Unterelchingen / STEFAN CZERNIN  Uhr
Unterelchingen bekommt eine zweite große Asylunterkunft. Das bringt zahlreiche Bürger auf die Barrikaden, sie fühlen sich ungerecht behandelt. In einer Versammlung machten sie ihrem Ärger Luft.

Vielen Unterelchingern reicht es. Demnächst wird in dem 2800-Einwohner-Ortsteil eine zweite Asylunterkunft eröffnet, für bis zu 65 Flüchtlinge. Im ehemaligen Gasthof Adler sind schon seit geraumer Zeit bis zu 80 Asylbewerber untergebracht. Rund 120 Bürger waren zu einer Infoveranstaltung der Gemeinde und des Landratsamts in die KSV-Halle gekommen, in der zahlreiche Zuhörer ihren Ärger deutlich artikulierten. Die Stimmung war streckenweise gereizt bis aggressiv.

Verhindern können die Gegner die Asylunterkunft in einem ehemaligen Firmengebäude im Dammweg nicht mehr. Dieses wird in den kommenden Tagen vom Vermieter an das Landratsamt übergeben, hieß es in der Versammlung. Dann wird es noch etwa zwei Wochen dauern, bis die Kreisbehörde das Gebäude eingerichtet hat.

Keinen leichten Stand hatte Bürgermeister Joachim Eisenkolb, der versuchte, die Wogen zu glätten. Etliche Bürger warfen ihm vor, den allergrößten Teil der Asylbewerber gezielt in Unterelchingen einzuquartieren. Um seinen Heimortsteil Thalfingen zu verschonen. Aus Machtkalkül: Dort hatte er in der Bürgermeisterwahl im März 2014 knapp 80 Prozent der Stimmen geholt, in Unterelchingen nur 32. Eisenkolb widersprach. Es liege schlicht nicht im Handlungsspielraum der Gemeinde, wo das Landratsamt Unterkünfte für Flüchtlinge anmiete. Im Gegenteil: Die Investoren würden „zuletzt“ bei der Gemeinde vorstellig, um sich ihre Bauprojekte genehmigen zu lassen. Zudem habe der Gemeinderat das Vorhaben am Dammweg „von Anfang bis Ende“ abgelehnt – allerdings erfolglos. Das Landratsamt gab seine Genehmigung.

Karen Beth vom Landratsamt ergänzte: „Wir nehmen auch Wohnungen in Thalfingen mit Kusshand.“ Allerdings müssten auf dem Wohnungsmarkt auch Objekte verfügbar sein. Derzeit plant ein Bauherr Flüchtlingsunterkünfte in Thalfingen, das Projekt wurde jedoch zurückgestellt. Am Montag ist es erneut Thema im Gemeinderat.

Obwohl der Flüchtlingszustrom in den Landkreis Neu-Ulm zuletzt nachgelassen hat – seit Beginn des Jahres kamen 129 Personen an –, rechnet Beth damit, dass sich die Unterkunft bald füllen wird. „Wir haben noch 330 Asylbewerber in Turnhallen untergebracht“, berichtete Karen Beth. Und diesen sei zugesagt worden, dass sie in bessere Unterkünfte umziehen dürfen, sobald diese verfügbar seien. Außerdem sollen die Hallen wieder genutzt werden können.

Nur: Ist die Unterbringung in der neuen Unterkunft im Dammweg wirklich menschenwürdiger als das Leben in einer Turnhalle? Beth und die Zuständigen im Landratsamt sehen das so, etliche Unterelchinger nicht. In der Unterkunft in dem ehemaligen Bürogebäude wird es Zimmer mit zwei, drei oder vier Betten geben. Im Schnitt hat jeder der Bewohner dort zwischen sechs und sieben Quadratmeter zur Verfügung. Dazu kommt ein zentraler Bereich mit Küche und Sanitärräumen. Der Zuschnitt der Unterkunft erinnere ihn an einen „Schweinestall“, sagte ein Besucher der Veranstaltung unter Applaus. Sie sei viel zu beengt geraten. Die künftigen Bewohner würden in eine „kleine Pupshütte eingepfercht“, sekundierte eine Zuhörerin. Gerade die Nachbarn fürchten eine massive Lärmbelästigung, Sachbeschädigungen – „Was passiert, wenn ein Flüchtling mit dem Fahrrad gegen mein geparktes Auto fährt?“ – sowie eine Wertminderung ihrer Häuser und Grundstücke.

Für Empörung sorgte, dass die Vertreter des Landratsamts – neben Karen Beth war auch Martin Mommers gekommen – keine Details zum Mietvertrag preisgaben. Weder über die Miethöhe noch über die Laufzeit. Diese Informationen seien vertraulich. So blieben die Fakten im Vagen. Es sei eine „mehrjährige Laufzeit“ vereinbart worden, die Miete orientiere sich am „ortsüblichen Niveau“. Mommers: „Wir zahlen keine Fantasiepreise.“

Eine konkrete Anregung nahmen Mommers und Beth aus der Infoveranstaltung mit: Birgit Möller vom Freundeskreis Asyl schlug vor, aus den Turnhallen Flüchtlinge nach Unterelchingen zu verlegen, die zu denen „passen“, die bereits im Ort leben. Etwa was die Nationalität angeht. Das würde die Arbeit der Helfer erleichtern, deren Angebote teils darauf zugeschnitten seien. Und so die Integration der Neuankömmlinge deutlich erleichtern. Auch dafür gab es Applaus.