In Lonsee entsteht bis Mai 2016 eine Gemeinschaftsunterkunft, die 58 Asylbewerbern Wohnraum bietet. Bürgermeister Jochen Ogger hat das während des Info-Abends am Dienstag vor 170 Besuchern bekanntgegeben. Der Gemeinderat hatte den Verkauf des Grundstücks im nicht öffentlichen Teil der Sitzung am 14. September beschlossen. Ein privater Investor baut nördlich der Feuerwehr und vermietet das Gebäude an den Landkreis, der dann Bewohner zuweist. Ogger sieht darin angesichts der Lage im Land eine „moralische Verpflichtung“. Man wolle dem Kreis ein „offensives Angebot“ unterbreiten. Der Gemeinderat entschiedet am Montag über den Bauantrag.

Erwin Bolach, Leiter des Fachdienstes Aussiedler, Flüchtlinge, Staatliche Leistungen im Landratsamt, schätzt, dass im Landkreis etwa 4000 Menschen gemäß Schlüsselzuweisung unterkommen müssen. „Wir leben derzeit von der Hand in den Mund“, sagte Bolach am Dienstag. Man wisse oft nicht, wo man die Leute unterbringen soll. Der Kreis ist deshalb auf Unterstützung angewiesen.

Lonsee rechnet zusätzlich zur Gemeinschaftsunterkunft mit 50 Menschen, die der Gemeinde – bemessen an der Einwohnerzahl – zur Anschlussunterbringung zugewiesen werden. Für die Unterbringung ist dann nicht mehr der Landkreis, sondern die Kommune zuständig. Deshalb sucht die Verwaltung seit langem Wohnungen. Vier seien von Privatleuten angeboten worden, sagte Arwed Greiner vom Bau- und Ordnungsamt der Gemeinde. „Die werden wir auch mieten.“ Bedarf bestehe aber für zwölf Wohnungen, um die 50 Menschen unterzubringen. Er ermunterte die Lonseer, die vielen leer stehenden Wohnungen anzubieten. „Der Mietvertrag läuft über die Gemeinde“, sagte Greiner.

Eine Bürgerin wollte wissen, ob Sinabronn mit seinen 120 Einwohner und sechs Asylbewerbern weitere aufnehmen müsse. Schließlich, so die Frau, müsse das „Mischverhältnis“ passen. Bürgermeister Ogger ließ das offen, zumal das alte Schulhaus in Sinabronn leersteht.

Um die Neuankömmlinge zu empfangen, zu betreuen und zu integrieren, will die Gemeinde einen Helferkreis aufbauen. Vorbild ist Dornstadt. Der dortige Hauptamtsleiter Jörg Hunke sprach am Dienstag über die dortigen Erfahrungen. In Dornstadt sei mit dem Helferkreis eine „tolle Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde“ entstanden. Zugleich sei nicht „alles immer nur Sozialromantik“, es gebe auch die einige Enttäuschungen unter den 50 Helfern. Außer Patenschaften, die eine enge Beziehung erfordern, brauche es Hilfsangebote wie Freizeitbeschäftigung, Fahrdienst oder Hilfe mit den Behörden.

Die Hilfe in Lonsee soll ähnlich ablaufen. Koordiniert wird sie hier über den Lenkungskreis aus Verwaltung, der beiden christlichen Kirchengemeinden und der türkischen Glaubensgemeinschaft. Christine Denzel vom Fachbereich Kindergärten, Schulen und Personal vertritt dabei die Verwaltung und wird mit den Helfern in Kontakt stehen. Laut Denzel haben sich am Dienstag 29 Helfer in Listen eingetragen.

Peter Prinzing, für die CDU im Gemeinderat, wollte wissen, wie es um das Arbeitsrecht für die Asylbewerber steht. Laut Bolach muss das Bundesamt für Migration zustimmen, sollte eine Stelle offen sein. Bis der Antrag zurückkomme, sei die Stelle aber meist anderweitig besetzt. Da müsse der Gesetzgeber nachbessern. „Da muss man halt bescheißen“, rief ein Zuhörer.