Natur Wald: Von morschen Ästen und ihren Folgen

„Ganz schön gerupft“ hat laut Blausteiner Revierförster Manfred Dupke (ganz rechts) der Sturm vor vier Wochen. Stadt- und Ortschaftsräte sahen bei ihrer Waldbegegung noch Reste des Sturmholzes auf Waldwegen liegen.
„Ganz schön gerupft“ hat laut Blausteiner Revierförster Manfred Dupke (ganz rechts) der Sturm vor vier Wochen. Stadt- und Ortschaftsräte sahen bei ihrer Waldbegegung noch Reste des Sturmholzes auf Waldwegen liegen. © Foto: Samira Eisele
Blaustein / Samira Eisele 16.07.2018

Eine große Buche, deren Stamm in zwei der Länge nach gespaltenen Teilen in den Himmel ragt. Auch aus sicherer Entfernung vom Waldweg aus sieht der Baum gefährlich aus. Und er ist es auch, sagt Revierförster Manfred Dupke: „Da schicke ich keinen meiner Leute rein, um den zu fällen.“ Der vom Sturm vor vier Wochen gespaltene Stamm steht unter Spannung, wie bei einer „Mäusefalle“ sagt der Wald­experte. Weil er weit genug vom Weg entfernt steht, kann der Baum vorerst stehen bleiben.

Wann muss der Förster eingreifen, um die Verkehrssicherheit zu wahren: Das war das Thema der Waldbegehung. Mit einem Dutzend Stadt- und Ortschaftsräten sowie Bürgermeister Thomas Kayser waren Manfred Dupke und Fachdienstleiter Thomas Hermann unterwegs.  Nicht nur der Sturm, der rund 1000 Festmeter Holz gefordert hat, war dabei Thema – sondern auch regelmäßige Kontrollen. Die Gremienmitglieder sollen vor Ort erfahren, was diese Aufgabe in ihrem Wald bedeutet.

Gleich zu Beginn wurde klar: Morsche Äste oder Bäume, die von Pilzen befallen sind und faulen, könnten schlimme Konsequenzen haben. Denn der erste Teil des Rundgangs führt vom Arnegger Rathaus aus an der Grundschule vorbei zum Waldrand. Wo auf dem Spielplatz, über dem hohe Bäume aufragen, drei Kinder spielten. Einen Ast, der auf diesen Spielplatz am Pausenhof herunterfällt, möchte man sich nicht vorstellen. Der Waldbesitzer – in diesem Fall die Stadt Blaustein – könne für vorsätzliche oder fahrlässig in Kauf genommene Gefahren juristisch belangt werden, erklärt Dupke. An einer Stelle wie dieser, die als Aufenthaltsort dient, kontrolliere er deshalb regelmäßig auf die Bäume am Waldrand. „Und wenn ich etwas entdecke, fackle ich nicht lange.“

Sturm gilt als „höhere Gewalt“

Die Verkehrssicherung steche im Zweifel auch den Naturschutz aus. Normalerweise kontrolliert der Förster Waldwege bei einem Rundgang alle 18 Monate: Durch diesen Turnus finde auch ein Wechsel zwischen Sommer- und Winterhalbjahr statt.

Allerdings: Nicht jeder herabfallende Ast kann einen Prozess nach sich ziehen. Mit „waldtypischen Gefahren“ müsse rechnen, wer sich in den Wald begibt. Auch bei Sturm müsse die Stadt ihre Bevölkerung nicht warnen, erklärten die Wald-Fachmänner auf Nachfrage – das sei „höhere Gewalt“, die Warnungen spreche der Wetterdienst aus.

Wenn jedoch im Nachhinein nicht abgesichert wird, können nicht nur kommunale Waldbesitzer haftbar gemacht werden, sondern auch private, erklärte Dupke mit Blick auf den Sturm vor einem Monat. Wie sehr der jüngste Sturm im Blausteiner Wald „gerupft“ hat, wurde an anderer Stelle sichtbar: An einer Weggabelung oberhalb des Reutewegs lagen noch Bäume und Äste quer über den Weg.

Dennoch: Manfred Dupke hat erst ein Mal erlebt, dass wirklich etwas passiert ist: Als auf der Wippinger Heusteige ein Ast auf die Frontscheibe eines Autos fiel. Der Fahrer blieb unverletzt.

Alt- und Totholz als Refugium

Naturschutz Zum zweiten Teil der Waldbegehung führten die Forstexperten die Gemeinde- und Ortschaftsräte nach Dietingen. Oberhalb der Grüngutsammelstelle wurden dort im Rahmen des Alt- und Totholzkonzepts Flächen komplett aus der Bewirtschaftung genommen. Das mehrere Hektar große Gebiet dient als Refugium für alle Tierarten, die im Wald leben, erläuterte Förster Dupke.

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