Nachruf Unternehmer der alten Schule

Dietenheim / Beate Reuter-Manz 23.06.2018

Bestürzung und Trauer in der Stadt: Carl-Heinz Otto, Geschäftsführer der gleichnamigen Garnfabrik, ist tot. Er starb am 19. Juni im Alter von 71 Jahren an einem Herzleiden. Otto war ein Unternehmer der alten Schule. Seinem fachmännischen Weitblick ist es geschuldet, dass die alteingesessene Dietenheimer Firma „Gebrüder Otto“ heute zu den führenden Herstellern hochwertiger Garne in ganz Europa zählt. Das Unternehmen wurde mit zahlreichen Preisen und Zertifikaten gewürdigt, unter anderem dem baden-württembergischen Umweltpreis.

 Als Carl-Heinz Otto 1972 als studierter Textilchemiker in das Werk seines Vaters eintrat, schloss sich ein Kreis. Denn die Arbeitsprozesse dort hatten ihn schon als Bub fasziniert. Otto legte dann auch bald ein außergewöhnliches Gespür für den Rohstoff Baumwolle an den Tag. „Kein wusste besser Bescheid über diese Naturfaser“, urteilt sein Neffe Andreas Merkel, mit dem sich der Onkel seit 2003 die Geschäftsführung teilte.

Ottos Erfolgsrezept: Er kombinierte sein Fachwissen um technische Eigenschaften bei der Verarbeitung und die Kenntnis des Markts mit einem guten Händchen und Verhandlungsgeschick beim Baumwoll-Einkauf. Bei allem Tun lagen dem passionierten Segler Umweltschutz und Nachhaltigkeit am Herzen. Schulden machen? Kam für den bodenständigen Schwaben nicht in Frage. Mit sicherer Hand führte er die Garnfabrik auch durch schwierige Zeiten, modernisierte und erweiterte die Werke in Dietenheim und Balzheim mutig, aber mit Augenmaß. „Das Bessere ist des Guten Feind“, pflegte der Perfektionist zu sagen, wenn er eine noch sorgfältigere Bearbeitung einforderte. Das Wohl seiner 160 Mitarbeiter verlor er gleichwohl nie aus den Augen.

Als „sozial, demütig und bescheiden“ charakterisiert Manfred Straub, ein langjähriger Mitarbeiter, den Firmen-Patron. Der Chef sei sich selbst für niedrige Aufgaben nicht zu schade gewesen, erzählt er in Erinnerung daran, wie Otto vor dem Schleudern der Garne nicht zurückschreckte, einer Knochenarbeit. Auch wenn er sich zuletzt aus dem operativen Geschäft zurückzog: Auf den morgendlichen Kontrollgang in Balzheim verzichtete er bis zuletzt nicht, so wie er das über 40 Jahre lang gemacht hatte. Otto hinterlässt seine Ehefrau Marlies.

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