Urgeschichte Venus vom Hohlen Fels hat Geburtstag

Tag der offenen Höhlen, hier Grabungsleiterin Marina Malina erklärt den Besuchern die Funde im Hohle Fels
Tag der offenen Höhlen, hier Grabungsleiterin Marina Malina erklärt den Besuchern die Funde im Hohle Fels © Foto: Lothar Sobkowiak
Schelklingen / Lothar Sobkowiak 10.09.2018
Am Tag der offenen Höhle haben viele Besucher viel Wissenswertes im Hohlen Fels erfahren.

Auf den Tag genau zehn Jahre zuvor, am 9. September 2008, war die Venus, eine sechs Zentimeter große Figurine, im Hohlen Fels gefunden worden. Dies war Thema am Sonntag beim Tag der offenen Höhle.

Geologin und Grabungsleiterin Maria Malina erklärte bei ihrer Führung durch die Höhle die Details der ältesten Darstellung eines Menschen, aus Mammutelfenbein geschnitzt. 40 000 Jahre lag sie im Grabungsbereich des Aurignacien, durch Erdverschiebungen in mehrere Teile zerbrochen, und von Alexia Mireiki, einer Studentin aus der Schweiz, entdeckt und erst auf den zweiten Blick als das Abbild einer Frau mit üppigen Formen erkannt.

Früher war’s kälter

Auch Otto Schwabe vom Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren leitete Führungen. Homo sapiens und Neandertaler haben sich nach heutiger Erkenntnis als Jäger und Sammler in den Wintermonaten in die Höhle zurückgezogen, die damals in der Temperatur bei einem Grad plus bis drei Grad minus lag – heute herrscht eine konstante Temperatur von neun Grad.

Die weiße Farbe an den Wänden sei „Mondmilch“ und nichts anderes als Tropfstein-Sinterkalk mit blumenkohlartiger, weicher Struktur, sagte Schwaba auf die Frage eines Besuchers. Tropfsteine soll es gerade mal im Winter als Eisskulpturen geben, da die Stalagmiten oder Stalaktiten schon in früheren Jahren für Schlösser oder herrschaftliche Gebäude als Schmuck geraubt wurden. Ebenso wie der Guano, die Hinterlassenschaft von Fledermäusen, als Düngemittel aus der Höhle geraubt wurde.

Keine Malereien, aber Kunst

Höhlenmalereien gibt es im Hohlen Fels nicht – was nicht heißen soll, dass die Menschen damals keine Kunst kannten. Zahlreiche Funde, die Malina auf Plakaten zeigte wie der Wasservogel, der Pferdekopf, der kleine Löwenmensch, ein Phallusgebilde aus Silitstein, die Flöte aus einem Gänsegeierknochen oder ein „Venus 2“-Fragment zeugen von intelligentem Verständnis in religiöser oder mystischer Hinsicht.

Bevor die Höhle im Jahr 1870 erstmals vom Leiter des damaligen Stuttgarter Naturalienkabinetts, Oskar Fraas, ausgegraben wurde, waren Töpfer, bekannt als Häfner, aus Schelklingen zugange gewesen, um nach Lehm zu graben. Dabei wurden zahlreiche Höhlenbärenknochen gefunden, die tatsächlich mit einem Eisenbahnwagon gefüllt nach Stuttgart gefahren wurden. Erst 1960 hatte die Hobbyarchäologin Gertraud Matschak in der Höhle weitergegraben, bis Prof. Joachim Hahn und seit 1997 Prof. Nicolas Conard die Grabungen leiteten und bis heute leiten.

Die zahlreichen Besucher konnten sich auch mit dem Geologie-Experten Winfried Hanold und Museumsleiter Reiner Blumentritt ins Gespräch kommen. Neueste Funde wie Steinklingen, Werkzeuge oder Elfenbeinperlen konnten ebenfalls besichtigt werden; allerdings nur aus dem Jahr 2017, da die neuesten Funde erst vom archäologischen Institut für Ur- und Frühgeschichte in Tübingen freigegeben werden müssen.

Die „Waldhutzla“, der Schelklinger Brauchtumsverein, hatten auf der Wiese unterhalb der Höhle eine Bewirtung organisiert.

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