Berghülen Vom Erdfall zur "Riesenhöhle"

Berghülen / JOACHIM STRIEBEL 22.07.2015
Forscher der "Arge Blaukarst" haben in der Hessenhauhöhle die Fünf-Kilometer-Marke überschritten. Jetzt ist sie offiziell eine "Riesenhöhle".

Die Hessenhauhöhle bei Berghülen gilt schon seit 2012 mit einer vermessenen Tiefe von 148 Metern als tiefste Höhle Deutschlands nördlich der Alpen. Nach der jüngsten Tour der "Arge Blaukarst" gehört sie nun auch zum exklusiven Kreis der mehr als fünf Kilometer langen "Riesenhöhlen": Vorsitzender Dr. Jürgen Bohnert und einige Kameraden haben neue Gänge entdeckt, diese vermessen und so eine neue Gesamtlänge von 5033 Metern ermittelt. Auf der Schwäbischen Alb sind nur die Wulfbachquellhöhle (6583 Meter) und das Blauhöhlensystem (12.200 Meter) länger.

Von der Hessenhauhöhle war vor Beginn der Forschungen im Jahr 2006 nur ein Erdfall, eine Doline, bekannt, die dem Höhlenforscher Jürgen Bohnert durch ihren zeitweilig kräftigen Luftzug auffiel. Mühsam gruben sich Forscher in die Tiefe, um entlang der unterirdischen "Nordblau" in südliche und nördliche Richtung vorzustoßen. Mal trockenen Fußes, mal im Fluss, mal durch Siphone tauchend. Am bisherigen nördlichen Ende fanden die Forscher jetzt hinter dem so genannten "Klärbeckensiphon" einen 15 bis 20 Meter breiten Überwassertunnel: "Eine höhere Ebene, vielleicht ein älterer Teil des Höhlensystems", sagt Bohnert, der die jüngsten Touren gemeinsam mit den ebenfalls erfahrenen Forschern Markus Bölzle, Andreas Kücha, Frank Liedtke, Tewje Mehner und Wieland Scheuerle absolvierte. "Wir haben auf offener Strecke kehrt gemacht", berichtet Bohnert. Denn für die "Arge Blaukarst" gelte die Regel "kein Meter ohne Maßband". Die Forscher rennen nicht einfach drauflos, sondern vermessen gleich jede Strecke. "Da kann noch viel Neuland kommen", schätzt Bohnert. Er und seine Kameraden nennen den neuen Gang "Laichingen Direttissima" - in der Hoffnung, dort auf direktem Weg zu den Laichinger Höhlen zu gelangen. "Es sind allerdings noch ein paar Kilometer", sagt Bohnert. Auch im Hauptgang der "Nordblau" kamen die Männer ein gutes Stück weiter.

Spannend bleibt es für sie auch am derzeitigen Ende Richtung Süden, wo das Wasser der Hessenhauhöhle in Richtung Blauhöhle zieht. Die Forscher suchen einen Weg zwischen herabgestürzten Blöcken. Die Entfernung zwischen Hessenhau- und Blauhöhle beträgt nur noch 850 Meter.

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