Finanzen Volksbank sucht Partner

Blaubeuren / Thomas Spanhel 14.06.2018

Die Volksbank Blaubeuren sucht angesichts eines allgemein schwierigen finanzwirtschaftlichen Umfelds seit 2017 nach einem Partner. „Am Horizont sind dunkelgraue Wolken aufgezogen. Darüber werden wir unsere Mitglieder informieren“, sagte Vorstandssprecher Frank Stegner mit Blick auf die heute Abend stattfindende Generalversammlung in der Stadthalle Blaubeuren.

Zunächst wurde nur mit einem einzigen möglichen Partner über einen Zusammenschluss verhandelt: „Leider haben diese Gespräche zu keiner Lösung zur Verbesserung unserer Situation geführt.“ Daher werde nun nach weiteren realistischen Zusammenschlüssen gesucht. „In der Branche spricht gegenwärtig jeder mit jedem“, sagte Stegner. Ein tatsächliches Ergebnis, das den Kunden, Mitgliedern und Mitarbeitern der Bank gerecht werde, sei aber nicht vor Ende des Jahres zu erwarten.

Zwar stieg die Bilanzsumme der Blaubeurer Volksbank im Geschäftsjahr 2017 „erfreulich“ um 4,5 Prozent. Dies gehe aber vor allem auf die steigenden Einlagen der Kunden zurück. Weil diese Einlagen meist aber auf täglich verfügbaren Konten blieben, musste die Volksbank auf über 85 Millionen Euro Negativzinsen in Höhe von 0,4 Prozent an die Zentralbanken zahlen. „Diese Situation verschärft den Rückgang des Zinsüberschusses zusätzlich und führt zu einem weiteren schmerzlichen Rückgang des Ergebnisses der normalen Geschäftstätigkeit.“

An der Leistungsgrenze

Nicht nur die niedrigen Zinsen, auch die aufsichtsrechtlichen Anforderungen „bringen uns an die interne Leistungsgrenze“, erläuterte Stegner. Künftig sei es nicht mehr möglich, mit dem laufenden Geschäft die Kosten für das derzeitige Service-Niveau und die ständig zunehmenden gesetzlichen Anforderungen beim Personal zu verdienen, informierte Stegner. So werde von der Bankenaufsicht gefordert, dass für bestimmte interne Kontroll-Aufgaben die Bank immer gleich zwei Mitarbeiter bereitstellen müsse: „Mit unseren 35 Mitarbeitern ist das nicht zu leisten. Dazu bräuchte man mindestens 100.“

Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die Kunden, die immer mehr übers Internet agieren. Um zukunftsfähig zu bleiben, wäre eine teure elektronische Kundenakte, ein differenziertes Kommunikations-Angebot und ein Servicecenter nötig, das auch abends erreichbar ist. Die Fixkosten dafür sind laut Stegner aber zu hoch.

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