Natur Vogelschutz-Projekt im Asselfinger Donaumoos

Arbeitsgemeinschaft Donaumoos Langenau Brachvogel
Arbeitsgemeinschaft Donaumoos Langenau Brachvogel © Foto: Günter Hermann / Arge Donaumoos Langenau
Asselfingen / KARIN MITSCHANG 16.06.2018

Was das Land mit 22 Hektar Fläche, die es 2016 erworben hatte, im Asselfinger Donaumoos vorhat, haben im Gemeinderat Sven Jeßberger vom Regierungspräsidium (RP) Tübingen und die Arge Donaumoos vorgestellt: Als Teil des Ausgleichs für die ICE-Neubaustrecke und den A8-Ausbau soll das Projekt „Wiesenbrüterschutz im Asselfinger Ried“ noch im Herbst oder im kommenden Jahr umgesetzt werden.

Um Lebensraum für den Großen Brachvogel, den Kiebitz und das Braunkehlchen zu schaffen, soll das Niedermoor von Gehölz befreit und somit „offen gehalten“ werden. „Zumindest im Zentralbereich muss es ganz offen sein“, sagte Dr. Ulrich Mäck, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos, welche bis Ende 2019 mit der Umsetzung beauftragt ist. Es soll eine extensive Beweidung geben, die ein so genanntes Mahd-Mosaik erzeugt, also viele kleine Verstecke, aber auch kleine Pflanzenstängel, die den Vögeln als „Sitzwarten“ dienen. Zudem sollen nasse Mulden geschaffen werden, in denen die Tiere Nahrung finden. „Es wird versucht, das sehr differenziert auszugestalten“, sagte Mäck.

Viele Büsche entfernt

Obwohl das Projekt noch in der wasserschutzrechtlichen Genehmigungsphase steckt, wurden im Februar viele Büsche im Kerngebiet entfernt,  was einige Landwirte vor den Kopf stieß, auch Gemeinderat und Landwirtschaftsmeister Rainer Preiß: „Am Mittwoch haben wir vom Projekt erfahren, am Samstag kamen die Büsche schon weg.“ Dies begründete Jeßberger vom Referat für Naturschutz und Landschaftspflege des RP mit der kurzfristig günstigen Witterung. „Sonst hätten wir bis zum Herbst warten müssen, das musste eine schnelle Nummer sein.“

Mehrere Asselfinger Landwirte sagten nach der Sitzung und in der Bürger-Fragen-Runde, dass unter der Aktion andere Tiere zu leiden hatten, die dort wohnten. „Wenn ich vor zwei Jahren auch nur einen Busch raus gerissen hätte, wäre das ein Riesenskandal gewesen“, meinte einer. Bürgermeister Armin Bollinger, der im Januar vom Projekt erfahren hatte, sprach von einem „gewissen Zwiespalt“ zwischen Naturschutz und Artenschutz. Dem pflichtete Mäck von der Arge bei. Denn um die nassen Mulden zu schaffen, sei es nötig, Torfboden abzutragen. Dieser zersetze sich, wenn er trocken wird, und gebe dann umweltschädliches Gas ab. Doch weil die erworbenen Flächen nicht zusammenhängen und auf weitere Besitzer im Ried Rücksicht genommen werden müsse, sei es nicht praktikabel, den Grundwasserpegel durch andere Maßnahmen komplett anzuheben, um Nässe zu erzeugen.

Abhilfe könne durch Projekte bei Gundelfingen geschaffen werden: Dort müssten in den nächsten Jahren Mulden aufgefüllt werden, wozu der Asselfinger Torfboden ideal wäre – vorausgesetzt, beides fällt zeitlich zusammen, was noch nicht sicher sei. Auch diesen Abtrag von Torfboden kritisierten mehrere Landwirte, die in der Sitzung als Zuhörer dabei waren. Einer schlug vor, Ränder von Wegen mit dem Boden zu reparieren, die in den vergangenen Jahren abgetragen worden sind.

Dies und die weiteren Amerkungen nahm Bürgermeister Bollinger auf, der selbst den Vorschlag brachte, Biberdämme in der Nähe zum Teil abzutragen, um für mehr Feuchtigkeit im Boden zu sorgen. Dass dies so funktionieren würde, bezweifelten Mäck wie Jeßberger. Beide sagten zu, dass die bisherigen Pächter weiter ihre Ansprechpartner seien und die Pflege der Flächen übernehmen könnten. Ausgleichszahlungen oder Zuschüsse für Zäune seien möglich. Im Lauf des Genehmigungsverfahrens werde auch die Gemeinde angehört.

680

Tausend Euro sind – über die Stiftung Naturschutzfonds organisiert – für „Wiesenbrüterschutz im Asselfinger Ried“ finanziert; von Grund­erwerb bis Umsetzung, welche bis Ende 2019 an die Arge Donaumoos vergeben ist. Die Weiterführung ist per Landschaftserhaltungsverband angedacht.

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