Transplantation Vier Entnahmen in zehn Jahren

Im Schockraum: Ein Beatmungsschlauch wird angebracht.
Im Schockraum: Ein Beatmungsschlauch wird angebracht. © Foto: Oliver Schulz
Ehingen / Petra Laible 10.01.2019

In den vergangenen zehn Jahren hat das Ehinger Klinikum bei 14 in Frage kommenden Patienten Kontakt mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) aufgenommen. Bei vier der verstorbenen Patienten kam es tatsächlich zu einer Organentnahme, bilanziert Sprecherin Daniela Rieker. Bundesweit habe es 2017 in 1942 Krankenhäusern 797 Entnahmen gegeben. Ein Tiefstand. 2018 kam es im ersten Halbjahr zu 484 Entnahmen, das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Grund dafür könnten die aktuellen Diskussionen über das Thema Organspende sein. Es habe, ausgelöst durch Betrügereien bei Organverteilungen, einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung gegeben, sagt Manfred Popp, Transplantationsbeauftragter in Ehingen. Manche hätten Angst, dass man als Organspender nicht so intensiv behandelt werde. Er beteuert: „Wir wollen alle Patienten retten.“ Auch andere Bedenken könne er verstehen. Aber: „Was ist der Mensch ohne Schaltzentrale? – eine leere Hülle“. Dessen Seele sei woanders.

Voraussetzung für eine Organspende ist die Einwilligung des Patienten durch einen Spenderausweis oder die Zustimmung der Angehörigen. Diese Regelung findet Popp gut. Sie komme zum Tragen, wenn der Hirntod unumkehrbar sei, der Mensch nicht weiterleben könne, sobald alle Maschinen abgestellt sind. Dies müssten zwei Ärzte unabhängig voneinander nach vorgegebenen Kriterien feststellen. Daran beteiligt sei kein Arzt, der später mit der Transplantation zu tun hat.

Popp nimmt grundsätzlich früh Kontakt mit der DSO auf. Er muss die Stiftung über jeden hirntoten Patienten informieren. „Das heißt aber nicht, dass es zu einer Spende kommt.“ Krankenhäuser mit Intensivstation sind seit 2006 dazu verpflichtet, Transplantationsbeauftragte zu ernennen – als Bindeglied zwischen Klinik und DSO. Ein Problem: Oft sind die Mediziner noch anderweitig eingebunden.

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