"Man sieht nur, was man kennt." Unter dieses Motto, frei nach einem Zitat des Dichters Johann Wolfgang von Goethe formuliert, stellt der Lonseer Holger Müller seine Exkursionen für die Arbeitsgemeinschaft Donaumoos Langenau. Müller, zweiter Vorsitzender des Vereins, ist überzeugt: "Wer die Natur kennt, hat in ihr und an ihr mehr Freude." In regelmäßigen Abständen führt er deshalb Naturfreunde zu den schönsten Moorbiotopen rund um Langenau; er erzählt Kurioses aus der Insektenwelt, zeigt die farbenfrohe Schmetterlingsfauna und präsentiert die Orchideenvielfalt des Rieds.

Am Sonntag lud Müller zur Orchideenführung ins Niedermoor zwischen Langenau und Rammingen ein. Das Interesse war trotz einer denkbar schlechten Wettervorhersage mit angekündigtem Starkregen enorm. Zwei gute Dutzend Männer und Frauen aus der Region fanden sich in Regenjacken, in Gummistiefeln und mit Schirmen bestens gewappnet am Treffpunkt ein.

Über asphaltierte Wirtschaftswege, schmale Graspfade, überschwemmte Wiesenflächen und glitschige Holzdielen führte Holger Müller seine Gruppe in die Weiten des Naturschutzgebiets Langenauer Ried. Bereits auf dem Weg zu den orchideenreichen Wiesen des Niedermoors gab es allerhand zu sehen, zu hören und zu entdecken - denn Müller ist Profi und hat ein überaus geübtes Auge für allerlei Schönes, Seltenes und Sehenswertes. So machte er bereits wenige Meter vom Parkplatz entfernt etwas Interessantes aus: den blühenden Weißdorn. "Ein herrliches Gehölz", schwärmte Müller. Das Rosengewächs biete rund 65 Vogel- und mehr als 160 Insektenarten Lebensraum und Nahrung, sei mit seinen kräftigen Dornen ein Eldorado für den gefiederten Neuntöter und liefere obendrein hartes Holz für Drechselarbeiten.

An diesem trüben Morgen allerdings war der Weißdorn lediglich ein Blickfang; weder Vögel noch Insekten zeigten sich - vorerst. Kein Problem für Holger Müller, der auch ohne lebende Anschauungsobjekte viel zu erzählen hatte. Es ging um Geschichte und Geologie des Donaurieds, die Brunnenfassungen der Landeswasserversorgung, den Naturschutz und die Arbeit der AG Donaumoos.

Dann riss die Wolkendecke leicht auf und das Ried erwachte urplötzlich zum Leben. Der trillernde Gesang der Lerche erfüllte die Luft, eine Wachtel rief, die flötende Melodie der Mönchsgrasmücke erklang. Die Gruppe lauschte andächtig und setzte mucksmäuschenstill ihren Weg über alte Streuwiesen in Richtung Orchideen fort. "Früher war das Sauergras eine beliebte Stalleinstreu und wurde als Strohersatz genutzt", informierte Müller im Vorbeigehen. Heute lohne sich der Aufwand für die Bauern nicht mehr; die Flächen würden nun durch die Arbeitsgemeinschaft Donaumoos Langenau extensiv bewirtschaftet, das Pfeifengras einmal im Jahr gemäht. Den Lohn für diesen Einsatz konnte Müller seiner Exkursionsgruppe nun zeigen: Auf den 15 Wiesen, welche die AG Donaumoos im Naturschutzgebiet betreut, blühen alljährlich Wildformen verschiedener Blütenpflanzen, darunter pinkfarbene Kuckuckslichtnelken, leuchtend gelbe und blaue Schwertlilien sowie herrliche Orchideen. Besonders häufig ist das fleischfarbene Knabenkraut. Aufgrund des verregneten und kalten Frühjahrs gab es am Sonntag freilich nur einzelne wenige Orchideen zu sehen. "In wenigen Wochen werden es mehr als 1200 sein", versprach Müller.