Geschichte Ausstellung zur Hungersnot

Über das „Jahr ohne Sommer“ informiert noch bis Samstag eine Ausstellung in der Laichinger Stadtbücherei.
Über das „Jahr ohne Sommer“ informiert noch bis Samstag eine Ausstellung in der Laichinger Stadtbücherei. © Foto: gras
Laichingen / swp 29.09.2017

Vor 200 Jahren litt Deutschland unter einer grausamen Hungersnot. Zahlreiche Menschen starben, viele flüchteten – zumeist nach Russland. Über die Ursache dieser Hungerzeit informiert die Ausstellung „Das Jahr ohne Sommer“ in der Stadtbücherei. Die Laichingerin Christiane Schmelzkopf hat auf mehreren Plakaten diese Zeit, die Ursache bis hin zu einem Resümee aus heutiger Sicht informativ und anschaulich aufbereitet. Fotos, topografische und geografische Karten und zahlreiche Texte vermitteln ein klares Bild dieser Ära.

Verheerender Vulkanausbruch

Ein Vuklanausbruch 1815 in Indonesien war der Auslöser für eine Schlechtwetterfront, die 1816 über Deutschland zu verheerenden Ernteausfällen führte und in der Folge 1817 die Hungersnot auslöste. Derweil die Deutschen kurz nach dem Vulkanausbruch einen Krieg beendeten und die Kaiser aus Preußen und Österreich gemeinsam mit dem russischen Zaren die „Heilige Allianz“ mit „menschlicher Brüderlichkeit anstelle französischer Revolution“ schlossen, kam das Unheil mit Dauerregen und extrem kalten Temperaturen über das Land.

„Die Menschen kochten Schnecken und Rossfleisch, Malten und Brennesseln“, schrieb ein Chronist. In ihrer Not suchten viele ihr Heil in einem „religiösen Fatalismus“, wie Christiane Schmelzkopf aus den Aufzeichnungen benachbarter Gemeinden entnommen hat. Wer es sich leisten konnte, wanderte aus – vorzugsweise nach Russland. Zu jener Zeit wurden die deutschen Kolonien dort gegründet. Beidem, den religiösen Umtrieben sowie den Auswanderungen, widmet die Ausstellung viel Raum. Königin Katharina von Württemberg war es, die sich mit der Gründung eines zentralen Wohltätigkeitsvereins für das Volk einsetzte und die größte Not zu lindern versuchte. Viele Adlige folgten ihr. 

Die Ausstellung ist noch bis einschließlich Samstag zu den Öffnungszeiten der Bücherei zu sehen (siehe Infokasten). Wer sich genügend Zeit für diese Ausstellung nimmt, findet ein interessantes Kapitel deutscher und lokaler Geschichte vor, wo durchaus Parallelen zu heute deutlich werden: Menschen flüchten aus Armut, religiöse Eiferer nutzen die Hilflosigkeit aus. Passend zum Thema hat Schmelzkopf ein Liederprogramm zusammengestellt, „Hunger, Saat und Ernte“. Das Duo „Christl und Marie“ trat damit am Donnerstagabend in der Bücherei auf.

Öffnungszeiten der Stadtbücherei

Ausstellung Wer die Ausstellung „Ein Jahr ohne Sommer“ in der Stadtbücherei Laichingen noch sehen möchte, hat dazu heute und morgen Gelegenheit. Die Öffnungszeiten an beiden Tagen: am Freitag von 14 bis 18 Uhr, am Samstag von 9 bis 12  Uhr.