Geschichte Vom „Dommale“, „Wagnerbarth“ und „Weilemer Steirer“

Mehr als 140 Hausnamen und ihre Geschichte hat Volkhard Held aus Wain zusammengetragen. Der Heimatforscher will verhindern, dass die historischen Bezeichnungen in Vergessenheit geraten und veröffentlicht deshalb auch eine Broschüre.
Mehr als 140 Hausnamen und ihre Geschichte hat Volkhard Held aus Wain zusammengetragen. Der Heimatforscher will verhindern, dass die historischen Bezeichnungen in Vergessenheit geraten und veröffentlicht deshalb auch eine Broschüre. © Foto: Michael Seefelder
Von Michael Seefelder 03.11.2018

Älteren Menschen auf dem Land sind sie noch geläufig, die Jungen können wenig damit anfangen: Hausnamen erinnern an eine Zeit, in der es noch keine Nummerierung der Anwesen gab und keine Bezeichnungen für Straßen, aber eine Bevölkerung, die ihre lokalen Besonderheiten und Geschichten mittels mündlicher Überlieferung lebendig hielt.

Einer, der die Hausnamen seines Heimatortes Wain vor dem Aussterben bewahren und sie für die Nachwelt dokumentieren will, ist Volkhard Held. Circa 140 solcher Bezeichnungen hat der Hobby-Historiker zusammengetragen. Nun will der 74-Jährige sie in einer Broschüre veröffentlichen und somit den Bürgern Wains und allen Interessierten zugänglich machen. „Ich war selber erstaunt, dass es so viele Hausnamen gibt“, sagt Held.

Den Anstoß für seine Nachforschungen gab ein Gespräch mit seinem damals bereits 96-jährigen Onkel während eines Familientreffens. Bei einem Spaziergang durchs Dorf habe dieser eine ganze Reihe der einst gebräuchlichen Namen aufgezählt. „Das ging mir dann nicht mehr aus dem Kopf“, erzählt Held. Es vergingen noch einige Jahre, bis er das Projekt schließlich in Angriff nahm.

In vielen Gesprächen mit älteren Wainern kamen schließlich immer mehr Hausnamen zum Vorschein. So wurde einst beispielsweise zwischen dem „Woimer Steirer“ und dem „Weilemer Steirer“ unterschieden. „Steirer“ bezieht sich auf die Steiermark, von der die bezeichneten Personen einst nach Wain zugewandert waren, wobei „Woimer“ für in Wain und „Weilemer“ für in Auttagershofen wohnend steht. Insgesamt sei es eine zentrale Funktion der Hausnamen gewesen, Personen besser unterscheiden zu können, sagt Held. Denn es sei vorgekommen, dass auf einer Wegstrecke von nur 200 Metern drei Menschen mit dem selben Namen gewohnt hätten.

„Ein Qualitätsmerkmal“, so berichtet Held schmunzelnd, sei es einst gewesen, „beim Lenz daheim“ zu sein, der recht wohlhabend war. Oft stecke hinter den Hausnamen aber nicht das, was sich im ersten Moment vermuten ließe. Der „Lachadomme“ habe zum Beispiel nichts mit dumm zu tun, sondern es gehe um einen „lachenden Thomas“ oder einen „Thomas vom Lachenberg“. Auch einen kleinen Thomas habe es gegeben: „Dommale“.

Berufe wurden ebenfalls durch Hausnamen bezeichnet, weiß Held zu berichten. Relativ ersichtlich ist dabei, was mit „Briefträgers“ oder „Fuhrmann“ gemeint ist. Schwieriger wird es beim „Wagnerbarth“, ein Wagner, der wohl Bartholomäus hieß, vermutet Held. Immer wieder stößt er auf neue alte Hausnamen, so auch in Gesprächen beim „Gmoindstreff“, bei dem er unlängst die Ergebnisse seiner bisherigen Nachforschungen präsentierte. „Es kommen immer noch Sachen heraus“, freut sich Held. Die Reaktionen auf seine Arbeit seien überaus positiv.

Auch junge Wainer interessierten sich teilweise für die Hausnamen, wenn sie erst einmal davon gehört hätten. Deshalb plant Held auch einen Vortrag zu diesem Thema vor jüngerem Publikum. „Gerade für die Jungen ist es wichtig, damit das nicht in Vergessenheit gerät“, betont Volkhard Held.

Alte Bilder und Zeichnungen

Recherche Viele historische Spuren sind auch in Wain bereits verschwunden. Gebäude, die einst mit einem Hausnamen belegt waren, wurden längst abgerissen. Deshalb sucht der Heimatforscher Volkhard Held nun nach Fotos oder Zeichnungen dieser Häuser und hofft dabei auf die Mithilfe der Wainer Bürger. Wer entsprechendes Material besitzt, kann sich mit Held in Verbindung setzen,Telefon (07353)701.

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