Wandlung Vom Saulus zum Paulus

Josef Müller holt in Altheim/Alb zu einem Plädoyer für Gottesgläubigkeit aus.  Foto: Lisa Maria Sporrer
Josef Müller holt in Altheim/Alb zu einem Plädoyer für Gottesgläubigkeit aus. Foto: Lisa Maria Sporrer © Foto: Foto: Lisa Maria Sporrer
Altheim/Alb / Lisa Maria Sporrer 10.10.2016

Wenn jemand von sich behauptet, ein ziemlich bester Schurke zu sein, ist das mehr als ungewöhnlich.“ Mit diesen Worten begrüßte Martin Pöhler seinen Gast  Josef Müller, in Anspielung auf einen Buchtitel. „Und ungewöhnlich, das trifft es, und deshalb ist er heute hier“, sagte der Prediger der evangelischen Chrischona Gemeinde in Altheim/Alb.

Tatsächlich reiste der Millionen-Betrüger und ehemalige Konsul mit einer missionarischen Botschaft an. „Das Wichtigste wovon ich zu erzählen habe, sind nicht meine früheren Millionen, sondern mein Lebenswandel“, sagte der 61-Jährige: „Ich habe zwar nichts mehr, aber ich bin der glücklichste Mensch überhaupt.“

Du bist geliebt, stand auf den Rädern des seit seinem 17. Lebensjahr querschnittsgelähmten Mannes – das Motto der von ihm gegründeten „Jesus saved my life Ministry“-Stiftung. Doch bevor der im Gefängnis geläuterte Müller in der Altheimer Albhalle zu seinem Plädoyer für Gottesgläubigkeit und seinem Apell, jeden Tag in der Bibel zu lesen, ansetzte, erzählte er von seinem Leben vor der Läuterung: Wohlbehütet in einem Beamtenhaushalt in Fürstenfeldbruck aufgewachsen, reichte dem früheren Steuer- und Anlageberater sein Einkommen nicht. „Ich war gierig und wollte immer mehr. Ich wollte unendlich reich werden“, sagte er. Was folgte, war ein Leben in Saus und Braus: Beflügelt durch jede Menge Kokain, liebte der Polizistensohn die schillernde Selbst­inszenierung.

Schon nach kurzer Zeit reichen ihm die Champagner-Orgien und die zahllosen Callgirls nicht mehr aus, um sein maßloses Ego zu befriedigen, er umgibt  sich mit glitzernden Gestalten, Show-Koloriten wie La Toya Jackson, Gloria von Thurn und Taxis, die Al-Gaddafi-Familie, Prinz Charles, Roberto Blanco, den Wepper-Brüdern. Die Börsengeschäfte damals laufen gut, und Müller sammelt Titel: Der Steuerberater wird Honorarkonsul von Panama und in Monaco Botschafter von Zentralafrika. Doch dann der Sündenfall: Für einen amerikanischen Mafia-Boss brachte er 40 Millionen Dollar in Hartschalen-Koffern von Miami nach München, um das Geld gewinnbringend anzulegen.

Doch er verliert das Geld bei Devisengeschäften und Fehlinvestitionen, und auch sein eigenes Unternehmen geht den Bach runter. Er leiht sich Geld, viel Geld, ohne die Absicht, es zurückzubezahlen. „Das ist keine schöne Welt“, sagt Müller heute, der ab 2007 fünfeinhalb Jahre in Haft, unter anderem in der JVA Landsberg, verbrachte. Da hatte er die Erleuchtung, als er zufällig nach einem Buch griff, dem neuen Testament, und darin las, dass Gott ihn liebt.

Forum für Lebensgeschichte

„Der Mensch zählt in unserer Gesellschaft nichts, da zählen nur teure Autos, tolle Häuser und schöne Frauen“ – eine Bekehrung, die er auch gerne in den öffentlich-rechtlichen Sendern erzählt, etwa bei „Hart aber fair“. Auch Markus Lanz, Anne Will und Sandra Maischberger haben ihm bereits ein Forum für seine Lebensgeschichte geboten. Witzig, eloquent und mit Selbstironie erzählt Müller aus seinem Leben. „Voll gut, mitreißend und ehrlich“, fand Daniela Schwin. Und auch ihre Freundin Miriam Köpf fühlte sich durch den Humor und die Ehrlichkeit mitgenommen.

„Ein ziemlich interessanter Typ“, resümierte Pöhler, noch bevor Müller von Gotteszeichen, Jesus-Träumen und unerklärlichen Stimmen berichtete. „Ohne Millionen, aber mit Bibel“, sagte Pöhler beeindruckt. Und Müller zum Schluss seines Vortrags: „Gott sendet Einladungen aus an euch, nehmt sie an.“ Was Matthias Bruchhäuser aus Heidenheim als Aussage des Abends deutete: „Bleib nicht liegen, steh auf.“

Vom Geldvermehrer zum Seelensammler

Team Nach dem Bestseller-Debüt „Ziemlich bester Schurke“ hat Josef Müller im vergangenen Jahr sein zweites autobiografisches Buch geschrieben. Der zum Prediger mutierte Millionenbetrüger aus der Münchner Schickimicki-Szene mit Wohnsitz in Bruck schildert in „Go!“ seine wundersame Wandlung vom Geldvermehrer zum Seelensammler. Die von ihm gegründete Stiftung „Jesus saved my life Ministry“ versteht sich als ein Team Gottes mit einer Leidenschaft für Jesus.

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