Soziales Verzweifelt Lösungen gesucht

Auch am Kindergarten Bleichberg in Laichingen soll etwas geschehen.
Auch am Kindergarten Bleichberg in Laichingen soll etwas geschehen. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Von Sabine Graser-Kühnle 25.07.2018

Die Laichinger Stadtverwaltung hatte vom Gemeinderat eine klare Marschrichtung erwartet, um auf die prekäre Situation in Kindergärten und -krippen reagieren zu können. Doch die Räte suchten verzweifelt nach Lösungen, die überhaupt machbar sind, die nicht nur Eltern befriedigen, sondern vor allem für die Stadt, die knapp bei Kasse ist. Zu einem Beschluss ist es auch nach rund zweistündiger Diskussion nicht gekommen. Die zahlreichen Mütter im Zuschauerraum, die sich schon über drei Stunden lang hatten gedulden mussten, bis „ihr“ Tagesordnungspunkt behandelt wurde, verließen enttäuscht den Sitzungssaal.

Im Machtolsheimer Kindergarten „Pusteblume“ drängeln sich derzeit 67 Kinder im Erdgeschoss, „mit dem Bobbycar fahren oder sonst großartige Bewegung ist dort gar nicht mehr möglich“, wie Heike Lamparter, eine Machtolsheimer Mutter, in der Bürgerfragestunde kritisierte. Die Machtolsheimer Eltern wünschten sich eine Betreuung vor Ort, sagte Heike Lamparter. Das deckt sich mit dem Beschluss der Machtolsheimer Ortschaftsräte, wie Ortsvorsteher Jochen  Sinn berichtete. Nach der Bedarfsermittlung fehlt in Machtolsheim bereits für das Kindergartenjahr 2019/2020 eine komplette Gruppe in der Ü3-Betreuung fehlen wird.  Das jedoch gelingt nur mit einem Anbau, erst recht, wenn es dort bei altersgemischten Gruppen mit Kindern unter drei Jahren bleiben soll.

Auch in Laichingen wird es eng, bis 2022 müssen in der Kernstadt wenigstens zwei weitere Gruppen vorgehalten werden. Die Krippen sind ebenfalls ab dem kommenden Kindergartenjahr voll belegt. Sachbearbeiterin Svenja Troll hat in mühevoller Kleinarbeit nicht nur die Belegungssituation in den verschiedenen Einrichtungen aufgearbeitet, sondern Faktoren wie unterschiedliche Betreuungsmodelle und differenzierte Hochrechnungen einfließen lassen. Dennoch kritisierte Werner Scheck (BWV) die Beratungsvorlage als „absolut unverständlich aufbereitet“. Davon war er nicht allein überfordert. Die Komplexität liegt vor allem in den kaum einschätzbaren Anmeldezahlen für die kommenden Jahre sowie im Modelldschungel, beispielsweise gibt es das Drei-Tage-Krippen-Modell. Als für die Stadt teure „Wunschliste“ bezeichnete das Bernhard Schweizer (LAB), weil in all diesen Modellen Personal vorgehalten wird, während die Gruppen an einzelnen Tagen nicht voll belegt sind.

Dass Handlungsbedarf besteht, ist bei allen Fraktionen unbestritten, ebenso erkennen die Räte den Wunsch nach Vor-Ort-Betreuung der Machtolsheimer an. Aber wie nahezu immer, geht es wieder einmal ums Geld. Die Stadt hat sich gegenüber der katholischen Kirchengemeinde verpflichtet, den Kindergarten „Regenbogen“ durch einen Neubau für drei Gruppen zu ersetzen, Kosten für die Stadt: 3,6 Millionen. Um die Betreuung in der Kernstadt zu gewährleisten, steht mindestens ein Anbau, möglich in der Kita Bleichberg, mit Kosten von geschätzt einer Million Euro an. Da bleibt  nichts mehr übrig für einen Wunschanbau in Machtolsheim, der mit 900 000 Euro zu Buche schlagen werde.

