Blaubeuren Voller Sorgen und Wut: Entlassene der Firma Centrotherm treffen sich in Blaubeuren

In Schieflage: Auftragseinbruch und Massenentlassung machen Centrotherm in Blaubeuren schwer zu schaffen. Foto: Volkmar Könneke
In Schieflage: Auftragseinbruch und Massenentlassung machen Centrotherm in Blaubeuren schwer zu schaffen. Foto: Volkmar Könneke
Blaubeuren / THOMAS SPANHEL 14.03.2012
Schmerz, Sorgen und Wut über das Vorgehen des bisherigen Arbeitgebers: Das waren die vorherrschenden Gefühle bei einem Treffen von etwa 40 Entlassenen des Blaubeurer Maschinenbauers Centrotherm.

Eng zusammengerückt sitzen die rund 40 entlassenen Mitarbeiter der größten Blaubeurer Firma Centrotherm um zusammengeschobene Tische im Café Kulisse. Über persönliche Kontakte kam das Treffen zustande, zu vielen anderen der insgesamt etwa 300 entlassenen Centrotherm-Mitarbeiter besteht noch keine Verbindung, aber das soll sich ändern. Man will sich gegenseitig unterstützen. Die einen verfolgen nur still, was die anderen über die dramatischen Vorgänge in der Firma rund um die Kündigung erzählen, schöpfen Kraft aus Überlegungen, wie man gemeinsam weiter vorgehen könnte. Bei anderen äußert sich der Frust in verärgerten Berichten über Fehler des Managements aus der Warte des Mitarbeiters: "Das war die übelste Form des Kapitalismus."

Das Reden über die schwierigen Stunden der Entlassung hilft: Manche erzählen, wie Leute in Tränen ausbrachen oder ihren Computer demolierten, als sie die Nachrichten von der Kündigung erhielten. "Ich kam mir wie ein Verbrecher vor, obwohl ich doch will, dass es der Firma gut geht", sagte ein 40-Jähriger, der durchsucht wurde, als er nach der Kündigung das Firmengelände verlassen musste. Nicht einmal eine Übergabe habe stattgefunden: "Da geht es um hochgiftige Chemikalien, die eingesetzt werden: Damit kennt sich doch niemand aus."

Der 44-jährige Vater einer kleinen Tochter, der seit fünf Jahren für die Firma gearbeitet hat, kann nicht fassen, dass jetzt so viele Leute entlassen werden. Noch bis vergangenen Juli seien jedem Beschäftigten 1000 Euro Bonus versprochen worden, der einen neuen qualifizierten Mitarbeiter im Bereich Neumaschinen-Installation anwirbt - den schriftlichen Nachweis hält er parat. In einer Mitarbeiterversammlung im Herbst habe das Management dann aber gesagt, dass es schon seit vergangenem April Anzeichen dafür gebe, dass der Boom in der Solarbranche zu Ende gehe. Der einzige Grund, den sich die Mitarbeiter für solch ein Vorgehen vorstellen können: "Man wollte jeden Auftrag mitnehmen, wollte Geld verdienen egal, was das für die Mitarbeiter bedeutet."

Ein 34-Jähriger Familienvater, der ebenfalls schon fünf Jahre bei der Firma ist, versteht nicht, weshalb gut eingearbeiteten Technikern nicht eine andere Stelle im Unternehmen angeboten wurde - etwa in der Produktion, wo er selbst schon gearbeitet hat. Obwohl nicht unzufrieden mit seiner Arbeit, kann er viele Dinge in der Firmenorganisation nicht nachvollziehen. "Da sind Maschinen vom Vertrieb schon verkauft worden, obwohl sie gar nicht fertig waren. Wir haben sie dann beim Kunden vor Ort fertig entwickelt." Wo bleibe da noch der technologische Vorsprung im Maschinenbau? Auf Berichte der Mitarbeiter, dass man bei dieser Entwicklungsarbeit in Asien fotografiert werde, sei auch nichts passiert. "Da ging es doch nur ums schnelle Geld und darum, dass man in den Bilanzen eine möglichst hohe Stückzahl nachweisen kann."

Ein Älterer zeigt die Urkunde, die er im Oktober 2011 für zehnjährige Betriebszugehörigkeit erhalten hat: Da wurde ihm vom Management große Zufriedenheit mit seiner Arbeit attestiert - einige Wochen später erhielt er die Kündigung. "Es scheint manchen Vorgesetzten nur darum gegangen zu sein, die eigenen Seilschaften zu pflegen."

Natürlich geht es bei dem Treff auch um die Zukunft: Einige waren schon beim Rechtsanwalt, um die Gültigkeit ihrer Kündigung zu hinterfragen und bessere Bedingungen auszuhandeln. "Leicht wird es aufgrund der vielen Gesellschaften nicht nachzuweisen, dass die Entlassungen nicht nach den gesetzlichen Regelungen erfolgten", berichtet ein 48-jähriger Geräteelektroniker. Viele haben sich natürlich schon beim Arbeitsamt gemeldet und sind gleichzeitig selbst aktiv geworden. "Morgen habe ich mein erstes Vorstellungsgespräch", sagt der 48-Jährige. Ein dreifacher Familienvater ist optimistisch: "Ich will arbeiten, und dann bekomme ich auch etwas. Da vertraue ich ganz auf Gott." Enger Zusammenhalt hilft jedenfalls auch: Am Ende des Treffs gibt es viele Umarmungen.