Bermaringen/Tomerdingen Vogelschützer warnen: Den Milan nicht anlocken

Der Rote Milan kommt auch auf der Alb im Alb-Donau-Kreis vor. In der Nähe des Windkraft-Vorranggebietes zwischen Bermaringen und Tomerdingen wurde gar ein Horst ausgemacht. Der Greifvogel geht gern auf Mäusejagd, dabei fliegt er in Höhe der Rotoren von Windrädern. Vogelschützer befürchten »Schlagopfer« und raten deshalb, rund um die Türme keine Grasflächen anzulegen, in denen sich Mäuse ansiedeln.
Der Rote Milan kommt auch auf der Alb im Alb-Donau-Kreis vor. In der Nähe des Windkraft-Vorranggebietes zwischen Bermaringen und Tomerdingen wurde gar ein Horst ausgemacht. Der Greifvogel geht gern auf Mäusejagd, dabei fliegt er in Höhe der Rotoren von Windrädern. Vogelschützer befürchten »Schlagopfer« und raten deshalb, rund um die Türme keine Grasflächen anzulegen, in denen sich Mäuse ansiedeln. © Foto: Patrick Pleul (dpa)
Bermaringen/Tomerdingen / JOACHIM STRIEBEL 02.09.2013
Weil der Rote Milan gern Mäuse jagt, sollen dort, wo sich Windräder drehen, keine Wiesen angelegt werden, meinen Vogelschützer. Die Rotoren seien für den Vogel eine Gefahr. Hecken, wie in Tomerdingen geplant, seien nicht besser.
Der Rote Milan, jener mächtige Greifvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 170 Zentimetern, hat anderswo, jüngst in Horb, den Bau von Windrädern verhindert. Der Greif kommt auch auf der Alb im Alb-Donau-Kreis vor, hat gar in der Nähe des Windkraft-Vorranggebiets zwischen Blaustein-Bermaringen und Dornstadt-Tomerdingen einen Horst. Der gesetzlich vorgeschriebene Abstand von 1500 Metern wurde eingehalten. Vogelschützer machen sich aber Sorgen, dass die „Gabelweihe“, wie der Vogel wegen der Gabelform seines Schwanzes genannt wird, auf der Jagd gegen die mächtigen Rotoren fliegen könnte. Zu den fünf bisherigen Anlagen sind jetzt drei größere hinzugekommen. Deren Rotoren ragen bei einer Nabenhöhe von 140 Metern 199 Meter hoch in den Himmel.

Entscheidend für den Vogelschutz sei, wie die Flächen um die Türme der Windkraftanlagen herum gestaltet werden, meinen Greifvogelexperten. Andreas Buck, Vorsitzender der Blaubeurer Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu), hat festgestellt, dass es an den Füßen der bereits in Betrieb stehenden Windräder Grasflächen gibt. In den Wiesen tummelten sich Mäuse, diese seien Beute für den Rotmilan. Weil sich der Vogel gerade in der Höhe der Rotoren bewege, könne es zu „Schlagopfern“ kommen.

Buck befürchtet, dass auch rund um die drei neuen Türme Wiesen angelegt werden – zwei davon befinden sich auf Tomerdinger, einer auf Bermaringer Gemarkung. Er hat sich deshalb an den Bauherrn, die Greenpeace Energy e. G., gewandt. Sprecher Henrik Düker sagt, dass die Umgebung „so unattraktiv wie möglich“ für Vögel und Kleinsäuger gestaltet werde, wie es auch das Michael-Otto-Institut des Nabu vorschlage. Es sei geplant, die Bereiche um die Türme mit niedrigen Feldhecken zu bepflanzen, die vom Rotmilan nicht bejagt würden.

Andreas Buck und Dr. Marion Gschweng, Biologin und anerkannte Milan-Expertin, widersprechen. Vor allem in einem schlechten Mäusejahr wie diesem weiche der Milan auch auf Singvögel aus. Feldhecken hätten da geradezu „anziehende Wirkung“, sagt Marion Gschweng. Ihren Beobachtungen nach ist das Windkraft-Vorranggebiet sehr interessant für Greifvögel, neben den Brutvögeln kämen auch viele Tiere vor, die durchziehen oder rasten. Das Verhalten eines Rotmilans, der im benachbarten Wald nistete, ist sogar ganz genau nachvollziehbar, denn er war im Rahmen einer Forschungarbeit mit einem GPS-Sender versehen. Der Vogel verunglückte 2011 an der Autobahn, doch der Sender und die per Satellitennavigation gewonnen Daten sind erhalten.

Obwohl das Projekt den Behörden bekannt gewesen sei, hätten diese nicht nach den GPS-Daten gefragt, sagt Gschweng. Sie hatte für einen möglichen Investor, der im Vorranggebiet Bermaringen-Tomerdingen Windräder bauen wollte, ein Gutachten erstellt – mit dem Ergebnis, dass es zu einem Konflikt zwischen rastenden Vögeln und Windkraftnutzung kommen werde. Der Interessent habe zurückgezogen. Ein anderer Gutachter sei wohl zu einem anderen Ergebnis gekommen, wundert sich die Biologin darüber.

Nun stehen insgesamt acht Windräder. Marion Gschweng schlägt vor, bei den neuen Anlagen die Bereiche um die Mastfüße herum zu schottern. Daran anschließend seien Maisfelder oder Brachen am besten.

Grasflächen im engeren Umkreis der Türme werden von dem für die Genehmigung zuständigen Landratsamt Alb-Donau-Kreis nicht als Problem angesehen. Es gebe keine Auflage, diese Fläche zu schottern, sagt Pressesprecher Bernd Weltin. Ziel sei, im Sinne der Landwirtschaft möglichst viele Ackerflächen zu erhalten. Dabei habe die Behörde den Artenschutz durchaus im Blick. Wo es möglich sei, würden Vereinbarungen mit Landwirten getroffen, um so genannte „Lerchenfenster“ zu schaffen: von der Nutzung ausgesparte Flächen als Brutstätte für die Feldlerche.