Winterdienst Unterwegs mit dem Winterdienst der Straßenmeisterei Merklingen

Merklingen / JOACHIM STRIEBEL 03.01.2015
Es freut mich, wenn's schneit", sagt Markus Baier. Obwohl er dann mitten in der Nacht um 2 Uhr aufstehen und um 3 Uhr mit der Arbeit beginnen muss.

Es freut mich, wenn's schneit", sagt Markus Baier. Obwohl er dann mitten in der Nacht um 2 Uhr aufstehen und um 3 Uhr mit der Arbeit beginnen muss. Der 36-Jährige fährt mit Leidenschaft eines der großen Winterdienst-Fahrzeuge der Straßenmeisterei Merklingen, räumt auf der Alb die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zwischen Blaubeuren, Hohenstadt und Donnstetten. "Hier ist die Welt ein bisschen anders", sagt Baier, als er um 4.30 Uhr einen der höchsten Punkte der Tour bei Westerheim erreicht. Weiße Tannen reflektieren das blitzende Gelblicht, am Straßenrand türmt sich der Schnee. In den vergangenen Tagen hat es dort oben kräftig geschneit. In dieser Nacht gingen nur wenige Flocken nieder. Dennoch müssen Baier und die Fahrer der drei anderen Räumfahrzeuge früh unterwegs sein. Denn es ist glatt und stellenweise hat der Wind Schnee auf die Straße geweht, das mit dem Räumschild weggeschoben wird. Wie auf Schienen bleibt Baiers allradgetriebener 320-PS-Mercedes in der Spur. Das Räumschild schrammt knapp an den Leitpfosten vorbei. "Das hat man im Gefühl", sagt Baier, der auch aus eigenem Interesse bemüht ist, möglichst wenige Pfosten umzufahren. Denn er muss sie später wieder aufstellen - als Straßenwärter ist er nicht nur für den Winterdienst zuständig.

Der Laichinger hat vor 20 Jahren den Beruf des Straßenwärters erlernt und blieb bei der zum Landratsamt Alb-Donau-Kreis gehörenden Straßenmeisterei Merklingen. "Die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich", sagt Baier, dem der Umgang mit den verschiedenen Maschinen liegt, zum Beispiel bei der Instandsetzung von Straßen oder der Pflege der Grünstreifen. "Und Winterdienst, das hat schon was", sagt der Fahrer, der jetzt die Fahrbahnen rund um die Verkehrsinseln an der Einmündung der Kreisstraße in die B 28 bei Feldstetten räumt. Mit einem Blick auf die Rückfahrkamera stößt er seinen Zweiachser immer wieder zurück. Dass es nach wie vor finster ist, stört ihn nicht. Wegen der Scheinwerfer sei nachts ein sich näherndes Auto früher zu erkennen als am Tag. "Manche fahren ganz dicht auf", berichtet Markus Baier.

Der überwiegenden Zahl der Autofahrer bescheinigt der Winterdienstmann eine angepasste Fahrweise, gerade die Bewohner der Blaubeurer und Laichinger Alb wüssten, wie man sich verhält. Er berichtet aber vom "Chaostag" am Samstag nach Weihnachten, als auf der Autobahn 8 nichts mehr ging und der überörtliche Verkehr über die Nebenstraßen rollte - mache Fahrzeuge ohne gute Winterausrüstung.

Mitten in der Nacht sind ihm auf verschneiten Straßen auch schon Fußgänger begegnet. "Heimkehrer von einem Fest", berichtet Baier. Sieht er im unberührten Schnee Fußspuren, schrillen bei ihm alle Alarmglocken. Sogar Radfahrer seien manchmal unterwegs. "Aber die haben wenigstens ein Licht." Schlimme Unfälle hatte der 36-Jährige nie. Einmal jedoch geriet ein entgegenkommender Lastzug auf seine Spur, Baier musste in den Straßengraben ausweichen. Er erlitt Prellungen. Forstarbeiter zogen den Lastwagen mit einer Seilwinde wieder heraus.

Markus Baier hat schon mehrfach selbst Lastzüge an den Steilstrecken der Blaubeurer Steige an den Haken genommen, auch wenn das nicht zu seinen Aufgaben zählt. "Ein Stahlseil hat man immer dabei." Denn wenn ein Lastwagen alles blockiere, komme auch der Schneepflug nicht mehr durch.

An diesem Wintermorgen bleiben Extremsituationen aus. Baier schiebt etwas Matsch vom Vortag von der Fahrbahn, hinten läuft der Streuteller und verteilt Salz. Rund 5,6 Tonnen hat der Lkw geladen, was bis gegen 6.30 Uhr reicht, wenn die erste Tour zu Ende ist. Zusätzlich verfügt Baiers Fahrzeug über zwei Tanks mit jeweils 1100 Litern Sole, eine Calciumchlorid-Lösung, die auch bei sehr tiefen Temperaturen wirkt und besser auf der Straße klebt.

Markus Baier muss je nach Straßenzustand vom Führerhaus die Dosierung des Salzstreuers verändern und je nach Straßenbreite die Schrägstellung des Räumschilds verändern. Winterdienst ist mehr als Geradeausfahren, erfordert hohe Konzentration. "Am Ende des Arbeitstags bist du fertig, obwohl du körperlich nichts gearbeitet hast", erzählt Baier, der nur gelegentlich die warme Fahrerkabine verlässt, etwa um den Streuer zu kontrollieren oder mit der Hand Matsch von der Motorhaube zu wischen.

Normalerweise endet seine Schicht um 12 Uhr mittags, dann übernimmt einer der insgesamt 19 Kollegen der Straßenmeisterei Merklingen den Lkw. Und was macht der Winterdienst-Fahrer nach Feierabend? Oft fährt er mit seinen beiden Buben, sieben und zehn Jahre alt, zum Skilift Donnstetten - den Weg dorthin hat er morgens geräumt. Die Söhne fahren Schlitten, der Vater meistens Snowboard. Auch deswegen freut er sich immer, wenn's schneit.

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