Herr Eichenhofer, nach vier Wochen in Uganda sind Sie wieder zurück in Deutschland. Welchen Unterschied spüren Sie am stärksten?

STEFAN EICHENHOFER: In Uganda ist die Mentalität ganz anders. Die Leute sind sehr offen, man kommt mit jedem ins Gespräch. Vier Wochen war ich fast nur mit Ugandern zusammen. Und dann kommt man wieder zurück nach Schwaben, wo die Menschen eher verschlossen sind. Da ist es mir schon ein bisschen schwer gefallen, mich wieder einzuleben. Bei der Arbeit sieht man sich mit Problemen konfrontiert, die für einen selber keine echten Probleme mehr sind. Weil man Menschen mit Problemen kennen gelernt hat, die viel näher am Leben dran sind - und auch am näher Tod.

Wann haben Sie von Ihrem Einsatz erfahren?

EICHENHOFER: Ich hatte ungefähr einen Monat Zeit, um mich vorzubereiten. Mein erster Einsatz mit Humedica war vergangenen September im Libanon. Beide Einsätze waren also recht kurz hintereinander, aber mein Arbeitgeber hat mir sein Okay gegeben. Als ich ,Uganda gelesen habe, wollte ich sofort hin. Da hatte ich ein bisschen Heimweh, weil meine Familie und ich drei Jahre in Mosambik gelebt haben.

Was waren Ihre Aufgaben in Uganda?

EICHENHOFER: Es ging darum, ein altes Gesundheitszentrum wieder in Betrieb zu nehmen. Dafür habe ich mit über 20 Einheimischen zusammengearbeitet - Ärzte, Krankenschwestern und andere Helfer. Die nächste Stadt, Arua, liegt rund eineinhalb Stunden Autofahrt entfernt. Ich war für die ganz praktischen Arbeiten zuständig: Ich habe mich um alle Belange des Teams gekümmert und den Bau eines 100 Meter tiefen Brunnens koordiniert. Neben den Flüchtlingen kommen dort auch Einheimische hin. Weil aber nicht jeder die Möglichkeit hat, das Zentrum zu erreichen, sind wir auch in die Ansiedlungen gefahren und haben geschaut, wie wir die Leute vor Ort unterstützen können.

Haben die Flüchtlinge aus dem Südsudan den Krieg dort persönlich mitbekommen?

EICHENHOFER: Viele sind traumatisiert. Da ist zum Beispiel Munduk. Mit ihm habe ich mich lang unterhalten, weil er sehr gut Englisch kann. Er ist 22 und hat in einem Haus im Südsudan eine aufgeschlitzte schwangere Frau und tote Kinder entdeckt. Munduk hat sich so sehr für sein eigenes Volk geschämt, dass er seinen Ausweis zerrissen hat. Andere Flüchtlinge hat es nicht so hart getroffen, sie hatten zum Beispiel Zeit, ihre wichtigsten Dinge mitzunehmen.

Wie empfinden die Flüchtlinge ihre Situation?

EICHENHOFER: Sie nehmen die Situation so, wie sie ist, und hoffen einfach, dass sie bald wieder zurück können. Sie lieben ihr Land, sie lieben ihre Heimat. Natürlich sind sie sehr froh, dass sie in Uganda in Sicherheit sind. Diejenigen, die vorgehabt hatten zu studieren, empfinden das als eine Zeit, die sie verlieren.

Wie gehen die Ugander mit den sudanesischen Flüchtlingen um?

EICHENHOFER: Alle Ugander, die ich getroffen habe, nehmen die Flüchtlinge mit ganzem Herzen auf und versuchen ihr Bestes, ihnen zu helfen. Das hat mich begeistert, das muss ich wirklich sagen.

Ist es gefährlich für die Helfer?

EICHENHOFER: Die Hauptgefahr für die Helfer ist der Straßenverkehr, weil die Straße lebt. Da fahren Leute wild mit dem Fahrrad oder Motorrad, und alles fährt trotz der schlechten Straßenbedingungen relativ schnell, weil man immer große Strecken zu überwinden hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass da was passiert, ist nicht gering. Und klar, man kann immer erkranken. Es gibt Malaria, Tsetsefliegen, die Schlafkrankheit - da muss man schon aufpassen.

Was treibt sie an, dieses Risiko einzugehen?

EICHENHOFER: Das ist sicher zweigeteilt. Auf der einen Seite drängt es mich, als Weißer in Afrika was Gutes zu tun, einen gewissen Ausgleich zu den Vergehen der Kolonialzeit zu schaffen. Und der andere Punkt: Ich fürchte mich nicht vor dem Risiko, wenn es der Preis dafür ist, anderen zu helfen. Andere riskieren mehr für weniger Sinnvolles.

Wie ist das für Ihre Familie, Ihre Frau?

EICHENHOFER: Wir konnten nur am Wochenende E-Mails schreiben, wenn ich in der Stadt war. Unter der Woche im Busch ging nichts. Das ist natürlich schwierig, weil man fünf Tage lang nicht weiß, ob was passiert ist.

Wieso würden Sie jemandem empfehlen oder abraten, auf so eine Mission zu gehen?

EICHENHOFER: Man nimmt natürlich schon Entbehrungen auf sich. Es gibt Leute, die empfinden das als Verlust. Ich selbst fühle mich sehr wohl dabei, wenn das Leben einfacher wird. Ich empfinde das nicht als Einschränkung, sondern als Gewinn. Aber es ist ja auch nicht so, dass das jeder machen muss. Man braucht jeden, also Leute, die vor Ort gehen, und Leute, die das finanziell unterstützen. Gemeinsam kann man da schon was bewirken.

Organisation Humedica leistet internationale Katastrophen- und Versorgungshilfe