"Satt und sauber reicht einfach nicht", sagt Maria Hensler, Mutter von sieben Kindern. Sie hat in Gaienhofen (Kreis Konstanz) am Bodensee die "Hilfe von Haus zu Haus" gegründet und war jetzt Gastrednerin bei eines Informationsabends in Bernstadt. "Unser Ansinnen ist es, da zu sein für ältere, kranke Menschen", sagte sie vor etwa 140 Besuchern, die ihr im Bärensaal zuhörten. Vor Beginn der Veranstaltung hatten noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden müssen, denn mit einer so großen Resonanz hatte der Veranstalter, der Bernstadter "Arbeitskreis Tatkraft", nicht gerechnet.

Die organisierte Nachbarschaftshilfe sei ein gesellschaftlich wichtiges Thema, sagte Bürgermeister Oliver Sühring. "Angesichts des demographischen Wandels müssen die Kommunen ihren Beitrag leisten und dafür sorgen, dass in den Gemeinden ein soziales Netzwerk entsteht." Organisierte Nachbarschaftshilfe sei ein Beitrag, die Gemeinde zukunftsfähig zu machen, sagte der Bürgermeister. Junge wie alte Menschen sollten gerne in Bernstadt wohnen bleiben.

Dort gibt es bereits den "Arbeitskreis Tatkraft", der die Gründung des Vereins "Tatkraft Bernstadt" vorbereitet. "Wir haben noch einige bürokratische Hürden zu überwinden", sagte Denis Megnin, Sprecher der Arbeitsgruppe. Er sehe, dass die Menschen in Bernstadt noch zusammenhalten. Aber das reiche auf Dauer nicht aus. Deshalb brauche es den Verein.

Das bestätigte auch Maria Hensler. "Die normale Nachbarschaftshilfe stößt irgendwann an ihre Grenzen", weiß sie. Viele Leute seien bereit, für gewisse Dienste einzuspringen, etwa wenn der Nachbar Hilfe in einer Notsituation braucht. Oft sei es aber so, dass sich Leute nicht getrauen, um Hilfe zu fragen. Mit einem Verein, wie er mit "Tatkraft Bernstadt" geplant sei, werde Hilfe in Notlagen angeboten, die für relativ wenig Geld zu bekommen ist. Wie Megnin kürzlich im Gemeinderat berichtet hatte, kann es beispielsweise um Unterstützung im Haushalt gehen, es können ein Einkaufsservice, Fahr- und Begleitdienste, Besuche, Hilfen bei der Gartenarbeit, der Grabpflege oder beim Winterdienst angeboten werden. Der Arbeitskreis beschloss, dass die Dienste der Nachbarschaftshilfe nicht kostenlos sein werden.

Was genau gemacht wird, steht noch nicht fest. "Wir müssen abwarten, wo der Bedarf in unserer Gemeinde ist", sagte Sühring. Eines ist aber schon klar. Der Verein will keine Konkurrenz sein zu anderen Einrichtungen und Dienstleistern. Wenn jemand anrufe und eine Putzfrau für dreimal die Woche suche, werde er an die entsprechenden Stellen weiter verwiesen, sagte der Bürgermeister. Die Nachbarschaftshilfe solle eine Nische ausfüllen, bestätigte Maria Hensler.

In sechs bis neun Monaten soll in Bernstadt durchgestartet werden. "Tatkraft Bernstadt" soll sich aus Zuschüssen, den Einkünften aus den Dienstleistungen und den Mitgliedsbeiträgen finanzieren. Wie in Gaienhofen, sollen Arbeitsplätze auf 400- Euro-Basis geschaffen werden. "Wir brauchen Leute, die hinter dieser Arbeit stehen", sagte Sühring. Im Herbst wird ein Kurs zur hauswirtschaftlichen Altenhilfe angeboten, bei dem sich Interessierte fortbilden können. "Der Verein lebt von der Mitarbeit der Bürger und dem gegenseitigen Vertrauen", betonte Denis Megnin: "Das ist das Wichtigste."