Laichingen Verwirrung um Kamelbaby: Peta erstattet Anzeige gegen Zirkus

Laichingen / PETER SCHUMANN 02.10.2013
Im Zirkus Kaiser, der in Laichingen gastierte, soll ein Kamelbaby zur Welt gekommen sein. Deshalb hat die Tierschutzorganisation Peta Anzeige erstattet.

Der Zirkus Andre Kaiser hat seine Zelte in Laichingen am Montag zwar abgebrochen, doch sein Aufenthalt hat hinter den Kulissen für Aufregung gesorgt. Weil laut eines Zeitungsberichts im Zeitraum vom 26. bis 29. September, in dem der Zirkus in Laichingen gastierte, ein "kleines schneeweißes Babykamel auf die Welt gekommen" sein soll, hat die Tierschutzorganisation Peta gestern beim Landratsamt per Mail Anzeige erstattet. Dies bestätigt der dortige Pressesprecher Bernd Weltin auf Anfrage. Allerdings sieht Weltin ein Problem: "Der Zirkus ist schon weitergereist, ist deshalb nicht mehr in unserem Zuständigkeitsbereich." Im Internet habe man deshalb versucht, den weiteren Weg des Zirkusses nachzuverfolgen. "Wir haben die Kollegen im Landratsamt Göppingen informiert, weil der Zirkus seine nächste Station im dortigen Heiningen macht", so Weltin.

Soweit, sogut. Doch Andre Kaiser weiß von einem neugeborenen Kamelbaby gar nichts. "Wir haben ein Jungtier dabei, das ist knapp ein Jahr alt", erklärt der Zirkusbesitzer. "Ein Neugeborenes ist nicht dabei." Dies allein deshalb nicht, weil Muttertiere zwei Wochen vor der Geburt und auch Tage danach nicht auf Reisen mitgenommen werden dürften. Genau dies war aber der Grund für Peta, die Anzeige zu erstatten. Peta stützt sich dabei auf die Tierschutzrichtlinien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Demnach dürfen hochschwangere oder säugende Tiere keinen Reisestrapazen ausgesetzt werden. "Peta hat das Veterinäramt dazu aufgefordert, ein Bußgeldverfahren gegen den Zirkus einzuleiten und, den Richtlinien des BMELV folgend, für die Kamelmutter sowie das Fohlen umgehend ein Reiseverbot zu verhängen," erklärt der Diplom-Zoologe Peter Höffken von Peta.

Dass beim Zirkus Andre Kaiser möglicherweise gar kein Kamelbaby mitgeführt wird, kann er nicht beurteilen: "Ich halte mich da an die Aussagen in der Presse, habe auch bei der Anzeige auf den Artikel Bezug genommen. Ob dieser der Wahrheit entspricht, muss jetzt die Behörde prüfen." Höffken ist allerdings skeptisch, was die Aussage des Zirkusbesitzers angeht. Denn in Deutschland wären mehrere Zirkusse namens Kaiser registriert, die sehr wohl schon wegen Verstößen gegen die Tierhaltung aufgefallen seien. So sei bei einem Zirkus Arthur Kaiser im April 2012 in Mengen ein schneeweißes Kamelbaby zur Welt gekommen, worauf seine Organisation ebenfalls Anzeige beim zuständigen Landratsamt in Sigmaringen erstattet habe. Die vielen Zirkusse mit dem Namen Kaiser sorgten für Verwirrung, "vielleicht steckt da System dahinter."

Andre Kaiser distanziert sich auf seiner Homepage genau von diesen Zirkussen mit seinem Nachnamen: "Wir distanzieren uns von Circussen unter dem Namen Kaiser, welche in der Öffentlichkeit und Presse negativ aufgefallen sind. Damit haben wir nichts zu tun!" Im Übrigen kann er sich einen Seitenhieb gegen den Experten Höffken nicht verkneifen: "Er sollte eigentlich wissen, dass Kamelbabys nur im Zeitraum von Ende Januar bis spätestens April auf die Welt kommen." Aus diesem Grund könne es in Laichingen gar kein Neugeborenes gegeben haben, so der Zirkusbesitzer.