„Nehmen Sie die Chance wahr. Gehen Sie für einige Wochen für ein Praktikum nach Kenia“: Dr. Rainer Wetzler, Leiter und Vorstand der Urspringschule, machte am Montagmittag den angehenden Abiturienten ein unerwartetes Angebot. Wetzler sprach im Namen des kenianischen Regional-Kultus- und Bildungsministers Professor Gabriel Katana. Dieser war zu Gast an der Urspringschule und hielt am Montag vor den Schülern einen Vortrag.

Zwar redete er auf Englisch, aber Katana versteht auch mühelos Deutsch – der Mathematiker hat in Deutschland studiert und in Mainz seinen Doktortitel erworben. Seit drei Jahren unterstützt die Urspringschule das Münchner Projekt „Desturi“, mit dem Gesundheit und Bildung in der Heimatregion des Professors gefördert werden. So fließt etwa der Erlös des Nikolausmarkts in Projekte in Kenia. Welche Projekte das sind – und mit welchen Herausforderungen er zu kämpfen hat –, schilderte Katana am Montag den Schülern.

Bildung hat in Kenia einen schweren Stand

In Kenias Verfassung ist zwar das Recht auf Bildung festgelegt. Aber Schulgebäude in äußerst schlechtem Zustand, überfüllte Klassen und viele Schulabbrecher sind ein Problem. Dazu kommen Gesundheitsprobleme und die Sorge um Nahrung. Auch die Unterstützung der Bevölkerung für die Schulen lässt zu wünschen übrig. Denn Kenianern sei es manchmal nicht verständlich, warum man in kleine Kinder investieren sollte, wenn doch die Großen für die Nahrung sorgten.

Er kämpfe darum, klar zu machen, dass die Kindheit die wichtigste Phase des Menschen sei, in der er die meisten Lernfortschritte mache. Katana hat sich dabei auch etwas aus Deutschland abgeschaut: In den Schulen der Region gibt es Lernspiele für die Kinder. „So etwas haben sie zu Hause oft nicht, deshalb werden Fähigkeiten nicht ausreichend trainiert“, sagt er. Wegen der großen Herausforderungen ist Katana deshalb nicht nur um Bildung bemüht – selbst den Bau eines Wasserreservoirs für eine Schule hat er mitbetreut.

Neue Aufgabenverteilung

Katana berichtete auch über die Entwicklung der Bildung in Kenia. Mit der neuen Verfassung 2010 übernahmen die Länderregierungen einen  Teil des Bildungsauftrags von der Zentralregierung. Nur die höhere Bildung ist noch ein Auftrag der Zentralregierung. Die Folgen sind positiv: Kenia erwartet eine erhebliche Steigerung seines Bruttoinlandsprodukts. Das verlange aber erhebliche Investitionen in die berufliche und technische Ausbildung, sagte Katana. Man brauche Arbeitskräfte für eine Industrialisierung. „Ganz Afrika ruft danach, den Kontinent jetzt durch Ausbildung voranzubringen.“

Den Schülern gefiel der Vortrag; auch das Angebot, für ein Praktikum ins kenianische Kilifi an den Indischen Ozean zu kommen, fand sofort Interessenten. Auch an die Urspringschule sollen jetzt zwei Lehrerinnen aus Kenia für einige Wochen für ein Schulpraktikum kommen.

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