Es gibt kein milderes Urteil. Der 28-jährige Autofahrer, der am 8. Oktober 2017 mit seinem Mercedes AMG zwischen Amstetten und Schalk­stetten einen Unfall mit zwei Toten und einem Schwerverletzten verursacht hat, muss drei Jahre ins Gefängnis. Das ist das Ergebnis der Berufungsverhandlung am Landgericht Ulm.

Wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs hatte das Amtsgericht Ulm den Autofahrer bereits im Juni 2018 zu drei Jahren Haft verurteilt – und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Führerschein wurde dem Ulmer zudem für insgesamt fünf Jahre entzogen, zum Zeitpunkt der Verhandlung waren das noch vier Jahre und vier Monate. Gleich nach der Urteilsverkündung hatte sein Verteidiger angekündigt, in Berufung zu gehen, um eine niedrigere Strafe zu erreichen: Er hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

Mit Tempo 200 von der Straße

Der 28-Jährige hatte sich an dem Oktobersonntag in Schwäbisch Gmünd mit mehreren AMG-Fans getroffen. Mit drei Wagen, alle hochmotorisiert, sollte es nach Neu-Ulm gehen. Er hatte die Fahrt geplant und die Strecke ausgesucht. Mit seinem 510 PS starken Mercedes AMG fuhr der Ulmer voran, zwischen Schalkstetten und Amstetten raste er mit rund 200 Stundenkilometern auf der Kreisstraße – diese gilt wegen mehrerer Kuppen als gefährlich und unübersichtlich, das Tempo ist auf 80 Stundenkilometer beschränkt, es herrscht Überholverbot.

Der  Fahrer verlor auf einer Kuppe die Kontrolle über den Sportwagen, dieser kam von der Straße ab, prallte gegen einen Baumstumpf, wurde in die Luft geschleudert und flog in rund 3,50 Metern Höhe rund 50 Meter weit in den Wald.

Auto: Durchschnittlich 153,4 PS Studie: Deutsche Neuwagen mit immer mehr Power

Frankfurt/Main

Tödlicher Unfall

Dabei kamen die 24-jährige Freundin des Ulmers und ein 15-Jähriger aus Biberach ums Leben. Ein 16-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis, der auch in dem Mercedes saß, erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen. Der Fahrer selbst wurde leicht verletzt.

Todesfahrt auf Video

Zu sehen ist die unheilvolle Fahrt auf zwei Videos, die aus seinem Wagen sowie dem nachfolgenden Auto aufgenommen wurden, und bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht gezeigt wurden. Kurz bevor er in den Wald fährt, hört man ihn darin sagen: „Da vorne kommt das geile Stück, da kann man nämlich abheben. Also nicht vom Boden, aber gefühlt.“

Drei Jahre Haft

Die Berufung wurde nun vor der Kleinen Strafkammer am Landgericht Ulm unter Vorsitz von Richter Dr. Tobias Mästle verhandelt.  Das Landgericht habe die schwerwiegenden Verstöße des Fahrers nicht anders bewertet und das Urteil des Amtsgerichts „vollumfänglich bestätigt“, sagte Sprecher Alexander Spengler. Es bleibt somit bei einer dreijährigen Haftstrafe wegen fahrlässiger Tötung und dem Entzug des Führerscheins für vier Jahre und vier Monate.

Unfallverursacher geht erneut in Revision

Dabei wollen es der Angeklagte und sein Verteidiger nicht belassen. Der Anwalt habe erneut Revision eingelegt. Diese muss er nun begründen. Entscheiden wird darüber  die nächsthöhere Instanz, das Oberlandesgericht in Stuttgart, erklärte Spengler. Dort werden Protokoll und Urteil auf Rechtsfehler hin geprüft. Solange ist das Urteil des Ulmer Landgerichts nicht rechtskräftig.

Das könnte dich auch interessieren:

Höchststrafe beträgt fünf Jahre


Strafe Von verschärfter Rechtsprechung bei Rasern wird derzeit häufig berichtet. Dies beziehe sich aber auf illegale Autorennen und habe mit dem vorliegenden Fall nichts zu tun, sagt Alexander Spengler, Sprecher des Landgerichts Ulm. Bei diesem handle es sich nach Auffassung des Gerichts um fahrlässige Tötung – das Strafmaß hierfür bewege sich je nach der Schwere der Verstöße zwischen einer Geldstrafe und der Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis.

Haft Bis ein Verurteilter tatsächlich die Haft antreten muss, vergehen in der Regel mehrere Monate. Nach der schriftlichen Urteilsbegründung geht die Akte ihren Behördenweg bis zur Staatsanwaltschaft, die eine Vollstreckung in die Wege leite und den Verurteilten zum Haftantritt lade, erklärt Alexander Spengler, Sprecher des Landgerichts Ulm. Dabei werde normalerweise eine mehrmonatige Frist gewährt, damit der Verurteilte zuvor noch seine Angelegenheiten regeln kann, etwa was seine Wohnung angeht.