Bürgermeister Klaus Kaufmann warnte die Räte mehrfach und eindringlich: „Ich würde gerne die perfekte Betreuung anbieten, aber ich weiß einfach nicht, woher ich das Geld nehmen soll, das ist die traurige Wahrheit. Und weil es sicher ist, dass wir nicht zahlen können, wäre ein Anbau idiotisch und unseriös gegenüber der Bevölkerung.“ Willi Schwenkschuster (CDU) bekräftigte, dass ein Bau in Machtolsheim den Bürgern nicht vermittelt werden könne, wenn anderswo Plätze frei sind. Schweizer regte an, mit den Katholiken neu zu verhandeln und die Kosten für den Neubau „Regenbogen“ auf drei Millionen zu deckeln. Die Bedürfnisse in Machtolsheim sehe er, „ich bin aber nicht bereit zu akzeptieren, dass die Eltern ihre Kinder nicht fahren wollen, etwa nach Suppingen“. Kurt Pöhler (LAB) brachte anstelle eines Anbaus kostengünstigere Container ins Spiel. Nach rund zwei Stunden sich im Kreis drehender Diskussion gab Bürgermeister Kaufmann entnervt auf: „Ich sehe, wir kommen heute zu keinem Beschluss, lassen wir das Thema für heute.“

 Finanzplanung kritisiert

Zuvor hatte Kaufmann  auf den Haushaltserlass der Kommunalaufsicht verwiesen, die bereits jetzt die Kreditpläne in der Finanzplanung der Stadt kritisiert und anweist, die Schulden einzudämmen. Bis 2021 sind Kredite von insgesamt 13,3 Millionen Euro im Kernhaushalt vorgesehen und ein weiteres Darlehen beim Eigenbetrieb Abwasser von 13,12 Millionen Euro. Das wirke sich auch auf die Pläne für das Schulzentrum aus, sagte Kaufmann: „Entgegen unserer Planungen in öffentlicher Sitzung müssen wir auch da stark zurückfahren.“ Er ließ offen, ob die Erich-Kästner-Schule generalsaniert oder neu gebaut wird.

Baukosten und jährliche Betriebskosten aufgelistet

Vorschläge Die Verwaltung legte vier Lösungsvarianten vor. Alle beinhalten den  Ersatzneubau des Kindergartens „Regenbogen“ mit 3,6 Millionen Euro.

Variante 1 Mit sieben Mio. Euro Baukosten und 1 Mio. Euro jährlichen Betriebskosten ist die Variante 1 die teuerste, die aber sämtlichen Bedarf vor Ort deckt. Baukosten: Anbau Machtolsheim (900 000 Euro) und zwei Neubauten Ü3 in Laichingen (2,5 Mio. Euro).

Variante 2 Mit 3,6 Mio. Euro Bau- und 485 000 Euro Betriebskosten ist die Variante 2 die günstigste Lösung, sie beinhaltet nur den Ersatzneubau „Regenbogen“ und Umstrukturierungen: Kinderpflege im Feldstetter Delaukindergarten, Kindertagespflege in einer Laichinger Wohnung, externe Ü3-Betreuung in Suppingen.

Variante 3 6,15 Mio. Euro Baukosten und 850 000 Euro jährliche Betriebskosten sind bei der Variante 3 genannt. Vorgesehen sind dabei zwei Neubauten in Laichingen für Ü3-Betreuung (2,5 Mio. Euro) und der Ausbau zur U3-Betreuung in Suppingen (50 000 Euro). Konsequenz: Für die Ü3-Betreuung in Machtolsheim wird es knapp, dort gibt es dann kein Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren.

Variante 4 Die Verwaltung empfiehlt die Variante 4 mit 4,7 Mio Euro Baukosten und 850 000 Euro Betriebskosten: externe Betreuung U3-Kinder in Suppingen mit Ausbau dort (50 000 Euro), U3-Ausbau im Feldstetter Delaukindergarten (50 000 Euro), Anbau im Bleichbergkindergarten für Ü3-Betreuung (1 Mio. Euro). Konsequenzen: U3- und womöglich auch Ü3-Kinderbetreuung in Machtolsheim nicht gewährleistet.

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