Linie 37. Alternativ kann auch (ggf. nach einer Übernachtung) die nahegelegene Weidacher Hütte des Schwäbischen Albvereins als Startpunkt gewählt werden. Wir folgen der Markierung der roten Gabel und gehen hinüber zu einem Wald, durch den es erst allmählich und dann steiler (auch über Treppen) zum Weiler Lautern abwärts geht (Vorsicht bei Nässe!). Unten wenden wir uns nach rechts und stehen am ehemaligen Pumpwerk der Versorgungsgruppe IV. Dahinter liegt der schöne Quelltopf der kleinen oder „Blaubeurer Lauter“. Wer Zeit und Interesse hat, sollte ein kurzes Stück die Straße hinab gehen und die romanische Kirche „Zu Unserer Lieben Frau“ besuchen, die eine der ältesten Kirchen der Schwäbischen Alb ist. Zurück zur Wanderung. Wir folgen weiter der roten Gabel und wandern den Hangwald hinauf. Oben angelangt führt uns die rote Gabel nach Asch; unterwegs kommen wir an „‚Baiers Hüle“ (Bild oben) vorbei, die vom Albverein in Asch gepflegt wird. In Asch gibt es einen Ventilbrunnen aus der Anfangszeit der Albwasserversorgung sowie in der Ortsmitte die frisch renovierte Hüle zu sehen (hier bietet sich auch eine Rast an). Über den „Seißer Weg“ verlassen wir Asch Richtung Sonderbuch. Um den dortigen Flugplatz machen wir eine Schleife, bevor wir den Waldrand mit dem Weg nach Blaubeuren erreichen. Gegenüber dem Flugplatzgebäude können wir noch einen (eingezäunten) Hochbehälter der Versorgungsgruppe III mit altem Schachthäuschen entdecken. Weiter geht es dann über einen Grillplatz an der Kante entlang, bis der Weg links abwärts nach Blaubeuren abzweigt. Auch bei diesem Abstieg ist Vorsicht angesagt. Unten erwartet uns der schöne aber meist gutbesuchte Blautopf (Bild Mitte), in dessen unmittelbarer Nähe das Denkmal der Albwasserversorgung (Bild unten) und das ehemalige Pumpwerk der Versorgungsgruppe III liegen. Markierungslos geht es dann auf der westlichen Seite des Blautals zum Naturfreundehaus (Einkehr) und von dort zum Bahnhof. Als Alternative kann man auch durch Blaubeuren mit seinen Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichen zum Bahnhof wandern. Zurück zum Ausgangspunkt gelangen wir vom Bahnhof mit dem Zug (DING-Linie R3) nach Blaustein und weiter mit dem Bus nach Hohenstein (DING-Linie 37).

Buch zur Albwasserversorgung


Tour-Daten Das Wichtigste zur „Entdeckungstour zwischen Weidach und Blaubeuren“: Start in Hohenstein bei Blaustein-Weidach, Ende in Blaubeuren, Länge 13 Kilometer, Summe aller Anstiege 180 Meter, Summe aller Abstiege 295 Meter, empfohlene Wanderkarte 1:35 000 des Schwäbischen Albvereins und des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung, Blatt 20.

Details Die ausführliche Beschreibung der Entdeckungs-Tour, die auch im neuen Buch „Wasser für die Alb“ abgedruckt ist, findet sich im Internet unter www.swp.de/suedwesten/landkreise/alb-donau/

Bestellung Das Buch „Wasser für die Alb – Quellen, Brunnen und Hülen“, geschrieben von Volker Korte vom Schwäbischen Albverein, erscheint im Verlag Klemm&Oelschläger und ist von Mitte September an im Buchhandel und im Shop der SÜDWEST PRESSE zu haben. Es ist reich bebildert, umfasst 140 Seiten und kostet 14,90 Euro. Bestellungen sind möglich im Internet im SWP-Shop (shop.swp.de), zu finden ist das Buch unter der Kategorie „Rad- und Wanderführer für die Region“.